„Beware the zombies behind the world’s productivity problem“

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Die Fakten zum Produktivitätswachstum sind ernüchternd. Hier die Zahlen vom Conference Board:

→ Conference Board: „Rebound in Global Productivity Growth Not in Sight“, November 2016

Ein wesentlicher Grund für das geringe Produktivitätswachstum sind die ungelösten Probleme der Vergangenheit, namentlich die Zombies: Unternehmen, die nur noch die (tiefen) Zinsen bezahlen können, aber nicht investieren und innovieren. Damit tragen sie nicht nur direkt zu dem geringen Produktivitätswachstum bei, sondern vergiften auch gleich das Geschäft für die anderen Akteure im Markt. Die FT fasst das schön zusammen:

  • „Without productivity improvements, other economic problems will be harder to solve, as even the best policies will, to some extent, amount to zero-sum games and therefore butt up against greater political resistance. When productivity grows faster, it is easier to spend on needed causes with less sacrifice from taxpayers, and to compensate losers from necessary reforms.“ bto: Das ist so simpel wie einleuchtend.
  • „(…) productivity growth is not stuttering everywhere in the economy. In fact the best “frontier” companies are increasing their productivity as fast as before the financial crisis. The disappointing economy-wide productivity figures are to be blamed on the companies that are behind the frontier, and which seem to have got worse at picking up best practice from the productivity leaders bto: Ja, weil sie es nicht können.
  • „(…) what is at work are zombies! By zombies are meant companies whose regular revenues at most cover their interest expenses (if that). The OECD researchers find that such zombies take up a frighteningly large part of the economy. Across the nine European countries they studied, the share of the total private capital stock sunk in zombie companies ranges from 5 to 20 per cent.“ bto: Das ist deutlich mehr, als ich gedacht hätte.

  • „Why have zombies proliferated to such an extent? Awful economic growth environments are a big part of the cause, of course (Italy has the biggest zombie problem of the countries examined). (…) The answer must be forbearance by creditors — typically banks that decide not to foreclose on bad loans.“- bto: weil die Banken sonst Pleite wären!
  • Critics of loose monetary policy often complain that low interest rates have allowed bad businesses to stay in business. This is, at best, half-true. (bto: Hätte ich auch gedacht.) (…) It is not the cost of borrowing that is at fault, but creditors’ willingness to tide over debtors who can barely meet even record-low interest service, let alone pay back the money they have borrowed. And the cause of that, in turn, is that governments have refrained from forcing banks to write down more decisively their own exposures to zombie companies.“ bto: Dann würde die völlige Überschuldung für alle deutlich.

bto: Und so vergiften die faulen Zombie-Banken mit den Zombie-Unternehmen das wirtschaftliche Umfeld, das ohnehin schon unter Druck ist durch andere Faktoren.

→ FT (Anmeldung erforderlich): „Beware the zombies behind the world’s productivity problem“, 13. Januar 2017

Und hier der Link zur OECD-Studie:

„THE WALKING DEAD? ZOMBIE FIRMS AND PRODUCTIVITY PERFORMANCE IN OECD COUNTRIES“, 10. Januar 2017

14 Antworten
  1. Michael Stöcker says:

    Das Zombie-Problem ist zu einem großen Teil selbst gemacht. Ursache hierfür sind die nationalen und internationalen Ungleichgewichte. Ein eklatanter Mangel an fiskalischer Redistribution (nationale und internationale Steuervermeidung) bedroht die gesellschaftliche Stabilität. Wir haben es hier keinesfalls mit einem Schumpeter-Moment zu tun, sondern mit einer ähnlichen Situation wie 1929. Statt schöpferischer Zerstörung droht eine massive destruktive Zerstörung, an deren Ende alles möglich ist. Wir haben es mit einem kollektiven Versagen zu tun; insbesondere auch bei dieser Zombie-Analyse: https://zinsfehler.com/2016/12/01/das-kollektive-versagen/.

    LG Michael Stöcker

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      >Ursache hierfür sind die nationalen und internationalen Ungleichgewichte.>

      Das ist in dieser Ausschließlichkeit falsch.

      Die Ungleichgewichte sind erst einmal INDIKATOREN, aber nicht Ursache.

      Für die Eurozone:

      WESENTLICHE Ursache für das Zombie-Problem ist die Schaffung einer Währungsunion, in der unterschiedliches Wirtschaften (Inflation, Staatsverschuldung, Regulierung etc.) nicht mehr durch externe Anpassung, d. h. mittels Auf- und Abwertung der Landeswährungen kompensiert werden kann, sondern nur noch durch offensichtlich nicht zu leistende interne Anpassung (Strukturreformen).

      Wenn es nicht zu derartigen Reformen kommt, die sich in nachhaltiger Wettbewerbsfähigkeit zeigen müssten, wird es weiterhin die zu hohe Ungleichgewichte geben.

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      • Michael Stöcker says:

        „Die Ungleichgewichte sind erst einmal INDIKATOREN, aber nicht Ursache.“

        Jein. Nationale Ungleichgewichte bei der Entwicklung von Löhnen (insbesondere die Förderung des Niedriglohnsektors) sowie internationale Ungleichgewichte bei der Kreditexpansion sind beide ursächlich verantwortlich für hohe Leistungsbilanzungleichgewichte. Persistente Leistungsbilanzungleichgewichte führen früher oder später zu Zahlungsbilanzkrisen. Der Matthäus-Effekt wirkt auf nationaler und auf internationaler Ebene. Da hilft auch ein flexibler Wechselkurs nur sehr bedingt, wie man am Beispiel der scheinbar so stabilen Schweiz erkennen kann, deren relativer LB-Überschuss noch höher ist als in Deutschland: https://insideparadeplatz.ch/2017/01/04/2017-jahr-des-grauens-fuer-die-eliten/.

        LG Michael Stöcker

      • Michael Stöcker says:

        „WESENTLICHE Ursache für das Zombie-Problem ist die Schaffung einer Währungsunion, in der…“ sich die Länder nicht an die implizite Regel einer solchen Gemeinschaftswährung halten. Und diese Regel lautet: 2 % Zielinflation. Dieses Ziel wurde durch die Agenda 2010 unterminiert und zugleich wurden Griechenland & Co. bei ihrer Kreditparty durch deutsche und französische Banken angefixt („When the music stops, in terms of liquidity, things will be complicated. But as long as the music is playing, you’ve got to get up and dance.”).

        Nur Frankreich hat sich relativ gut an diese Regel gehalten. Ändern müssen sich also insbesondere diejenigen Länder, die sich nicht an diese Regel gehalten haben. Um diese über viele Jahre gewachsenen Disparitäten auszugleichen, benötigen wir insbesondere im wirtschaftlich besonders bedeutsamen Deutschland eine nachholende Inflation, damit die EZB ihrem Auftrag überhaupt gerecht werden kann: http://www.handelsblatt.com/politik/international/internationaler-waehrungsfonds-iwf-fordert-inflation-von-ueber-zwei-prozent-in-deutschland/19311588.html. Dieser fundamentalen Erkenntnis verschließt sich Deutschland und wird somit Europa – und somit letztlich auch sich selbst – gegen die Wand fahren.

        LG Michael Stöcker

  2. Dietmar Tischer says:

    Alles nachvollziehbar und, soweit ich sehe, nicht falsch.

    Aber auch nicht die ganze Wahrheit, wenn es heißt:

    >„Critics of loose monetary policy often complain that low interest rates have allowed bad businesses to stay in business. This is, at best, half-true. (bto: Hätte ich auch gedacht.) (…) It is not the cost of borrowing that is at fault, but creditors’ willingness to tide over debtors who can barely meet even record-low interest service, let alone pay back the money they have borrowed. And the cause of that, in turn, is that governments have refrained from forcing banks to write down more decisively their own exposures to zombie companies.“ – bto: Dann würde die völlige Überschuldung für alle deutlich.>

    Wie schön, wenn es nur damit getan wäre, dass für alle die Überschuldung deutlich würde. Diese Erkenntnis sollten alle ertragen können zumal sie sich erwiesenermaßen sehr gut verdrängen lässt.

    Es geht darum, dass nicht nur die Gläubiger, sondern NIEMAND ein Interesse hat, die Schuldner mit den Zombie-Unternehmen an der Spitze über die Wupper gehen zu lassen, weil dies nach Lage der Dinge aufgrund von Kettenreaktionen sofortige MASSENARBEITSLOSIGKEIT und politisches Chaos generieren würde.

    Übrigens:

    Wir (GER) tauchen in den Zombie-Diagrammen nicht auf. Bei uns als „Nur-Gläubiger-Nation“ steht eben alles zum Besten ☺

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  3. Dietmar Tischer says:

    @ Michael Stöcker

    >Nationale Ungleichgewichte bei der Entwicklung von Löhnen (insbesondere die Förderung des Niedriglohnsektors) sowie internationale Ungleichgewichte bei der Kreditexpansion sind beide ursächlich verantwortlich für hohe Leistungsbilanzungleichgewichte.>

    Nicht immer und überall.

    Niedrige Löhne und ungleiche Kreditexpansion müssen jedenfalls nicht notwendigerweise zu dauerhaften Ungleichgewichten führen derart, dass es zu einer destruktiven Zerstörung wie 1929 ff. kommen MUSS.

    Sie argumentieren aus der Perspektive eines EINHEITLICHEN Währungsraums, in dem nationale Ungleichgewichte natürlich nicht mehr über die Währung neutralisiert werden können. Wobei ich nicht sage, dass sich alle Ungleichgewichte über die Währungen neutralisieren lassen.

    Andersrum wird ein Schuh daraus:

    Wenn man UNTERSCHIEDLICHE Volkswirtschaften einem Währungsraum unterwirft, sind natürlich Reaktionen zu erwarten, die Ungleichgewichte erhöhen.

    Beispiel Agenda 2010:

    Wenn durch die Währungsunion der Preis für Kapital in der Peripherie fällt wegen des Entfalls des Risikozuschlags (Entfall der Abwertungsmöglichkeit), dann mussten wir das eben mit dem Preis für Arbeit kompensieren. Deshalb Agenda 2010 (und auch – aus meiner Sicht der wichtigere Grund –– weil die Arbeitslosigkeit schon vor Einführung des Euro so hoch war, dass die Sozialleistungen nur durch höhere Verschuldung zu finanzieren gewesen wären). Ich will keine Agenda-Diskussion hier lostreten, sondern nur sagen: Es gibt Ungleichgewichte, die dem Währungsraum zu verdanken sind und durch ihn verstärkt werden, u. a. auch – richtig – die Divergenz in der Lohn- und Gehaltsentwicklung.

    Dass dadurch entstandene oder vertiefte Ungleichgewichte, etwa die Handels- oder Leistungsbilanz betreffend, wiederum URSACHEN für weitere Ungleichgewichte sind, bestreite ich nicht.

    Antworten
    • Michael Stöcker says:

      „Wenn durch die Währungsunion der Preis für Kapital in der Peripherie fällt wegen des Entfalls des Risikozuschlags (Entfall der Abwertungsmöglichkeit), dann mussten wir das eben mit dem Preis für Arbeit kompensieren.“

      Es handelt sich hier um ein totales Marktversagen im Finanzsektor. Warum? Die Hauptfunktion des Zinses ist die einer Versicherungsprämie für das Kreditausfallrisiko, wie Sie richtig betonen. Dieses Risiko hat sich selbstverständlich durch den Euro kaum geändert, sondern ist in den Bonitätskriterien bei der Kreditvergabe in den südlichen Banken verankert. Die sind/waren bei der Kreditvergabe einfach etwas großzügiger. Da das Risiko aber tatsächlich nicht weggefallen ist, wie wir seit spätestens 2010 wissen, gab es auch nichts, was zu kompensieren gewesen wäre. Sollte dies tatsächlich der Fall gewesen sein, was ich stark bezweifle, dann wäre dies ein doppeltes Marktversagen. Aber mir ist nicht bekannt, dass insbesondere in Griechenland oder Portugal eine Wettbewerbssituation besteht wie z. B. zwischen Deutschland und der Schweiz im Bereich Pharma und Maschinenbau. Zudem ist die Kapitalintensität dieser Länder doch keinesfalls mit Deutschland vergleichbar. Das spricht alles eher gegen Ihre Kompensationsthese. Zum Spezialfall Griechenland hatte Georg Erber (DIW) im Jahre 2015 mehrere gute Beiträge geschrieben: https://phraathit.wordpress.com/.

      In einem dreistufigen Geldsystem mit einem Interzentralbankenmarkt hätte die Bundesbank einer solchen Fehlentwicklung sicherlich rechtzeitig die rote Karte gezeigt und das Zinsniveau hätte sich sehr schnell den realen Verhältnissen angepasst und der Spread zwischen deutschen und südeuropäischen Zinsniveaus hätte als Kreditexpansionsbremse seine Wirkung entfalten können. Die relativ willkürlichen Maastrichtkriterien, die sehr einseitig nur die staatliche Verschuldung im Blick haben, waren und sind als Präventionsmechanismus weitgehend ungeeignet und/oder unvollständig.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        >Dieses Risiko hat sich selbstverständlich durch den Euro kaum geändert, sondern ist in den Bonitätskriterien bei der Kreditvergabe in den südlichen Banken verankert. Die sind/waren bei der Kreditvergabe einfach etwas großzügiger. Da das Risiko aber tatsächlich nicht weggefallen ist, wie wir seit spätestens 2010 wissen, gab es auch nichts, was zu kompensieren gewesen wäre. >

        Ich bitte Sie.

        Für AUSLÄNDISCHE Investoren hatte sich das Risiko selbstverständlich geändert. Es hatte sich vermindert, weil keine Abwertung wie bei einer Landeswährung mehr möglich war. Sie wissen doch ganz genau, wie die Währungen der Südländer abgewertet hatten gegenüber der DM bzw, diese aufgewertet hatte, bevor die Währungsunion etabliert war.

        Dass sich die Bonitätskriterien erst einmal NICHT geändert hatten, hat damit nichts zu tun.

        Dem Abwertungsdruck zu entkommen und damit für ausländische Investoren attraktiver zu werden, war m. A. n. der Hauptgrund der Südländer, eine Währungsunion mit uns einzugehen.

        Und selbstverständlich waren die sich verbessernden Kapitalkosten im Süden ein Nachteil für uns – tendenziell auf jeden Fall. Ich lasse aber mit mir darüber reden, in welchem Maß das der Fall war.

        Wie Sie aus anderen Diskussionen wissen, vertrete ich nicht die These, dass es einen Wettbewerb gab um gespartes Geld (loanable funds). Das heißt aber nicht, dass die Kapitalkosten bedeutungslos sind.

        Spätestens ab 2010 wissen wir, dass sich das Risiko durch die Währungsunion und den Wegfall der Spreads ERHÖHT hat. Denn die niedrigeren Zinsen haben sich nicht nur zur Fehlinvestitionen geführt, wie z. B. der Immobilienblase in Spanien, sondern auch zu einem Konsumboom wie in Griechenland mit Wachstumsraten von mehr als 5%, weil sich die Privathaushalte vermehrt verschulden konnten.

        Was die Maastrichtkriterien betrifft, stimme ich Ihnen zu.

      • Michael Stöcker says:

        „Dass sich die Bonitätskriterien erst einmal NICHT geändert hatten, hat damit nichts zu tun.“

        ??? Wechselkurs und Zinsniveau sind ein Spiegelbild der Bonitätskriterien. Wie bereits geschrieben: Ein totales Marktversagen. Ich hatte seinerzeit nicht verstanden, warum das Zinsniveau insbesondere in GR so stark gesunken war.

        „Dem Abwertungsdruck zu entkommen und damit für ausländische Investoren attraktiver zu werden, war m. A. n. der Hauptgrund der Südländer, eine Währungsunion mit uns einzugehen.“

        Keine Frage! Das ändert aber nichts an einem völligen Marktversagen im Finanzsektor sowie dem anschließenden politischen Versagen der Demokratie. In diesem Interview erläutert Anat Admati ihre Sicht der Dinge, die sie letztlich schon in ihrem Buch mit Martin Hellwig dargelegt hatte: http://macromarketmusings.blogspot.de/2017/01/macro-musings-podcast-anat-admati.html

        LG Michael Stöcker

  4. Dietmar Tischer says:

    @ Michael Stöcker

    >??? Wechselkurs und Zinsniveau sind ein Spiegelbild der Bonitätskriterien. Wie bereits geschrieben: Ein totales Marktversagen. Ich hatte seinerzeit nicht verstanden, warum das Zinsniveau insbesondere in GR so stark gesunken war.>

    Wir reden offensichtlich aneinander vorbei.

    Meine Auffassung bezieht sich auf die Tatsache, dass die politisch gewollte und administrativ eingeführte WÄHRUNGSUNION das Zinsniveau in den Peripheriestaaten durch Wegfall des Risikoaufschlags gesenkt hat.

    Dieser Sachverhalt hat nichts mit Marktversagen zu tun und auch nichts mit der Bonität eines Unternehmens in einem dieser Länder. Sie hat etwas damit zu tun, dass in diesen Ländern die Kosten von Fremdfinanzierung gesunken waren, seien es solche für Konsum oder Investitionen.

    VERSAGEN war, dass zu viele Kredite aufgenommen wurden, dadurch die Gesamtverschuldung wuchs und viele der Kredite für Konsum und Fehlinvestitionen eingesetzt wurden.

    Das kann man durchaus MARKTVERSAGEN nennen. Beteiligt waren die Akteure in den Peripherieländern und insbesondere Banken im Kern anderswo.

    DADURCH hat sich natürlich die Bonität von Staat, des Finanzsektors, der realwirtschaftlichen Unternehmen und Haushalten in diesen Ländern verändert. Und natürlich auch die von Banken in Frankreich und Deutschland beispielsweise.

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