China steht so oder so im Zentrum der nächsten Krise

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In den vergangenen Wochen habe ich mehrfach auf die Bedrohung hingewiesen, die von China für Weltwirtschafts- und Finanzmärkte ausgeht. Martin Wolf bespricht das Thema auch bei der FT und kommt dabei zu einem bedenklichen Fazit: Die nächste Finanzkrise könnte China im Zentrum haben. Hier seine wesentlichen Argumente:

  • „(…) the Chinese economy is, to cite the celebrated words of former premier Wen Jiabao, unstable, unbalanced, uncoordinated and unsustainable. That was true in 2007, when he said it. It is truer today.“ bto: Dazwischen lag die Finanzkrise, die China mit einer Schuldenwirtschaft ungeahnten Ausmaßes bekämpft hat.
  • „Annual gross savings in the Chinese economy amount to 75 per cent of the sum of US and EU savings, at over $5tn last year. China’s gross investment, at 43 per cent of gross domestic product in 2015, was still above its share in 2008, even though the economy’s rate of growth had fallen by at least a third.“ bto: Das Land ist zum Investieren verdammt, um das Problem nicht noch weiter zu vergrößern.

Quelle: FINANCIAL TIMES

  • „China saves more than it can profitably invest at home. In 2015, gross national savings were 48 per cent of GDP. (…) International comparisons suggest that economic growth of 6 per cent warrants investment of little more than a third of GDP. This indicates that China’s surplus savings — surplus, that is, to domestic requirements — may be as much as 15 per cent of GDP.“ bto: Das sind Dimensionen, die die ganze Weltwirtschaft destabilisieren können. Es ist – zur Erinnerung – das gleiche Problem bei uns. Allerdings „nur“ neun Prozent vom BIP.
  • „Where might such surpluses go? The answer is abroad, in the form of current account surpluses. (…) It is likely that this is what would also happen now if the government relaxed exchange controls and brought credit and debt growth to a halt. Capital would pour out, the renminbi would tumble and, in time, a globally unmanageable current account surplus would emerge.“ bto: 15 Prozent Handelsüberschuss vom chinesischen BIP? Da dürfte nicht nur Trump ausrasten.
  • Today’s credit growth and consequent financial fragility are a direct consequence of the desire to prevent this from happening. It has been the way to keep investment up at uneconomic levels.“ bto: Und das mit immer mehr neuen Schulden. Das Land bekämpft die Imbalance mit immer mehr Schulden.

Quelle: FINANCIAL TIMES

Im Vergleich mit anderen Schuldnern:

Quelle: FINANCIAL TIMES

  • „The Chinese authorities are in a trap: either halt credit growth, let investment shrink and generate a recession at home, a huge trade surplus (or both); or keep credit and investment growing, but tighten controls on capital outflows.“ bto: also entweder eine Schuldenblase im Inland oder eine Exportoffensive in ungeahntem Ausmaß mit einer enormen deflationären Wirkung auf die Weltwirtschaft. Spätestens dann ist der Euro Geschichte.
  • „Suppose the Chinese authorities adopted, instead, the alternative policy of rapid liberalisation of both inflows and outflows, while relying on credit expansion to sustain domestic demand. (…) that would also cause three headaches. First, the domestic macroeconomic imbalances would persist. Second, the financial sector would become still more fragile. Finally, this vast, complex and fragile financial system would become fully integrated with the rest of the world’s, itself still far from fully stable. Instead of the Chinese financial crisis that many now think imminent, this would enormously increase the likelihood of another global crisis with China, not the US, at its heart.“ bto: Na, das ist doch mal was. Und dann soll noch jemand sagen, bto wäre pessimistisch.

→ FT (Anmeldung erforderlich): „Chinese finance is storing up trouble for the rest of the world“, 4. April 2017

5 Antworten
  1. Wolfgang Selig says:

    Ehrlich gesagt erscheint mir der Artikel auf dieser Basis zur Analyse des Problems nicht vollständig. Wäre nicht das Thema Wechselkurs des Renminbi zu den übrigen großen Währungen (v.a. dem US-$) ein Steuerungshebel? Oder das chinesische Steuer- und Zollrecht? Mit gestiegener Kaufkraft ließen sich z.B. die konsumtiven Importe erhöhen und zugleich ein außenpolitisch spannungsgeladenes Ausufern der Exporte eindämmen. Gleichzeitig würde man natürlich den Modernisierungsdruck auf unproduktive Wirtschaftszweige erhöhen, wobei man bei frühzeitiger Planung hier eine Gegenstrategie zur Linderung unerwünschter Konsequenzen (wie z.B. Massenarbeitslosigkeit an bestimmten Orten oder in bestimmten Branchen) überlegen könnte. So bleibt der Kommentar m.E. auf halbem Wege stehen.

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  2. Michael Stöcker says:

    „Das Land ist zum Investieren verdammt, um das Problem nicht noch weiter zu vergrößern.“

    Sind Sie sich da so sicher? Sind die Chinesen z. Z: nicht eher zum Konsum verdammt? Wenn schon Investitionen, dann aber bitte nicht in weitere Immobilienwüsten, sondern mehr öffentliche Protzbauten/Museen…

    „15 Prozent Handelsüberschuss vom chinesischen BIP? Da dürfte nicht nur Trump ausrasten.“

    Sehe ich auch so. Von daher: mehr Konsum. LB-Überschussländer leben unterhalb ihrer Möglichkeiten, LB-Defizitländer oberhalb.

    Hier noch einmal der Hinweis auf Brad Setser und Martin Wolf: http://blogs.cfr.org/setser/2017/04/05/china-2016-reserve-loss-is-more-manageable-than-it-seems-on-first-glance/

    LG Michael Stöcker

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    • Wolfgang Selig says:

      Sehe ich auch so, mehr Konsum in China dürfte wichtiger sein. Im Gegenzug mehr Investitionen in öffentliche Infrastruktur in den USA und beide Seiten könnten entspannter leben.

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    • Dietmar Tischer says:

      KURZFRISTIG ist das Land zum Investieren verdammt, weil die Wachstumsrate nicht fallen darf. Würde sie fallen auf – sagen wir – 3 bis 4% wäre das wegen steigender Arbeitslosigkeit ein Desaster mit möglicherweise unbeherrschbarer Destabilisierung.

      LANGFRISTIG in das Land zum Konsum verdammt.

      Ich glaube auch, dass dies die Regierung in China erkannt hat.

      Wie schafft man das in einem Land, in dem die Bevölkerung wie verrückt spart?

      Man wird sie nicht einem Verschuldungsmechanismus wie in den entwickelten Volkswirtschaften aussetzen wollen mit Folgen, die nicht wünschenswert sind.

      Man tut, was man bereits getan hat:

      Weg von der 1-Kind-Politik, was bedeutet, dass damit aus Sicht der Eltern der Konsum notwendigerweise steigen muss.

      Das ist m. A. n. mit Blick auf die chinesische Volkswirtschaft eine richtige Entscheidung, auch wenn sich damit wieder neue Probleme ergeben werden.

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  3. Alexander says:

    Das früher investierte Geld ist nicht weg, es hat nur jemand anders, der es -anlegen- muss. Weg ist das Geld erst durch Tilgung der Schuld. Bis dahin konkurriert altes Geld mit neu geschöpften Investitionsmitteln um laufend geringere Möglichkeiten, d.h. die Preise steigen….Überkapazitäten sind bereits vorhanden, weil Marktmechanismen per Kommando verhindert werden, mit allen Folgen für die Preisfindung/Rohstoffe/Anlagen/Arbeitskräfte etc… Schrumpfen produktive Investitionsmöglichkeiten, sucht das Geld nach „sicherer“/“leichter“ Spekulation = Immobilien. Genau wie die Entwicklung & Umweltzerstörung im Zeitraffer ablief, kommt der Kollaps beschleunigt. Ob die chinesische Gesellschaft über ausreichend Kapitalstock von Infra+Bildung+Demographie verfügt um das zu meistern werden wir sehen. Ferner kann ich nicht erkennen, dass Europa seine Schonfrist genutzt hätte, außer „Um-fair-teilungsutopien“ haben die Regierunden nichts für Infra+Bildung getan. Die Demographie bessert sich im Zuge der Zuwanderung in unsere Sozialsysteme :o)

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