Das Fed bleibt in der Falle sitzen

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Stephen Roach erklärt in einem Beitrag in der FINANZ und WIRTSCHAFT  das Gedankenmodell von Ben Bernanke und seiner Nachfolgerin und die fatalen Folgen. Die Highlights:

  • „Die US-Notenbank Fed tut sich schwer damit, aus ihrer unkonventionellen Geldpolitik auszusteigen. Das hat mit der Diskrepanz zwischen dem Erfolg dieser Politik bei der Verhinderung einer wirtschaftlichen Katastrophe und dem Scheitern, eine robuste Erholung herbeizuführen, zu tun.“
  • „Auch wenn das Fed die Zinsen nicht mehr weiter senken könne, so lautete damals das Argument (von Bernanke), habe es immer noch eine Menge Instrumente zur Stützung und Führung der Realwirtschaft zur Verfügung.“
  • „Doch die intellektuelle Basis dieses Arguments (…) ist im besten Falle wackelig. Der scheinbar unverfängliche Titel dieses Papiers – „Preventing Deflation: Lessons from Japan’s Experience in the 1990s“ – enthält die grundlegende Behauptung, dass Japans Schwierigkeiten auf einem schwerwiegenden politischen Fehler beruhten: dem Versäumnis der Bank von Japan, die Gefahr einer einsetzenden Deflation frühzeitig zu erkennen und ihr energisch zu begegnen.“
  • „Bei Ausbruch der globalen Finanzkrise ein paar Jahre später wurden diese Aussagen (…) zur Grundlage eines dringenden Aktionsplans. Ein wesentlicher Vorbehalt allerdings ging im allgemeinen Trubel unter: Was in einer Krise funktioniert, reicht nicht zwingend aus, um einen anschliessenden Aufschwung einzuleiten – insbesondere wenn die Realwirtschaft aufgrund der Krise in einer Bilanzrezession feststeckt.“
  • „Obwohl Seine Bilanz seit Ende 2008 schrittweise um 3,6 Bio. $ erhöht wurde, wuchs das nominale BIP im Zeitraum vom dritten Quartal 2008 bis zum zweiten Quartal diesen Jahres bloss 2,5 Bio. $. John Maynard Keynes hatte das nach der Grossen Depression so erklärt: Wenn eine Volkswirtschaft in einer Liquiditätsfalle steckt und der Konsum trotz niedriger Zinsen nicht zulegt, wirkt der Versuch, die Nachfrage durch geldpolitische Massnahmen anzukurbeln, als schiebe man an einem Stück Schnur.“
  • „Am ausgeprägtesten vom unkonventionellen politischen Ansatz des Fed profitiert haben die US-Aktienkurse. Sie haben sich seit dem krisenbedingten Tiefststand mehr als verdoppelt – von den reich belohnten wohlhabenden Aktionären gar nicht zu reden.“
  • „Trotzdem bleibt das Fed auf das Feedback der Finanzmärkte fixiert (…). Aus Furcht vor Marktstörungen verfolgt es einen zeitlupenartigen Ausstieg aus der quantitativen Lockerung. (Damit), tappt Fed-Präsidentin Janet Yellen in dieselbe Falle. Eine derart fruchtlose Debatte gemahnt an das Drehbuch der schrittweisen Normalisierung des Gespanns Bernanke/Greenspan aus den Jahren 2004 bis 2006. Leider wissen wir nur zu gut, wie diese Geschichte ausgegangen ist.“

FuW: Das Fed bleibt in der Falle sitzen, 8. Oktober 2014

In diesem Zusammenhang noch diese – ergänzende – Erinnerung: Die Finanzmärkte hängen am Tropf der Notenbanken. Nur ständig steigende Bilanzsummen und damit Liquiditätsspritzen ermöglichen weiter steigende Kurse. Obwohl schon einmal gezeigt, hier eine andere Darstellung desselben Punktes. Fazit der Analysten: Die Maschine braucht 200 Milliarden Dollar pro Quartal, um am Laufen zu bleiben!

FT Alphaville: It takes $200bn per quarter to feed the machine, 17. Oktober 2014

2 Antworten
  1. Marcus Heer says:

    Absolut richtig was Stephen Roach ausführt. Kurz gesagt: Die Fed wird nicht dauerhaft aus QE aussteigen. Ein wirklicher Ausstieg wäre, wenn die Bilanz sinkt, sei es durch Fälligkeiten oder Verkäufe. Des weiteren kann es sich die Fed aufgrund ihrer Position als Market Maker auf dem Bond- und MBS Markt garnicht leisten dauerhaft auszusteigen oder gar die Zinsen zu erhöhen, was ja einige Zeitgenossen glaubhaft machen wollten.

    Die Fed wird beim kleinsten wackeln der Konjunktur sofort wieder QE auspacken. Darüber geredet wird ja schon wie Aussagen von John Williams Präsident der San Francisco Fed letzte Woche zeigten.

    Und wie Sie auch richtig anmerken Herr Stelter: Die steigenden Börsenkurse sind einzig und allein das Produkt einer gigantischen Liquiditätsschwemme und haben rein garnichts mit den fundamentalen Fakten zu tun. die Aktienmärkte sind meiner Ansicht nach mindestens 10 – 15 % überbewertet.

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