America’s False Dawn

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Kritische Stimme zur wirtschaftlichen Entwicklung in den USA. Eigentlich gelten die USA mit ihrer aggressiven Geldpolitik als Vorbild, wie man sich aus dem Schuldensumpf befreit und wieder zu einem selbsttragenden Aufschwung kommt. So zumindest die Kommentare in der angelsächsischen Presse. Steven Roach, ein Urgestein unter den Ökonomen, ist da skeptisch:

  • Im zweiten Halbjahr 2013 scheint die US-Wirtschaft mit 4 Prozent fast doppelt so schnell gewachsen zu sein wie in den vorangegangenen vier Jahren. Die Arbeitslosigkeit sinkt und nähert sich dem Zielwert von 7 Prozent (bei gleichzeitig fallender Erwerbsbeteiligung).
  • Kein Grund, die Korken knallen zu lassen. Seit Beginn der Krise gab es schon zweimal ähnlich gute Halbjahre, auf die Enttäuschungen folgten.
  • Gut möglich, dass sich das wiederholt. Ein Großteil des Wachstums kommt aus dem Lageraufbau der Unternehmen. Der Absatz an Endkunden zeigt deutlich geringere Wachstumsraten.
  • Die Bilanzrezession ist noch nicht vorbei (damit ist gemeint, dass die Privathaushalte zu viele Schulden haben und diese erst abbauen müssen, bevor es einen Aufschwung gibt). Konsum steht für 69 Prozent der US-Wirtschaft. Die Konsumausgaben wachsen mit 2,2 Prozent, verglichen mit 3,6 Prozent von 1996-2007.
  • Jahrzehntelang haben die Amerikaner fehlende Einkommenszuwächse mit Krediten aufgebessert, um ihren Konsum zu finanzieren. Dies ging solange, wie die Immobilien immer mehr an Wert gewannen. Nun stehen sie vor deutlich tieferen Immobilienpreisen und bestehenden hohen Schulden.
  • Viel spricht dafür, dass – ähnlich wie in Japan – zwei Jahrzehnte vergehen, bis diese Schuldenlast abgetragen ist. Folge: Die USA haben noch nicht mal die Hälfte der Zeit hinter sich. Anmerkung bto: Und Japan ist noch nicht aus dem Problem raus. Dort haben sich zwar die Unternehmen entschuldet (in Japan war es Überschuldung des Unternehmenssektors, in den USA der Privathaushalte und in vielen Ländern Europas beides und auch noch des Staates), aber der Staat hat sich dafür tief in Schulden gestürzt.
  • Die privaten Haushalte in den USA haben sich zwar entschuldet (Verhältnis Schulden/Einkommen 109 Prozent statt 135 Prozent [2007]), liegen aber immer noch 35 Prozent über dem Durchschnitt von 1970 bis 2000. Die Sparquote liegt mit 4,9 Prozent zwar deutlich über den Werten von 2007 aber immer noch 4,4 Prozent unter dem Durchschnitt der letzten drei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts.
  • Optimisten verweisen auf den verringerten Schuldendienst. Dieser ist aber direkte Folge der Politik des billigen Geldes. Man sollte diese Subvention nicht für alle Ewigkeit erwarten. (bto: Vielleicht doch?)

Zusammengefasst: Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling. Damit wachsen aber auch die Risiken für Europa und die Schwellenländer. Säkulare Stagnation ist die Folge des vorangegangen Booms. Je deutlicher wird, dass genau dies dem Westen droht, desto höher die Wahrscheinlichkeit von drastischeren Maßnahmen, um mit dem Problem der Überschuldung umzugehen.

Project Syndicate: America’s False Dawn, 27. Januar 2014

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