bto in drei Bildern

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Bilder sind einprägsamer als Text. Deshalb habe ich neben den vielen Worten bekanntlich auch ein Bilderbuch zur Krise im Angebot.

Heute nun eine noch kürzere Fassung unserer Problemlage.

Zunächst: Wir machen deutlich schneller neue Schulden als die Wirtschaft wächst. Hier am Beispiel der USA. Schwarze Linie der Bestand an Schulden, grün das BIP.

Debt:GDP

 

Dabei nimmt der Grenznutzen weiterer Schulden ständig ab:

DEBT:Growth

Das liegt vor allem daran, dass die Schulden nicht dazu dienen, neue Produkte zu erfinden, um die Welt besser zu machen. Nein, sie dienen dazu, uns vorhandene Vermögenswerte zu immer höheren Preisen gegenseitig zu verkaufen. Kein Wunder, dass das Produktivitätswachstum (hier immer bezogen auf die letzten zehn Jahre, rollierend) rückläufig ist, während die Schulden explodieren:

Debt:ProduktivitätDumm nur, dass die Schulden eigentlich aus Einkommen bedient werden müssten. Letzteres setzt Menschen und Produktivität voraus. Tja …

9 Antworten
  1. Katalin says:

    Hallo,

    China hat gut gelernt, von seinem Vorbild, hier;

    http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/us-top-oekonom-deutschland-ist-ein-billiglohnland/9063064.html

    1. Erstens zahlt Deutschland seinen Arbeitnehmern keinen der Produktivität entsprechenden Lohn. Es bringt seine Beschäftigten um die Früchte ihrer Arbeit
    2. Zweitens investiert es nichts, weder im öffentlichen noch in den privaten Sektor
    3. Beides zusammen führe drittens dazu, dass „Deutschland als Billiglohnland konkurriert.
    4. Viertens zockt Deutschland andere Länder ab, weil seine Exporte durch den schwachen Euro subventioniert warden
    5. Und fünftens nimmt es anderen Ländern Marktanteile weg, indem es Deflation exportiert.“

    Fazit: Deutschlands Wirtschaftspolitik verursacht überall Probleme.

    Gruß

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  2. Dietmar Tischer says:

    Die drei Grafiken sind signifikant – aber halt USA, da ist alles anders. ☺

    Warum das Produktivitätswachstum über lange Zeit stagniert hat, ist nicht so leicht zu beantworten.

    Mit der Korrelation zu steigenden Schulden lässt sich das m. A. n. nicht definitiv erklären.

    Die Frage ist zuerst einmal:

    Warum ist die Produktivität von Mitte der 50er bis Anfang der 80er Jahre so DRAMATICH gefallen, obwohl in diesem Zeitraum das Schuldenwachstum relativ gering war?

    Die Entwicklung der Produktivität hat tieferlegende Gründe.

    Man müsste sich auch mal für die USA die Kurven von Anfang der 40er Jahre bis Anfang der 50er ansehen. Ich meine, dass die USA in den unmittelbaren Nachkriegsjahren mit enormen Wachstumsraten einen riesigen Schuldenberg abgebaut haben. Da dies mit enormer Produktionszunahme von langlebigen Wirtschaftsgütern (Automobile, Haushaltgeräte) verbunden war, dürft in diesem Zeitraum auch die Produktivität gewachsen sein.

    Vielleicht wird man sagen müssen:

    GUT, dass es die Verschuldung ab der 80er Jahre so gewachsen ist. ANDERNFALLS hätte das Produktivitätswachstum nicht nur stagniert (mehr oder weniger), sondern wäre erheblich gefallen.

    JETZT fallen beide Kurven ….

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  3. Andreas Müller says:

    Die letzte Grafik ist interessant: es scheint, dass seit ca. 1980 die Entwicklung abrupt in eine neue, die falsche Richtung gelaufen ist. Mehr Schulden, weniger Realwirtschaft und Produktivitätswachstum. Da muss das Stichwort „Reaganomics“ fallen: Ronald Reagan wurde Anfang 1981 Präsident: „Deficits don’t matter!“
    Ist also richtig, Herr Stelter, was seriöse linke Ökonomen sagen: dass der Neoliberalismus in all seinen Verkleidungen (Clinton hat dasselbe Kind weiter gehätschelt, nur freundlicher präsentiert) aufs Engste mit der Misere verknüpft ist, die wir heute erst voll verstanden haben? 35 Jahre Scheinerfolge und jetzt die große Abrechnung?

    @ Dietmar Tischer
    „Warum ist die Produktivität von Mitte der 50er bis Anfang der 80er Jahre so DRAMATICH gefallen, ..“
    Die Produktivität ist nicht gefallen, sondern ihr Wachstum, also die 1. Ableitung.

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    • Dietmar Tischer says:

      Danke.

      Sie haben völlig recht – ich habe mich falsch ausgedrückt.

      Was ist denn Ihre Erklärung dafür, dass das Produktivitätswachstum von Mitte der 50er Jahre bis Anfang der 80er so stark gefallen ist?

      Sie haben natürlich auch recht, dass die Entwicklung ab 1980 dem Neoliberalismus zuzuschreiben ist (ohne dass wir darüber streiten müssen, was genau der ist und ob da nicht intervenierend eingegriffen wurde).

      >35 Jahre Scheinerfolge …>

      Was für Scheinerfolge, wenn ab Anfang der 80er Jahre ein WEITER abfallendes Wachstum der Produktivität vermieden werden konnte?

      Für mich ist das ein Erfolg – wenn auch einer, der mit wachsender Verschuldung und der jetzt erfolgenden „Abrechnung“ sehr teuer erkauft wurde.

      Wäre dieser Erfolg – oder ein größerer, d. h. wieder steigendes Produktivitätswachstum –auch billiger zu haben gewesen?

      Wäre er anders als durch Verschuldung überhaupt zu haben gewesen (ohne dabei andere Schieflagen zu produzieren)?

      Das sind die Fragen, die LINKE Ökonomen beantworten sollten.

      Wenn sie seriös sein wollen, müssen sie die Mechanismen dafür aufzeigen.

      Das dürfte schwieriger sein, als die für schuldig zu erklären, die an der Macht sind, wenn auf eine Misere zugesteuert wird.

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  4. Andreas Müller says:

    „Was ist denn Ihre Erklärung dafür, dass das Produktivitätswachstum von Mitte der 50er Jahre bis Anfang der 80er so stark gefallen ist?“
    Ich bin kein Ökonom und verfüge über keine Daten dazu. Allerdings kenne ich das Prinzip des abnehmenden Grenznutzens, weil es auch einem Naturwissenschaftler und Ingenieur unmittelbar einleuchtet: die ersten Investitionen in eine neue Art von Produktion bringen den höchsten Fortschritt und Ertrag, die nächsten Verfeinerungen schon weniger. Das liegt einerseits in der Natur der Sache und andererseits daran, dass die hohen Erträge in der ersten Runde Wettbewerber und Nachahmer auf den Plan gerufen haben. Ab den 50er Jahren haben viele neue Produkte zu ordentlichen Preisen den Massenmarkt erreicht: Motorräder, Autos, Radios, Fernseher, Hausgeräte. In den 70er kamen verstärkt die Krisen und neue Wettbewerber wie die Japaner.
    Im Detail müsste man sich auch die Definition der Produktivität ansehen. Ich vermute, dass hier nicht produzierte Mengen von etwas wie Autos zugrunde gelegt werden, sondern damit erzielte Umsätze. Was sonst lässt sich branchenübergreifend aggregieren? In der sinkenden Produktivität dürfte also ein erheblicher Anteil Preisverfall stecken, der ja nicht unbedingt negativ ist, zumindest nicht für den Konsumenten.
    Die Produktivität sehe ich deshalb nicht als Wert an sich an. Die Frage ist eher, auf welchem Weg möglichst viele Leute entsprechend ihrem Beitrag anständig leben können. Das ist grundsätzlich schwer quantifizierbar. Deshalb halten sich so viele Ökonomen an Zahlen fest, deren praktische Bedeutung unter- bis unerklärt bleibt.
    Den politischen Neoliberalismus sehe ich durchaus als Versuch an, die Regeln so zu ändern, dass eine Mehrheit der Wähler an eine weiterhin positive Entwicklung glauben konnte. De facto hat sich das aber als zunehmend schwierig herausgestellt, eine wachsende Minderheit zu Verlierern gemacht und in eine lange ignorierte Schuldenblase geführt.
    „Für mich ist das ein Erfolg – wenn auch einer, der mit wachsender Verschuldung und der jetzt erfolgenden „Abrechnung“ sehr teuer erkauft wurde.“
    Der politische Erfolg misst sich immer daran, dass es erst einmal weitergeht. Wer soll sich da damit aufhalten, dass er eine Schuldenblase aufpumpt, die 30 Jahre, 7-8 Legislaturperioden, später platzt?
    „Das sind die Fragen, die LINKE Ökonomen beantworten sollten.“
    In einem ersten Schritt geht es für jeden Wissenschaftler erst einmal darum, ein Modell zu verstehen, und richtig einzuschätzen, wo seine Sollbruchstelle liegt.
    „Das dürfte schwieriger sein, als die für schuldig zu erklären, die an der Macht sind, wenn auf eine Misere zugesteuert wird.“
    Als die Krisen der 70er Jahre dem Keynesianismus und linker Wirtschaftspolitik den Garaus gemacht haben, war es nicht anders: Keynes und die Linken waren schuld und mussten weg. Und das war ja gar nicht mal falsch, denn sie hatten ja keine Idee von der Endlichkeit ihrer Konzepte und wollten einfach mit mehr vom selben weitermachen. Warum sollte es heute am erkennbaren Ende der neoliberalen Konzepte anders, gerechter sein? Das Problem ist immer, dass auf dem Weg dahin der alte Mainstream so unglaublich selbstgerecht wird, dass am Ende die Geier gierig auf ihn warten.

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  5. DiStefano says:

    „Das sind die Fragen, die LINKE Ökonomen beantworten sollten.“
    Es geht nicht so sehr um linke oder rechte Ökonomen, sondern darum sich richtigen Erklärungen zu nähern.
    Unter Thatcher und Reagan wurde die Ursache des heutigen Schuldenüberhangs mit der Freigabe der Finanzmärkte verursacht. Der Glaube an effiziente Finanzmärkte ist Leuten wie Greenspan leider erst vor wenigen Jahren verloren gegangen. Dass sie nicht effizient sind und ein Eigenleben jenseits der Realwirtschaft führen (Glasperlenspiel) woollne die meisten angeblichen Ökonomen immer noch nicht wahrnehmen.
    Die im oberen Bild angezeigte Divergenz zwischen Kreditzunnahme und realem Wachstum ist begründet darin, dass nur realwirtschaftliche, also investive Kredite zu Wachstum führen, während Finanzkredite kein Wachstum erzeugen (Assettausch).
    Leider sind die Finanzkredite seit Beginn der Achtziger mit vierfacher Geschwindigkeit gewachsen gegenüber Realkrediten. Alleine die Zentralbanken hätten diese enorme Kreditschöpfung der privaten Banken verhindern können. Doch Instrumente wie Kreditplafondierung (hat die Bundesbank Anfang der Siebziger genutzt) gehören wohl nicht in den bevorzugten Instrumentenkasten der Neoliberalen.
    wenn 4/5 der Neukredite nur Wachstumsrelevant sind, dann ist es mehr als logisch, dass der Grenznutzen der Gesamtneuverschuldung abnimmt. Nur wer die Ursachen wahrnimmt, ist in der Lage das Desaster abzumildern.

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    • Dietmar Tischer says:

      Ihr Blick auf die Finanzmärkte ist zu einseitig und verstellt die richtige Sicht der Dinge.

      >Unter Thatcher und Reagan wurde die Ursache des heutigen Schuldenüberhangs mit der Freigabe der Finanzmärkte verursacht.>

      Nehmen wir an, dass die Deregulierung der Finanzmärkte das Kreditangebot verändert und ausgeweitet hat. War es aufgrund dessen ZWINGEND, dass die Nachfrage nach Krediten so wachsen musste, dass es zum Schuldenüberhang gekommen ist?

      Nichts war hier zwingend. Zum Angebot muss die Nachfrage nach Krediten kommen, um den Schuldenüberhang zu generieren. Das Angebot allein schafft das nicht, es kann allenfalls Anreize setzen – wenn auch starke.

      Kurzum:

      Die Deregulierung der Finanzmärkte war eine notwendige Bedingung für den Verschuldungsüberhang genauso wie die Niedrigzinspolitik eine notwendige war.

      Für sich genommen und auch zusammen waren sie nicht hinreichend für den Verschuldungsüberhang.

      >Der Glaube an effiziente Finanzmärkte ist Leuten wie Greenspan leider erst vor wenigen Jahren verloren gegangen. Dass sie nicht effizient sind und ein Eigenleben jenseits der Realwirtschaft führen …>

      Wieviel Kredite gewährt werden und für was sie gewährt werden, hat nichts damit zu tun, ob die Märkte, Finanzmärkte und Gütermärkte, effizient sind.

      Die Finanzmärkte haben als Casino, d. h. mit Wetten (Derivatehandel) sicher auch ein Eigenleben jenseits der Realwirtschaft geführt. Aber nicht nur: Die Subprime-Krise in USA war z. B. sehr auf die Realwirtschaft ausgerichtet, nämlich den Bau von Immobilien.

      >Die im oberen Bild angezeigte Divergenz zwischen Kreditzunnahme und realem Wachstum ist begründet darin, dass nur realwirtschaftliche, also investive Kredite zu Wachstum führen, während Finanzkredite kein Wachstum erzeugen (Assettausch).>

      Die Kreditzunahme im oberen Bild betrifft „Total Outs. Credits“, also alle Kredite, d. h. die an die Finanzwirtschaft und die Realwirtschaft ausgegeben wurden. Es wird nicht aufgeschlüsselt, wie das Verhältnis ist. Es gibt auch Grafiken, die das summierte Verschuldungswachstum von Privathaushalten, nicht finanziellen Unternehmen und des Staates in Relation zum Wachstum der Wirtschaft setzen. Auch da, also ohne Finanzkredite, hat die Verschuldung mehr als das reale Wirtschaftswachstum zugenommen.

      DAFÜR sind Erklärungen zu suchen.

      Das heißt nicht, dass die Finanzmärkte unbeachtlich sind.

      Es heißt allerings, dass man keine richtigen Erklärungen findet, wenn man nur auf die Finanzmärkte schaut.

      Antworten
  6. Ewald Kroiss, LL.M. says:

    Bei zwei verschieden steil ansteigenden Kurven muss das Delta in der Zukunft immer groesser werden, wenn sich an den Fundamentaldaten nichts aendert. Solange die Kapitalmaerkte das Vertrauen haben, wird diese Entwicklung fortgesetzt. Folge koennte aber sein, dass Assets nur diejenigen erwerben koennen, die Zugang zu den Geld- und Kapitalmaerkten besitzen, da aufgrund der steigenden Geldmenge – auch bei Null-Zinsen – die Preise der Assets weiter steigen.

    Mfg
    EK

    Antworten

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