Bonds versus Aktien auf lange Sicht

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Das mit dem Kolumnenschreiben ist ja so eine Sache. Vor allem bekommt man da so Einiges an Kommentaren zu lesen. Die Leser von bto gehen ja weitaus netter mit mir und miteinander um. Bei der WiWo wird da schon schärfer geschossen. „Keine Ahnung“ und „das Dümmste, was ich je gelesen habe“ ist da noch harmlos. Da muss ich dann zugeben, dass mich das dahin gehend nervt, wenn es halt nicht sauber begründet ist. Wenn ich mich irre – und das habe ich definitiv und werde es auch weiter tun –, so kann man das natürlich anmerken. So der Kommentator zu meinem WiWo-Beitrag zum Helikopter-Geld in Europa, der darauf hinweist, dass ich im Herbst 2003 fälschlicherweise vor US-Aktien gewarnt hätte. Er hätte natürlich auch meine Warnung in der WiWo vom Herbst 2000 nennen können oder die Warnung vom letzten Dezember. Aber es ist o. k.

Doch die Frage ist: Was wäre 2003 das bessere Investment gewesen? US-Aktien oder Anleihen? Hier ein Chart:

Felder-1

Über den Daumen gepeilt haben Aktien und Bonds seit damals ungefähr gleich viel zugelegt (130 Prozent). Allerdings war es bei Aktien ein deutlich turbulenterer Ritt.

Die damals benannten Probleme der hohen Verschuldung der US-Haushalte wurden durch billiges Geld und noch mehr Schulden in Verbindung mit der US-Immobilien-Blase „gelöst“ – zum Preis einer noch größeren Krise. Deshalb wage ich die Prognose, dass man auch in sieben Jahren wieder am Höchststand der Börsen (bei Negativzinsen von fünf Prozent??) lesen wird, welche schlechten Prognosen ich doch abgegeben habe. Kann sein. Wäre auch für mich nicht schlecht, weil dann das System eine Runde weitergekommen ist. Aber die Probleme werden noch größer sein und damit der Knall, der irgendwann kommen muss, noch lauter.

P.S.: Natürlich ist es ein ganz schlechtes Zeichen, wenn Bonds Aktien über einen so langen Zeitraum schlagen. Das kann nicht ewig so weitergehen. Doch würde ich daraus nicht schließen, dass man ab heute mit Aktien reich wird. Vielleicht weniger arm?

Zero Hedge: „Bull Rallies In Bear Markets – The Perfect Storm“, 28. Februar 2016

10 Antworten
  1. MFK says:

    Nimmt man längere Zeiträume so relativiert sich das Bild in den USA:
    1965 – 2014
    Bonds 3,4%
    Aktien 5,7%
    1900 – 2014
    Bonds 2,0%
    Aktien 6,5%
    (Quelle Credit Suisse Global Investment Return Yearbook 2015). Hier spielen natürlich die Nachkriegsjahre mit hohem Wachstum eine Rolle. Wobei bei deutschen Aktien sich das Bild erst bei einer Betrachtung ab 1900 zugunsten der Aktie wendet.

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  2. Björn M. says:

    Da sagen Sie was…

    Prognosen und Irrtümer sind Geschwister und wer sich festlegt muss auch mal falsch liegen. Das ist völlig legitim. Lieber falsch liegen als nur schwammig und für keinen zu gebrauchen.

    Zum Thema Aktienmarkt hoch und Zins Minus 5%.

    Sollte es so sein, dann wären die heutigen Probleme allerdings NICHT größer als vorher denke ich. Ich möchte es auch begründen… ;-)

    Sollte die Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals Richtung 0 tendieren, der Zins bei -5% sein und dort einige Jahre verharren, da die Psychologie (oder der Schuldenberg) keinen neuen Zyklus zulassen, würden sowohl Vermögen (die eine Seite der Medaille) wie auch Schulden (die andere Seite), sinken und damit das Problem eben doch verkleinern. Man muss sich nur in diesen Zustand reindenken. Die Staatsverschuldung alleine würde sich deutlich senken bei indentischen Ausgaben in anderen Bereichen und und und…Anhand der sektoralen Salden kann man sich das ganze sehr gut vorstellen…

    Gleichzeitig sorgt die Substitution des verschwundenen Giralgeldes durch Notenbankgeld zu einer Stabilisierung der Lohnstruktur.

    Also mit anderen Worten, in einem „echten Negativzinsumfeld“ (Mit Bargeldkontrolle, klar) würde sich sehr wohl einiges ändern können, je nach Situation.

    Viele Grüße und weiter so!

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    • Michael Stöcker says:

      Ihr Szenario entspricht dem Titel von Daniel Stelters neuem Buch. Zu dumm, dass die Temperaturen aber nicht ausreichen, um die realen Strukturen zu erhalten. Es werden nicht nur Geldschulden/Geldvermögen abgebaut, sondern zugleich keine realen Ersatzinvestitionen getätigt werden. Ein Destruktionsprogramm mit Erfolgsgarantie.

      Mit Bargeldkontrolle würde sich in der Tat so einiges ändern. Es wäre der letzte Schritt in den totalitären Überwachungsstaat: Operation gelungen, Demokratie tot.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
      • Björn M. says:

        Hallo Herr Stöcker,

        Demokratie „tot“ mag etwas überspitzt sein, aber es wäre mit Sicherheit ein kräftiger Schritt in diese Richtung, ja. Schön finde ich das alles auch nicht, und doch sieht es sehr danach aus.

        Immer wieder wenn ich Keynes und Gesell lese (die ich beide für echte Genies halte) wird mir klar, dass es gewisse Ziele gibt, die zwangsläufig kommen werden, die Frage ist nur auf welchem Wege…

        Grüße

  3. Christoph says:

    Hallo Herr Stelter,

    ich teile Ihre Meinung zu unseren Problemen und auch bei der Lösung für den einzelnen Investor (Sachwerte, mindestens 80% global diversifizierte Aktien-ETFs, die ein oder andere Renditeimmobilie, etwas Gold und Silber und so weiter) bin ich komplett bei Ihnen.

    Aber ich kann nicht nachvollziehen, dass Sie dem Privatmann über Prognosen und Warnungen indirekt dazu raten Market-Timing und Stock-Picking zu betreiben. Dass so, bis auf ganz wenige Ausnahmen, noch nicht mal die Profis zuverlässig über einen langen Zeitraum den Markt schlagen können, ist ohne Zweifel wissenschaftlich belegt.Warum sollte man sich also überhaupt damit beschäftigen?

    Das einzige was ich mir gefallen lasse, ist ein verstärktes nachkaufen (vielleicht sogar mit etwas Leverage) in einer Krise, wenn die Märkte extrem eingebrochen sind. Ansonsten kann man sich doch nur eine sehr gute Allocation überlegen und regelmäßig über lange Zeiträume einkaufen und auch bei schweren Unwettern den Kurs halten. Oder sehen Sie das wirklich anders?

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