„Brexit is a problem central banks will struggle to fix“

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In einem Kommentar für die WiWo habe ich geschrieben, dass die Märkte im Zuge der damaligen noch Brexit-Ängste eigentlich die Allmacht der Notenbanken in Zweifel ziehen. In der Tat mehren sich die anerkannten Stimmen, die genau diese Frage stellen:  Können die Notenbanken überhaupt noch helfen?

So Mohamed El-Erian in einem Kommentar in der FT. Die Highlights:

  • „In the immediate aftermath of the referendum, markets were heavily influenced by a set of technical influences. The most important comes from the tug of war between cash on the sidelines and margin calls that force selling on the part of levered long accounts that had become way too comfortable with the notion that the status quo would prevail.“ bto: Ich erinnere an dieser Stelle erneut daran, dass Spekulation auf Kredit ziemlich in die Hose gehen kann.
  • „Thereafter, corporate, economic and political factors will be in the driving seat.“ bto: Genau, und hier ist alles natürlich unsicher.
  • Brexit weakens the outlook for corporate profits due to lower growth in the UK and Europe, and a notably higher risk of recession.“ bto: ganz wichtig. Die Krise trifft die Eurozone in einer schlechten Lage und dürfte deshalb die Spannungen dort erhöhen.
  • Fluid politics will also be evident across the English Channel as anti-establishment movements feel emboldened by Brexit success, raising concerns about a domino effect in the EU.“ – bto: hier übrigens schön visualisiert:

Quelle: Zero Hedge

O. k., klingt mal wieder recht pessimistisch, zeigt aber die Größe des Problems. Nun zurück zu den Notenbanken:

  • „For quite a while now, investors have been comforted by the notion that central banks are willing and able to sustainably shield them from the detrimental effects of unusual economic and political developments.bto: Hier erübrigt sich jeder Kommentar.
  • „But central banks now carry an enormous policy burden that has seen them venture ever deeper into an experimental policy terrain that includes negative nominal interest rates. In the process, they have lost policy flexibility and also put their effectiveness and credibility at risk.

Fazit: „As such, markets now face an even bigger ‚fat tail‘ of potential policy mistakes and/or market accidents.“

In einem Beitrag ebenfalls aus der FT in der letzten Woche wurde das Problem der zunehmenden Machtlosigkeit der Notenbanken auch klar gesehen:

  • „Is quantitative failure, in other words the diminishing power of central bank bond-buying to stimulate growth, a risk for the markets? Investors certainly seem to think so. The closely watched Bank of America Merrill Lynch global fund manager survey for June cited quantitative failure as one of the main tail risks in the markets.“
  • „(…) most likely in the eurozone and Japan, where a sizeable chunk of bonds are trading at negative yields. The problem is that the central banks in these regions, particularly the Bank of Japan, have bought so many bonds that the purchases are having a diminishing impact on bond yields and the market.“ – bto: Das ist genau das auch von mir angesprochene Phänomen des abnehmenden Grenznutzens.
  • „This quantitative exhaustion may lead to another risk: that central bankers will resort to helicopter money in the eurozone and Japan.“ – bto: Streichen wir „may“, sie werden es massiv machen, auch dank des Brexit.
  • „(…) helicopter money would be the natural successor to other unconventional policies, such as zero interest rates, forward guidance, QE and negative interest rates.

Die Notenbanken werden es tun. Ohne Zweifel. Die Frage ist: Wird es noch funktionieren?

→ FT (Anmeldung erforderlich): „Brexit is a problem central banks will struggle to fix“, 26. Juni 2016

→ FT (Anmeldung erforderlich): Quantitative exhaustion smothers markets, 19. Juni 2016

5 Kommentare
  1. Katalin says:

    Hallo,

    wenn man bedenkt, dass der Zins der wichtigste aller Preise in einer Marktwirtschaft ist und er sich nie frei am Markt gebildet hat, sondern immer von den ZB-en bestimmt wurde, sollte man sich vielleicht fragen, ob wir von einer freien Marktwirtschaft sprechen können.

    Ich würde sagen nein, wir leben und haben auch nie in einer freien Marktwirschaft gelebt, denn hätten wir in einer freien Marktwirtschaft gelebt, wären wir in diese Situation nie gekommen, aufgrund Marktbereinigender Kräfte die eine wirklich freie Marktwirtschaft ausmachen und durch die Gesetze der Natur gegeben sind. (hier haben die Angebotstheoretiker oder die Neoliberalen recht, da ihre Theorie schlüssig ist)

    Das Problem ist, dass sie die schwächen des Menschen zu wenig berucksichtigt. Habgier, Neid, führen aber dazu, dass die Menschen immer wieder versuchen die Marktgesetze zu manipulieren um den freien Wettbewerb einzuschrenken, auch aber bei weitem nicht nur durch die ZB-en.

    Fazit: Die gewollte oder bewusst in Kauf genommene Schuldenexplosion ist im Interesse gewisser Gruppen durch gelenkte Marktwirtschaft zu zustande gekommen. Warum sollten dieselben Gruppen nicht in der Lage sein, diese Verschuldung kontrolliert zurückzuführen.

    Gruß

    Antworten
  2. Dietmar Tischer says:

    Es ist klar, dass die Zentralbanken versuchen werden, die WIRTSCHAFTLICHEN Reaktionen – vor allem die FOLGEN von Bewertungsänderungen – nicht in eine unkontrollierbare Kettenreaktion eskalieren zu lassen.

    Können sie das oder nicht?

    Die Frage muss man stellen, wenn man vom Wirkmechanismus ausgeht, der zum Brexit geführt hat, wobei ich unterstelle, dass dieser nicht revidiert wird (was weitere Wirkmechanismen in Gang setzen würde).

    Mein Verständnis dessen, was den Brexit bewirkt hat:

    Es sind vor allem die realwirtschaftlichen Veränderungen durch die Megatrends, vor allem Demografie und Globalisierung, die in alle entwickelten Volkswirtschaften Verteilungskonflikte generieren, u. a. zwischen junger und alter Bevölkerung. In GB brachte die Armutsmigration aus der EU das Fass zum Überlaufen. Die Wut auf Brüssel ist z. T. zwar berechtigt, m. A. n. aber vielfach nur Projektion, weil man Schuldige braucht.

    Der Brexit führt zu REGULATIVEN Änderungen, insbesondere wird die vertragliche Grundlage der Handelsbeziehungen zwischen GB und der EU neu geregelt. Dies bedeutet zumindest Unsicherheit und daher PERSPEKTIVISCH eine ABWERTUNG des Standorts, wovon Assets (u. a. Immobilien insbesondere in London) und Investitionen etc. betroffen sind. Die diffuse politische Lage (Schottland) verschärft diese Reaktion.

    Dies wiederum führt zu REALWIRTSCHAFTLICHEN Reaktionen, die sich negativ auf die Wirtschaft auswirken werden, auch wenn das Pfund abwertet und damit der Exportwirtschaft hilft. Aktuelles Beispiel: Die Ratingagenturen stufen GB hinsichtlich der Bonität ab, d. h. Refinanzierung des Staates wird teurer mit wiederum negativen Effekten, die sich u. a. in einem schwächeren Wachstum zeigen werden.

    Ich sehe nicht, wie die Notenbanken in diesen Wirkmechanismus so eingreifen können, dass er GRUNDSÄTZLICH anders abläuft.

    Sie können natürlich den angeschlagenen Banken helfen, die durch diesen Mechanismus in Schwierigkeiten kommen. Den Mechanismus können sie aber damit nicht stoppen.

    Helikoptergeld wird nicht einfach so kommen als „natural successor“. Die Notenbanken werden es WOLLEN, aber sie haben kein OFFENSICHTLICHES Mandat dazu und es wird bittere POLITISCHE Auseinandersetzungen geben, wenn sie dazu greifen – Ausgang offen.

    GB hat eine Chance, diesem Wirkmechanismus zu entkommen, wenn in der EU die PROBLEME wachsen, insbesondere wenn die Eurozone zerfallen sollte. Das ist keineswegs ausgeschlossen. Auf jeden Fall wird die EU UNATTRATIVER, weil sich die Regierungen nicht einigen werden, wie die EU zu stabilisieren ist. Juncker und Schulz reden von „Vertiefung“. Sie haben den Schuss nicht gehört, während andere durchaus sehen, dass mehr „Flexibilität“ erforderlich ist, wenn der Brexit nicht Schule machen soll. Insofern besteht eine gewisse Hoffnung für GB.

    Was langfristig der Fall ist, kann niemand mit Gewissheit sagen.

    Antworten
  3. Dietmar Tischer says:

    Die Zentralbanken sind sich schon im Klaren darüber, auf welchen REALWIRTSCHAFTLICHEN Gegebenheiten ihre Geldpolitik aufsetzt.

    Hier aktuell Draghi in einer Rede, die er heute gehalten hat:

    https://www.ecb.europa.eu/press/key/date/2016/html/sp160628.en.html

    Daraus:

    „The second type of factors (für global geringe Inflation, D. T.) is more structural in nature …That low interest rate environment is a consequence of a global excess of desired saving over planned investment, which results from rising net savings as populations plan for retirement; from increased demand for and lower supply of safe assets; from relatively less public capital expenditure in a context of slowing population growth in advanced economies; from the secular shift from industries intensive in physical capital to those more intensive in human capital; and from a slowdown in productivity growth that reduces returns on investment.”

    Bei diesen Verwerfungen muss man sich natürlich fragen, WAS Geldpolitik – auch unkonventionelle – ÜBERHAUPT noch bewirken kann.

    Dabei hat er die global extrem hohe Verschuldung noch nicht einmal erwähnt!

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