„China muss mehr als 20 Prozent abwerten“

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Bekanntlich halte ich eine Deflation für ein durchaus realistisches Szenario, siehe auch meinen Anlagekommentar gestern Nachmittag auf diesen Seiten. Heute ein interessantes Interview aus der FINANZ und WIRTSCHAFT. Russell Napier ist unabhängiger Anlagestratege und Gründer der Online-Research-Plattform ERIC. Die Highlights:

  • „Gemäss Napier bewegen wir uns damit noch weiter in Richtung seines Szenarios einer globalen Deflation. Was jetzt für einen deflationären Schock mit verheerender Wirkung auf alle Finanzmärkte noch fehle, sei ein grösserer Zahlungsausfall in den Schwellenländern.“ – bto: die Folge von zu vielen Schulden!
  • „Mit der Abwertung will China die geldpolitischen  Bedingungen lockern. Eine Volkswirtschaft kann nicht gleichzeitig ein Wechselkursziel verfolgen, Nettokapitalexporte aufweisen und eine lockere Geldpolitik haben. Der Zentralbank blieb angesichts der Kapitalabflüsse nichts anderes mehr übrig, als am Wechselkurs zu schrauben. China hat abgewertet, um das Zinsniveau nach unten zu bringen.“ – bto: Und die anderen zu warnen.
  • „Ich bin schon länger der Ansicht, dass er sich mehr als 20 % abwerten muss. Das ist keine Prognose, sondern nur ein vage Schätzung, was es braucht, damit die Geldmenge und die Kredite genügend stark wachsen, dass das Wirtschaftswachstum auf einem für die Kommunistische Partei akzeptablem Niveau bleibt.“ – bto: Dies bliebe nicht ohne Gegenreaktion in anderen Ländern.
  • „Für den Rest der Welt sind die Konsequenzen negativ. China kann dann seine Produkte in Dollar billiger verkaufen, was für die direkten Wettbewerber schmerzhaft sein wird. Die Preise werden weltweit noch stärker unter Druck kommen, und das just in einer Phase, in der die Notenbanken weltweit versuchen, Deflation zu verhindern.“ – bto: … und killt den Euro.
  • „Einige Schwellenländer haben sich in den letzten Jahren massiv in fremder Währung verschuldet. Die rasche Abwertung ihrer Heimwährung führt zu einem ernsthaften Solvenzproblem. Wenn es da zu einer Reihe von Zahlungsausfällen kommt, ist eine globale Krise nicht mehr weit. Denn das letzte, das wir in einer Phase mit wenig  Wirtschaftswachstum brauchen, ist eine Kreditklemme in den Schwellenländern.“
  • „Das Problem liegt in Osteuropa. Dort haben sich viele Länder masslos in fremder Währung verschuldet, zwar weniger in Dollar, dafür in Euro oder Franken. Die Türkei zum Beispiel schuldet dem Rest der Welt rund 400 Mrd. $. Es werden weiter Staaten pleitegehen, nicht nur die Ukraine. Das ist nur eine Frage der Zeit.“
  • „Ein weiteres Anleihenkaufprogramm wird diesmal die Aktienkurse nicht mehr hochtreiben. Denn das Ziel dieser unorthodoxen Geldpolitik ist ja, das nominale Bruttoinlandprodukt zu vergrössern, damit die daran gemessene Schuldenquote sinkt. Was wir derzeit weltweit beobachten können, ist das Scheitern dieser Geldpolitik. Nun müssen schmerzhaftere Wege für den Schuldenabbau beschritten werden, etwa Austeritätspolitik, Schuldenschnitte oder massive staatliche Eingriffe in das Preisgefüge. Wenn die Leute das erkennen, werden die Aktienmärkte einbrechen, weil bisher alle darauf gesetzt haben, dass die Medizin der Zentralbanken wirkt.“ – bto: Bingo!

→ FINANZ und WIRTSCHAFT: „China muss mehr als 20 Prozent abwerten“, 21. August 2015

2 Antworten
  1. M.Thalhammer says:

    Wenn die nominalen BIP Zahlen so verdammt wichtig sind, um das Kartenhaus aufrecht zu halten, warum hat man dann die Ölpreise so tief sinken lassen. Vom Hochpunkt bei ca. 140$ p.b. also 100$ Differenz. Mal 90 Mio Faß p.d. * 365 ergibt gut 3 Bio. $ weniger Welt-BIP p.a. Mehrwertsteuer noch nicht dabei, auf der anderen Seite allerdings der Tand, den die Leute nun stattdessen einkaufen können (neues Ei-Phone alle 6 Monate?) auch nicht.

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