Bargeldverbot kommt ‒ nur eine Frage der Zeit 2

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Wie immer bei solchen Themen erfolgt der Angriff konzertiert. Nachdem sich die Stimmen seit Monaten mehren, die ein Bargeldverbot fordern, nimmt das Thema an Breite zu. Klar: Im verzweifelten Versuch die Schulden irgendwie tragbar zu machen, muss Geld noch billiger werden. Dazu müssen die Ausweichreaktionen ‒ Geld unter dem Kopfkissen, auf dem Dachboden oder im den Safe aufzubewahren ‒ verhindert werden. Weitere Stimme im Chor der Bargeld-Verbieter: der Chefvolkswirt von Citigroup, Willem Buiter, der vor einigen Monaten mit der Studie zu Gold Aufmerksamkeit erreichte, in der er Gold als die „größte Blase“ aller Zeiten charakterisierte. Hier nun seine Gedanken mit der ‒ pointiert zynischen ‒ Einordnung der Kollegen von Zero Hedge:

Zunächst die Logik: In einer Krise muss die Zentralbank die Zinsen senken, wenn es sein muss, unter null. Nach Buiters Einschätzung hätte der Zins auf kurz laufenden Staatspapieren zum Höhepunkt der Krise bei minus sechs Prozent liegen müssen. Dahinter steht das Konzept der „Taylor-Rule“, welches den „Gleichgewichtszinssatz“ abhängig von Inflation, Beschäftigung und Wachstum errechnet.

Ridiculous Buiter chart

Bargeld wird laut Buiter erst zu einem Problem, wenn die Notenbanken den Zins unter minus ein Prozent treiben wollen. Dann gäbe es drei Wege das Ziel zu erreichen:

  • Bargeldverbot,
  • Besteuerung von Bargeld,
  • einen Abschlag von Bargeld gegenüber dem Bankkonto. ‒ bto: Also die Gebühr, die wir heute Morgen schon hatten.

Natürlich könnte es Probleme geben, sieht auch Citigroup. Unter anderem:

  • Die Bürger könnten Widerstand leisten, weil es eine Änderung des täglichen Lebens bedeutet.
  • Gerade Ärmere und Ältere würden noch mit Bargeld bezahlen ‒ deshalb schlägt er vor, 5-Dollar-Noten weiterhin zuzulassen(!).
  • Die Zentralbanken und damit die Staaten würden keine Geldschöpfungsgewinne mehr erzielen. ‒ bto: Na, dann sollte er Vollgeld vorschlagen, wenn er davon mehr möchte …
  • Ohne Bargeld kann der Staat die Bürger naturgemäß stärker überwachen, was einen Verlust an Privatsphäre bedeutet.
  • Elektronisches Geld ist auch nicht risikofrei wegen IT-Angriffen etc.

Um dann aber zum Schluss zu kommen, dass diese Probleme nicht so relevant sind, wenn man in die Richtung gehen möchte.

Zero Hedge weißt dann allerdings auf den Kernpunkt hin: Wir hätten ohne die Schuldenberge und das Mindestreservesystem gar keine Notwendigkeit, negative Zinsen zu haben. Denn nur, weil das System de facto pleite ist und man das nicht zugeben möchte, muss es mit Negativzinsen am Laufen gehalten werden.

Früher hat man Gold verboten ‒ diesmal wohl beides.

Zero Hedge: Citigroup’s Gold „Expert“ Demands A Cash Ban, 16. April 2015

5 Antworten
  1. Johannes Börner says:

    An eine Abschaffung des Bargelds kann ich insbesondere für die USA nicht glauben, und zwar aus folgenden Gründen:
    1. Drohender Ersatz des heimischen Bargelds durch ausländisches: Insbesondere im „schwarzen“ (Drogenhandel, Schwarzarbeit) und grauen Bereich (Prostitution, etc.) kann einfach auf die Währung eines anderen Landes zurückgegriffen werden – in der EU z.B. auf Dollar. Zwar kann dieses Bargeld auf dem heimischen Markt nicht unmittelbar in (legale) Käufe umgesetzt werden, aber es werden sich schnell und nötigenfalls illegale Strukturen bilden, die dieses Bargeld in heimisches Buchgeld umwandeln. So hat man die Transaktionskosten für die Nutzer erhöht und eventuell ein neues Betätigungsfeld für die organisierte Kriminalität geschaffen, aber weder die (abwertungsfreie) Aufbewahrungsfunktion noch die Transaktionsfunktion von Bargeld unterbunden.
    2. Wegfallen eines zinslosen Kredits aus dem Ausland. Dies ist in erster Linie relevant für Weltreservewährungen – also in erster Linie für den Dollar, mit Bezug auf Osteuropa aber auch teilweise für den Euro: In allen Entwicklungsländern – und deren Gesamtgewicht in der Weltwirtschaft ist noch höher als das der westlichen Welt – gibt es außer der lokalen Währung noch eine Schattenwährung in der Unternehmen und vor allem auch Bürger Geld aufbewahren und größere Transaktionen durchführen. Dies geschieht sowohl mit Bar- als auch mit Buchgeld, wobei auch das Buchgeld seinen Charme nur dadurch gewinnt, dass es zur Not in Bargeld umtauschbar ist – die Volkswirtschaften der Entwicklungsländer sind noch sehr bargeldaffin, das Vertrauen in das Bankensystem ist so gering, dass auf Bargeld als „Notausgang“ niemals verzichtet würde.
    Für die FED – deren Dollar in praktisch allen Regionen der Welt diese Zweitwährung stellt – ist dieses dauerhaft im Ausland umlaufende Geld eine Art zinsloser Kredit, der de facto nie beglichen werden muss – es sei denn natürlich, man schüfe das Bargeld ab – dann würden all diese Dollar umgehen in die USA zurückfließen, und dort die Geldmenge erhöhen und inflationären Druck entfalten.
    Für den Euro gälte dies in stark abgeschwächtem Maße – seine Rolle als Reservewährung ist offensichtlich deutlich geringer und hauptsächlich auf Osteuropa, v.a. den Balkan beschränkt.
    Eine Abschaffung des Dollar-Bargelds würde den Status des Dollars als Weltwährung unterminieren, weshalb ich diese Maßnahme für ausgeschlossen halt. Denkbar ist freilich eine Verteuerung der Bargeldnutzung im Inland durch die bereits genannten Gebühren.

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    • OK says:

      Hallo Herr Börner,
      Ihre zwei Punkte halte ich zwar für valide, aber nicht für entscheidend für einen Angriff auf das Bargeldsystem.
      Dies aus folgenden Gründen:
      Zu 1. Die Tatsache, dass staatliche Regelungen von einigen Bürgern oder sogar vielen Bürgern ignoriert werden, hat den Staat noch nie abgehalten, sie einzuführen und darf es ja auch nicht (wenn die Regelung selbst legitim ist).
      Ich glaube auch nicht, dass viele Menschen die Implikationen einer Bargeldabschaffung erkennen. Warum also in die Illegalität gehen, man hat doch nichts zu verbergen (zu versteuern natürlich, aber die Erkenntnis kommt zu spät)?
      Ist wie mit der NSA-Spähaffäre: „Ach, die Amis, sollen sie doch spähen, ich hab nichts zu verbergen!“
      Zu 2. Ich habe zwar kein statistisches Material zur Hand, aber ich glaube nicht, dass die Dollarnoten, die der argentinische Bauer in der Tasche hat, für eine Weltreservewährung von annähernd gleicher Bedeutung wie die Billionen USD an Staatsanleihen (=digitales „Geld“) im Besitz ausländischer Staaten und Finanzmarktakteuren sind. Das sind de facto tilgungsbefreite Kredite, da haben Sie Recht. Eigentlich auch zinsfrei, man gibt einfach noch mehr Anleihen zur Finanzierung der Zinsen heraus, Nachfrage ist noch ausreichend vorhanden. Und gerade da sind die Amerikaner m.E. viel stärker bedroht. Es gibt ja nicht umsonst den „Petrodollar“ und würden die Saudis beispielsweise plötzlich für ihr Erdöl jede Währung akzeptieren, wäre wohl innerhalb eines halben Jahres Bürgerkrieg in diesem Land und die Amerikaner müssten „friedensstiftend und politisch ordnend“ eingreifen…

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  2. Johannes says:

    Derzeit kann in Deutschland pro Tag noch mit 15.000,- Euo bar und anonym eingekauft werden. In vielen europäischen Nachbarländern wird der Kauf mittels Bargeld inzwischen deutlich restriktiver gehandhabt. Mich wundert, dass es in Deutschland noch so gehandhabt wird wie bisher. Die einzige „Erklärung“ die mir einfällt ist die, dass die Bundesregierung überzeugt ist, dass die Bevölkerung sehr „unruhig“ würde, kämen hier Einschränkungen. In Deutschland gibt es in dieser Hinsicht (noch) ein „historisches Gedächnis“, dass erst „gelöscht“ werden müsste, damit ein Bargeldverbot in Deutschland mehrheitsfähig wird. Auch würde sich m.M. nach schnell eine Art „Schattenwährung“ etablieren, die aus Bargeld bestünde. Ein Bargeldverbot in Deutschland wäre die Utima Ratio – dann ließe sich aber auch das Scheitern auf Raten des derzeitigen Finanzsystems nicht mehr erfolgreich (wie derzeit noch) vor den Menschen verschleiern.

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  3. Hartmut G. says:

    Hallo,
    diese vorauseilende Angst-Gehorsamkeit „hui bloß kein Gold, dass wird verboten“ kann wohl nur aus deutscher Denke stammen.
    Bargeld kann selbstverständlich abgeschafft bzw. für ungültig erklärt werden (lassen wir Spekulationen über die Auswirkungen mal weg). Und bei Gold? Probieren Sie dass mal: Abgeschaffen und für ungültig erklären LOL
    1.) ein weltweites Gold(handels)verbot hat es niemals gegeben und wird es niemals geben. Andere Völker sind nicht so öbrigkeitsdämlich wie der bucklige Deutsche.
    2.) nur weil ein Staat versucht ein Gold(handels)verbot zu verhängen, sinkt nicht der Preis von Gold. Nein, im Gegenteil, der geht dann durch die Decke. Sämtliche Waren, Dienstleistungen, Kunstwerke etc. die für „illegal“ deklariert wurden, sind nicht im Preis gefallen, nein sondern gestiegen. Immer, weltweit in der Menschheitsgeschichte.
    3.) Ein Gold(handels)verbot (wie auch das Bargeldverbot) käme einer ultimativen Kapitulation gleich und würde wirklich den allerletzten Aufwecken. Ist das Risiko akzeptabel? Wohl kaum.
    mfG HG

    P.S.
    kleines Zitat von letzten Gold(handels)verbot in Deutschland (habe ich auf die Schnelle nur in Englisch gefunden):
    „Gold is not neccesary. I have no interest in gold. We will build a
    solid state, without an ounce of gold behind it. Anyone who sells above
    the set prices, let him be marched off to a concentration camp. That’s
    the bastion of money.“

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  4. Johannes Börner says:

    Hallo „OK“,

    danke für das Feedback – Sie haben zwei völlig valide Punkte gebracht. Etwas mehr zum Hintergrund meiner Argumentation: Ich habe einiges an Erfahrung in Schwellenländern sowie im Ostblock. In all diesen Ländern gibt es das vom Staat ausgegebene Monopolgeld, und dennoch gibt es immer eine mehr oder minder wichtige Schattenwährung – Dollar bzw. DM/EURO dessen Attraktivität im umgekehrten Verhältnis zum Vertrauen in die Lokalwährung steht. Ist das Vertrauen hoch, werden vielleicht nur Großbeträge oder langfristige Investitionen /Sparvorhaben in der Schattenwährung getätigt, ist das Vertrauen niedrig, wird alles, was über den täglichen Grundbedarf hinausgeht in der Schattenwährung abgewickelt. Sollte diese nicht im ausreichenden Maße vorhanden sein,werden notfalls Konsumgüter gekauft, um danach Bartergeschäfte einzugehen. So z.B. in Russland Anfang der neunziger Jahre.

    Der einzige Grund, warum wir in Deutschland keine Schattenwährung haben ist, dass das Vertrauen in den Euro (noch) hoch ist. Allerdings ist die Flucht in die Sachwerte (Immobilien) schon ein Zeichen dafür, dass das langfristige Vertrauen immer weniger gegeben ist. Ein Verbot des Bargelds in Kombination mit Strafzinsen auf Girokonten würde dieses Vertrauen massiv erschüttern. Und da Fiat-Währungen nun einmal nur auf Vertrauen basieren, könnte das der Startschuss für die galoppierende Inflation sein.
    In Deutschland würde sich mit Sicherheit eine Schattenwährung etablieren, entweder der Dollar, oder, wenn dessen Bargeld ebenfalls abgeschafft ist, die Währung von Nachbarstaaten. Wer die DDR noch miterlebt hat, kann dann die alten Praktiken im Handel mit „blauen Kacheln“ wiederbeleben. Die 15% Schattenwirtschaft, die es n in Deutschland gibt, wären nur der Anfang – jeder, der seine Ersparnisse nicht dahinschmelzen sehen will, würde in die Schattenwährung fliehen. Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes – die bisher deutlich geringer ist als im historischen Mittelmaß und damit erheblich geholfen hat, die Inflation trotz explodierender Geldmenge in Schach zu halten – würde dramatisch ansteigen. Dazu käme noch der endgültige Crack-Up-Boom bei Aktien und Immobilien. Sicherlich gäbe es auch noch ein kurzes Strohfeuer bei der Nachfrage bei langfristigen Konsumgütern. Das wäre es dann gewesen mit dem Euro wie wir ihn kennen.

    Was den „argentinischen Bauern angeht“: Es geht nicht nur um die gehaltenen Dollarnoten, sondern auch um die $-Nachfrage nach Buchgeld in Form von $-Einlagen, $-Krediten, Verträgen in $ bis hin zum von Ihnen genannten Petrodollar. Nun ist zumindest auf der unteren Ebene – Privatpersonen, aber auch kleine bis mittelgroße Unternehmen, die ja oft eigentümergeführt sind und daher noch mit der Denkweise eines Privatmenschen geführt werden – das Vertrauen in den Dollar von der Möglichkeit abhängig, diesen jederzeit physisch in der Hand halten zu können. Gibt es den physischen Dollar nicht mehr, würde die Nachfrage von Privatkunden m.E. komplett, die von Firmen zum guten Teil wegfallen. Bleibt noch die von Ihnen angesprochene Nachfrage der institutionellen (v.a. Notenbanken), aber auch hier dürfte der Vertrauensverlust erheblich sein.

    Für mich klingt die Abschaffung des Bargelds großer Währungsräume wie Euro oder Dollar schon nach Endgame.

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