Bargeldverbot kommt ‒ nur eine Frage der Zeit 1

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on LinkedInEmail this to someone

Die Angriffe auf das Bargeld werden immer intensiver. Zuletzt hatte ich auf einen interessanten Beitrag aus der Börsen-Zeitung verwiesen. Heute gleich Kommentare aus zwei verschiedenen Richtungen. Zunächst Miles Kimball, Professor an der Universität Michigan, der eine Gebühr für das Einzahlen von Bargeld auf dem Bankkonto einführen will. Er glaubt, dass wenn die Leitzinsen tief genug fallen, jede Rezession schnell behoben werden würde.

  • „Leute mögen das Wort Gebühr nicht. Analytisch gesehen ist sie äquivalent zu einem Wechselkurs zwischen elektronischem Geld – Beträgen auf Bankkonten – und Papiergeld.“
  • Ganz so weit gehen, einfach kein Papiergeld herzustellen will er nicht, denn: „Der Restbestand an Papiergeld würde dann zu einem exotischen Wertpapier mit einem Nullzins. Der Preis einer Banknote hätte eine Prämie gegenüber elektronischem Geld. Es gäbe dann einen plötzlichen Sprung im Wert von Papiergeld, was schädigend wäre für die Volkswirtschaft. Denn Bargeld würde knapper.“ ‒ bto: klar, der Wert der individuellen Freiheit!
  • Vollgeld sieht er in diesem Kontext positiv: „Alles, was das Prestige von elektronischem Geld steigert, ist sehr hilfreich, wenn man es als gesetzliches Zahlungsmittel einführen will. Wenn man ein Bankkonto hat, ist es wichtig, dass die Zentralbank garantiert, dass das Geld auch da ist.(…) Es ist auf jeden Fall möglich, zumindest einen Teil der Bankkonten vollständig mit Reserven bei der Zentralbank zu decken. Hält man am Mindestreservesystem – dem Fractional Reserve Banking – fest, überlässt man den Banken die Seignorage aus der Geldschöpfung.“
  • „Aber sehr wichtig ist, dass die vorgeschlagene Einlagegebühr auf Papiergeld von der SNB morgen eingeführt werden könnte. Es gibt keinen Grund, das aufzuschieben, bis wir ein perfektes System gebaut haben. Wenn die Schweizer Wirtschaft von zu hohen Zinsen und dem zu hohen Frankenkurs geschädigt wird, sollte man diese Gebühr morgen einführen. Das habe ich der SNB auch geraten, und ich glaube, man denkt darüber ernsthaft nach.“
  • „Als der Goldstandard verlassen wurde, war das für die Menschen eine grosse Sache. (…)  In einer längeren Perspektive betrachtet war Papiergeld nur ein Zwischenstopp hin zu elektronischem Geld. Will man sehr traditionell sein, kann man stattdessen Gold benutzen – aber das würde die Volkswirtschaft noch mehr durcheinanderwerfen, als es Papiergeld tut. Wenn die Leute sich ans Papiergeld klammern, ist das ähnlich wie das Klammern an Gold.“ ‒ bto: Ja, es wurde mit jedem Schritt schlechteres Geld und hat ‒ wie wir wissen ‒ erst die Schuldenorgie der letzten Jahrzehnte ermöglicht!

Fazit: Es wird kommen. Bereiten wir uns darauf vor!

FINANZ und WIRTSCHAFT: «Klammern an Bargeld ist wie Klammern an Gold», 17. April 2015

3 Antworten
  1. Dieter Krause says:

    Der Goldstandard wurde – partiell – nach dem Ersten Weltkrieg wieder eingeführt: Nur zu falschen Kursen (England – unter Finanzminister Churchill)! Hat aber massiv die Wirtschaft abgeschnürt, 1931 kann dann das AUS. – Ob man Bargeldverbot so schnell einführen kann, glaube ich nicht. Die politischen Widerstände sind da wohl noch zu groß. In Schweden verkauft man die Idee übrigens unter dem Schlagwort „Verhinderung der Steuerhinterziehung“! Ohne einen solchen moralischen Aufkleber wird es wohl nicht gehen.

    Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte das Captcha ausfüllen * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.