Best of 2016: Ray Dalio hofft auf die Inflationierung – was, wenn die nicht klappt?

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal am 26. Januar 2016 bei bto:

Ray Dalio ist ein wirklicher Superstar. Sein Hedgefond Bridgewater ist legendär und hat ihn zum mehrfachen Milliardär gemacht. Ein wirklich gutes Beispiel für:

  • das Fehlleiten von Talenten in unserer Wirtschaft,
  • die Möglichkeiten, die der dreißigjährige Boom an den Finanzmärkten geboten hat,
  • die Wirkung des Leverage.

Das klingt neidischer, als es ist. Dalio versteht nämlich sehr gut, wovon er spricht. Immer wieder an dieser Stelle empfohlen sein Video:→  How the Economic Machine Works. Ein echtes MUSS.

Er hat bereits zu früheren Zeitpunkten vor den Folgen der derzeitigen Politik gewarnt, so u. a. hier:→  BIZ und Ray Dalio warnen – beide zu spät.

Letzte Woche hat er sich dann von Davos aus im Fernsehen geäußert, was natürlich breite Aufmerksamkeit genoss, so bei den Kollegen von Zero Hedge: → „‚If Assets Remain Correlated, There’ll Be A Depression‘: Ray Dalio Says QE4 Just Around The Corner“, 20. Januar 2016

Um aber sicher zu gehen, dass es auch jene lesen, die noch nicht bei Zero Hedge sind, schob er nun einen Gastbeitrag in der FT nach, den ich nur unterschreiben kann. Allerdings fehlt mir sein Lösungsvorschlag für unsere Ponzi-Krise, die er zwar richtig beschreibt, aber nur eine Runde weiterbringen will. Hier seine knappe Argumentation:

  • Volkswirte und Notenbanken haben ein falsches Konzept des Konjunkturzyklus: Wenn Kapazitäten ausgelastet sind und Vollbeschäftigung herrscht, muss man Geld teurer machen (bto: um eine Inflation zu verhindern), während man es im umgekehrten Fall billig macht, um die Wirtschaft anzukurbeln.
  • In Wirklichkeit handelt es sich aber um Schuldenzyklen: einen kurzen, circa zehn Jahre langen, der sich als Konjunkturzyklus zeigt, und eine langen, den Schulden-Super-Zyklus, der 50 bis 75 Jahre dauert. – bto: Dalio erklärt es im Beitrag nicht, aber sein Video verdeutlicht das sehr gut. Letztlich geht es um die zunehmende Verschuldung, die die Wirtschaft belebt und danach dämpft. Treibt man es – mithilfe der Notenbanken – ausreichend lange, indem man Zinsen immer tiefer treibt und Schulden immer höher, dann kann es auch 75 Jahre dauern. Übrigens korrelieren die 50 bis 75 Jahre gut mit dem Konzept der Kondratieff-Wellen. Hier dazu mehr.
  • Laut Dalio befinden wir uns am Ende des Super-Schulden-Zyklus, weshalb wir schwaches Wachstum und deflationäre Tendenzen haben. – bto: BINGO. Ich nenne es EISZEIT.
  • Weil der US-Dollar die wichtigste Währung der Welt ist, hat die Fed eine Verantwortung nicht nur für die USA, sondern für die ganze Welt und darf deshalb nicht die Zinsen erhöhen. – btoDenn das wäre der ultimative Margin Call!
  • Laut Dalio gibt es Grenzen für das Wachstum von Schulden und Geld.bto: Ja, die gibt es wirklich! – und wenn man diese erreicht hat, kann man nur noch wenig machen. Das berühmte „Pushing-on-a-String“ (am Seil drücken), wie man es seit 1935 nennt.
  • Die Notenbanken sind deshalb zum Quantitative Easing übergegangen, dessen Folge Dalio simpel erklärt: Alle Assetpreise werden so hochgetrieben, dass die erwartete Rendite überall nur noch geringfügig höher als bei Cash ist. – bto: wenn überhaupt!
  • Damit wächst aber die Gefahr von Krisen an den Finanzmärkten, die wiederum die Realwirtschaft bedrohen und erneute Maßnahmen der Notenbanken erforderlich machen. – bto: ein Teufelskreis, der zu immer niedrigeren Zinsen führen muss.
  • Zudem wirken die hohen Schulden so, dass jede weitere Schuldenaufnahme sofort das verfügbare Einkommen verringert und so die Nachfrage dämpft.
  • Dalios Fazit: Nachdem die Risiken größer als die Chancen sind, soll die Notenbank warten, bis Inflation unübersehbar ist, bevor sie die Geldpolitik strafft.

bto: Dalio weiß, wovon er spricht. Offensichtlich. Doch er drückt sich um den Lösungsvorschlag. Dabei hat er in seinem Hause auch Studien zum „Beautiful Deleveraging“ geschrieben. Beautiful ist dabei eine Lösung, bei der hohe nominale Wachstumsraten die Schulden relativ zum BIP drücken. Das hat in der Vergangenheit auch geklappt. Aber meistens eben nicht. In einer Situation, in der der Super-Zyklus die ganze Welt erfasst hat (außer Nord-Korea, Kuba und ein paar andere), dürfte das schwerer werden. Was, Ray, wenn die Inflation einfach nicht kommen will?

→  FT (Anmeldung erforderlich): „Pay attention to long-term debt cycle“, 25. Januar 2016

 

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