Auf der Suche nach dem neuen Geldsystem ‒ 2

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Das Unwohlsein mit dem Zustand unseres Geld- und Währungssystems wächst weiter an. Schon vor einem Jahr wurde es intensiv diskutiert, wie ich gezeigt habe. Nun nimmt sich die NZZ des Themas (erneut) an:

  • „Steuert die Welt auf eine Katastrophe zu: eine neue Währungsreform? Eine solche Sorge scheint zumindest nicht aus der Luft gegriffen zu sein. In den letzten drei Jahrzehnten haben Zentralbanken, allen voran die amerikanische Notenbank (Fed), auf jede Wirtschafts- und Finanzkrise mit einer erheblichen, oft übermässigen Reduktion der Zinsen und einer deutlichen Ausweitung der Geldmenge reagiert.“ ‒ bto: zur Erinnerung: Ich zitiere hier die NZZ!
  • „… was passiert, wenn eine neue Rezession aufzieht? Beginnen die ‚Währungshüter‘ dann auch damit, Aktien zu kaufen oder tatsächlich per Abwurf aus dem Helikopter Geld unter den Leuten zu verteilen?“ ‒ bto: Das werden sie. Habe ich hier schon intensiv diskutiert.
  • Dann wird Thomas Mayer zitiert (hatte ich auch schon oft hier): „Bereits drohe in vielen Ländern eine Phase der finanziellen Repression, schreibt er, die in eine zunehmend bürokratisch-sozialistische Wirtschaftspolitik eingebunden sei. Diese Politik führe zu einer Schwächung des Wachstums, was wiederum eine schnelle Entschuldung verunmögliche. Die Ungeduld darüber könnte dann, verkürzt gesagt, letztlich zu einem Prozess des Übergangs zu offener Inflation führen, an dessen Ende das Vertrauen in das herrschende Papiergeldsystem schwer erschüttert sein dürfte.“
  • „Mayer empfiehlt daher, bereits frühzeitig eine Wandlung vom Passivgeld zum Aktivgeld anzustreben, vor allem für die Euro-Zone. Unter Passivgeld versteht er dabei das derzeit herrschende Papiergeldsystem, in dem der Wert der bunt bedruckten Papierscheine lediglich durch den Staat garantiert wird, die an sich aber einen Wert von quasi null aufweisen. In diesem System könnten Schulden mit aus dem Nichts geschaffenem Geld finanziert werden, was zu privater und öffentlicher Überschuldung einlade.“ (…) „In einem Aktivgeldsystem, das sich durch den freien Wettbewerb verschiedener Währungen untereinander herauskristallisieren sollte, könnte Geld nicht mehr mit dem Ziel vermehrt werden, Schulden tragfähig zu machen, was der Verschuldung enge Grenzen setzen würde.“
  • Gefordert wird „eine marktwirtschaftliche Geldordnung“. Diese „zeichne sich gegenüber staatlichem Zwangsgeld (…)  durch einige grundlegende Eigenschaften aus: Erstens seien dabei das Angebot und die Nachfrage von Geld vollkommen frei, zweitens gebe es keine Zentralbank, die das Monopol zur Geldproduktion besitze, drittens herrsche Bankfreiheit, und viertens operierten Banken mit einer 100-prozentigen Reserve, sie dürfen also nichts verleihen, was ihnen als jederzeit fällige Sichteinlage anvertraut ist.“

NZZ: Ruf nach einer Reform des Geldsystems, 20. Februar 2015

Hier die Zusammenfassung des Gesprächs mit Thomas Mayer:

NZZ: Eine Finanzkrise vom Crash des Geldsystems entfernt, 20. Februar 2015

Oder doch lieber das Geld direkt an die Bürger ‒ habe ich ja bereits mehrfach angesprochen und halte es für grundsätzlich bedenkenswert. Die NZZ in weiterem Beitrag auch dazu:

  • „Die erste Massnahme bestünde darin, jedermann die Möglichkeit zu geben, Notenbankgeld in elektronischer Form zu halten. Neben den Geschäftsbanken, denen diese Möglichkeit schon heute offensteht und die sie ausgiebig nutzen, könnten dann auch Privatpersonen und Unternehmen ausserhalb des Finanzsektors Sichteinlagen bei der Zentralbank halten. Den Girokonten der Geschäftsbanken erwüchse dadurch Konkurrenz, sie wären aber weiterhin zulässig.“
  • „Eine Liberalisierung des Zugangs zu Zentralbankeinlagen brächte grosse Vorteile. Zum einen würde das Risiko von ‚Bank-Runs‘ verringert und die Finanzstabilität gestärkt, wenn Private und Firmen Einlagen bei der Zentralbank halten und diese für den Zahlungsverkehr nutzen könnten. Denn Sichteinlagen bei der Zentralbank stellen Notenbankgeld dar, dies im Gegensatz zu Einlagen bei Geschäftsbanken, die nur Ansprüche auf Notenbankgeld begründen.“
  • „Eine Verlagerung von Sichteinlagen aus Bilanzen der Geschäftsbanken in jene der Zentralbank würde die Kreditfinanzierung mit diesen Mitteln einschränken und sich somit direkt auf eine Aktivität des Banksektors auswirken.“
  • „Während der eigentlichen Systemumstellung wäre mit weiteren Problemen zu rechnen. Je nachdem, wie gross die Portfolioumschichtungen des Privatsektors im Rahmen des Systemwechsels ausfielen, könnte die Nachfrage nach Notenbankgeld erheblich steigen und diejenige nach Giroguthaben bei den Geschäftsbanken stark fallen. Dies könnte zum Austrocknen der Liquidität im Banksektor führen und ‚Bank-Runs‘ begünstigen, sofern die Zentralbank nicht in grossem Mass zusätzliche Liquidität bereitstellen würde. Den Bedarf hierfür verlässlich abzuschätzen, wäre schwierig; sowohl die Finanz- als auch die Preisstabilität wären zusätzlichen Risiken unterworfen.“ ‒ bto: Warum sollte jemand schlechtes Bankengeld halten, wenn er Notenbankgeld haben kann? Die Verdrängung dürfte gegen 100 Prozent tendieren.
  • „Sollten Zentralbanken weiterhin Notenbankgeld an Banken verleihen oder auch an das breite Publikum – und zu welchen Zinsen? Oder sollte neues Notenbankgeld durch Transfers an den Staat oder die Bürger in Umlauf gebracht werden, wie dies in ähnlichem Kontext die ‚Vollgeldinitiative‘ vorsieht? Diese Fragen sind weder einfach noch eindeutig zu beantworten. Falls der Zugang zu Zentralbankeinlagen liberalisiert würde, böte sich daher ein schrittweises und vorsichtiges Vorgehen an.“

Bleibt die Feststellung: Das Thema Geldsystem gewinnt an Momentum. Ob nun Währungswettbewerb, Vollgeld oder die Kombination („Austrian Vollgeld„), die Krise des bestehenden Schuldensystems wird immer offensichtlicher.

NZZ: Notenbankgeld für alle?, 20. Februar 2015

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