„Corporate foie gras“

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Mehrfach haben wir auf diesen Seiten das Thema der Buy-Backs und Dividenden, die auf Kredit finanziert werden, diskutiert. In der Tat haben die Unternehmen nicht investiert, sondern das billige Geld dazu genutzt, durch Aktienrückkäufe die eigenen Aktien zu stützen, statt durch echte Investitionen die Grundlage für Wachstum und Wohlstand zu legen. Gleichzeitig werden die Bullen nicht müde zu betonen, dass die Unternehmen – vor allem in den USA – so viel Kasse halten wie noch nie. Alles grundsolide also?

Nein, wie diese Analyse zeigt:

Net debt for non-fin

Source: Federal Reserve Flow of Funds (Z.1), Bawerk.net

  • Die Nettoverschuldung war noch nie so hoch wie heute.
  • Die Verschuldung relativ zum Marktwert des Eigenkapitals ist tief. (So rechnet man bei der Firmenbewertung jeweils Marktwerte.) Allerdings zeigt die Geschichte, dass die Marktwerte schnell fallen können – Crash – und dann die Verschuldung plötzlich sehr hoch ist.
  • Die Kollegen von Bawerk gehen dann so weit zu sagen, dass das System steigender Aktienkurse durch Rückkäufe natürlich nur funktioniert, wenn immer mehr Schulden gemacht werden, was bekanntlich nicht unendlich lange geht.

Auch die FT warnt vor den Folgen des Verschuldungsbooms. So hat sich die Qualität der Schuldner in den letzten Jahren deutlich verschlechtert:
Outstanding US corporate debt by ratings category

 

Zwar hat sich das bis jetzt noch nicht in steigenden Ausfällen bemerkbar gemacht. Die geforderten Zinsen sind im Junk-Bereich schon seit einiger Zeit am Steigen. Die Unternehmen haben mit den Schulden keine produktiven Investitionen getätigt, sondern Dividenden gezahlt, Aktien zurückgekauft und andere Firmen übernommen. Kommt das jetzt zum Ende, fällt eine wichtige Stütze der Aktienmärkte weg.

Optimisten sehen kein Problem, steht doch eine Erholung der US-Wirtschaft bevor. Kommt hingegen eine Rezession, haben wir die Grundlage für massive Probleme gelegt. Und das für Schulden, die wir aufgenommen haben ohne realwirtschaftlichen Nutzen.

→ Bawerk: „Corporate foie gras“, 5. September 2015

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