Alles wird gut …, zumindest vorübergehend

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Wir wollen uns die Sommer-Laune doch nicht verderben lassen. Auch bei bto nicht! Deshalb die guten Nachrichten von der Weltwirtschaft. Die globale Geldmenge steigt so stark wie schon lange nicht mehr. Klarer Vorbote einer vorübergehenden Erholung. Übersetzt könnte man auch sagen: Die Schulden wachsen wieder schneller und helfen uns, die Last der bestehenden Schulden zu bewältigen! Ambrose Evans-Pritchard berichtet im Telegraph:

  • Global economic growth is accelerating sharply after months in the doldrums, confounding predictions of a worldwide recession following Britain’s Brexit vote.“ bto: Es ist die Fortsetzung der alten Politik und keine Lösung.
  • The US Federal Reserve’s retreat from four rate rises this year has had a catalytic effect, reviving the fortunes of emerging markets and once again lifting the Sword of Damocles hanging over the heads of those who have borrowed $11 trillion in dollars outside US jurisdiction.“ bto: was wiederum keine Lösung, sondern eine Verschleppung ist.
  • The Fed is in effect acting as the central bank for the whole world, giving a shot in the arm to an international financial system that is has never been so tightly-linked to the dollar or to US borrowing costs – at least since the end of the Gold Standard.“ bto: Die Fed scheint dies auch zu akzeptieren.
  • The Japanese are launching a giant fiscal package – in theory 5.7pc of GDP – while France, Italy, and other eurozone states have taken advantage of the Brexit scare to end austerity more quickly than planned and to prime pump their economies.“ bto: ja. Wir machen endlich mehr Schulden. Macht den Irrsinn unseres Systems offensichtlich.
  • The biggest shifts in the Fulcrum model are in Latin America and above all China, on track for blistering growth of 7.8pc in the third quarter as the country’s reflation blitz finally gains full traction. The official Chinese data almost certainly overstates the actual level of growth but proxy indicators used by banks and private analysts also point to a powerful recovery.“ bto: Wer jetzt nicht so euphorisch werden möchte, kann ein paar Beiträge zu China bei bto lesen.
  • Capital Economics warned that the latest boom is built on rickety foundations and living off “borrowed time”, but there is enough spending in the pipeline to keep the expansion going into next year.“ bto: eben Verschuldungsboom nach westlichem Vorbild. 
  • „Data from Henderson Global Investors paints a similar picture. Its proprietary gauge – six-month real M1 money – shows the fastest growth since the post-Lehman stimulus in the biggest G7 and E7 developed and emerging market economies.“

M1:WirtachaftQuelle: The Telegraph

  • The indicator measures cash and checking accounts, giving advancing warning of likely spending over the next few months. While monetary signals may have lost some of their potency in the modern the financial system, they often catch economic turning points.“
  • „Much can go wrong as the Fed tries to navigate the reefs through the eighth and ninth years of what is already an ageing global cycle. The irony of Brexit is that it has led to so much precautionary stimulus that it may cause the US to overheat sooner rather than later, and force the Fed to slam on the brakes.“

But let the world first enjoy the sunlit uplands for a few happy months.“

bto: bevor wir von noch höherem Schuldenniveau in die nächste Krise steuern.

→ The Telegraph: „Surging world growth makes a mockery of Brexit panic“, 2. August 2016

15 Antworten
  1. Dietmar Tischer says:

    FAKT, Dr. Stelter, ist:

    Die REALITÄT zeigt ganz klar einen „Aufwärtshaken“ für die 7 größten entwickelten und sich entwickelnden Volkswirtschaften der Welt.

    Das ist so, weil

    >„The US Federal Reserve’s retreat from …The Fed is in effect acting … „The Japanese are launching a giant fiscal package …while France, Italy, and other eurozone states have taken advantage … und heute auch noch die BoE mit einer Senkung des Leitzinses …>

    mit der Folge:

    >… there is enough spending in the pipeline to keep the expansion going into next year.“

    Und danach?

    Weiter so.

    Denn das Agieren der Notenbanken und die Fiskalpolitik WIRKEN nachweislich.

    Wie können Sie da sagen:

    > Wir machen endlich mehr Schulden. Macht den Irrsinn unseres Systems offensichtlich.>

    Wachstum als Irrsinn?

    Ich bitte Sie.

    Sie werden tagtäglich von der Realität WIDERLEGT.

    Sie haben allerdings in einem recht:

    Keiner in diesen wirkmächtigen Institutionen kann Ihnen überzeugend darlegen, dass dies ewig SO weitergehen kann.

    Das muss auch keiner, solange es so weitergeht.

    Wenn es nicht mehr so weitergeht, muss er es Ihnen auch nicht darlegen.

    Denn dann wird die Entwicklung jegliche Darlegung überflüssig gemacht haben.

    Die Kassandra mag noch so intelligent argumentieren – sie ist ein Loser.

    Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        Einstellen – wieso denn das?

        Meiner Erfahrung nach ist es intellektuell reizvoll, etwas GEGEN das Faktische erkennen zu wollen, ohne dieses verleugnen zu müssen – Erkennen ist etwas anderes als Wahrnehmen – und dabei immer wieder den eigenen Standpunkt zu überprüfen Es geht hier schließlich um einen PROZESS.

        Auch wenn man täglich von der Realität widerlegt wird, ÄNDERN sich die Parameter dieses Prozesses.

        Im vorliegenden Fall u. a.:

        Die Verschuldung WÄCHST.

        Da kann man schon einmal extrapolierend fragen, welcher Mechanismus das umkehrt bzw. wo das endet.

        Dass die Macher die Realität gestalten können, ohne sich derartigen Fragen stellen zu müssen, entwertet nicht dieses Fragen.

        Es relativiert allerdings dessen Bedeutung.

        Aus dieser Einsicht ist nicht zu schließen, dass man Fragen einstellen sollte.

      • Dietmar Tischer says:

        Ich würde mich bei der leisen, aber entschiedenen Kassandra sehen.

        Damit verbunden ist ein Grundton der Melancholie, der zum einen aus der ÜBERZEUGUNG gespeist wird, dass unserer zivilisatorischen Leistungen im Wesentlichen auf Illusionen beruhen und zum anderen aus der altersbedingten ERFAHRUNG, dass wohl nur die allerwenigsten Menschen begreifen werden, worauf ihr Lebenserfolg beruht – auf Illusionen eben.

        Wenn man dann auch noch der Meinung ist, dass das Erreichte besser ist als vieles, das denkbar wäre, dann ergibt das unterm Strich so etwas wie RESIGNATIVE GELASSENHEIT.

      • Stefan Ludwig says:

        Naja wer ziemlich oft BRÜLLENDE GROßSCHREIBUNG benutzt ist für mich nicht leise.

        Wenn ich hier auch mal ganz arrogant meine Meinung zum besten geben darf:
        Es wird so lange verschlimmbessernd herumgedoktert bis sich die Anwendung von Kybernetik durchsetzt. Es handelt sich überall um komplexe Systeme. Versuche diese komplexen Systeme ohne Kybernetik und oder mit zu geringer Komplexität der Steuer- und Regelorgane in den Griff zu bekommen werden scheitern.

  2. UlliBaba says:

    Lieber Herr Stelter,
    vielen Dank für Ihre tollen Beiträge und Bücher. Auch Herrn Tischer und Herrn Stöcker und den weiteren Kommentatoren danke ich für viele Impulse. Ich wünsche Ihnen allen „Buon Estate“. Ein kluger Italiener merkte an, dass Estate im Sinne von: „den Sommer zelebrieren“ einer der wesentlichen Beiträge Italiens zur Weltkultur sei. Da muss dann Monte dei Paschi und die kreative Lösung des dortigen Eigenkapitaldefizits einfach mal hintanstehen. A dopo.

    Antworten
  3. Karl says:

    Man kann das Ganze auch mal so sehen:
    Die Weltbevölkerung wächst um 230.000 Köpfe – pro Tag. Etwa gleich viele, also 80 Millionen im Jahr, rücken auf ein westliches Wohlstandsniveau auf. Um die Wirtschaft muss man sich da wirklich keine Sorgen machen. Blöd ist nur, dass dadurch die Biosphäre zunehmend zerstört wird. Und diese großteils irreversiblen Veränderungen kann man – ganz im Gegensatz zu Geldschulden – nicht per Mausklick löschen.

    Antworten
      • Karl says:

        Ganz einfach: Wenn man Geld – in beliebiger Höhe! – per Mausklick schaffen kann (so wie die Notenbanken, aber auch die Geschäftbanken bei der Kreditvergabe), dann kann man es auch so löschen. Bei Schulden: Klar ist, dass beide Seiten zustimmen müssen, also vor allem die Gläubiger. So ein Schuldenschnitt ist ja genau das, was Dr. Stelter für nötig hält. Zurück bleibt aber das, was mit all dem Schuldgeld in der realen Welt an Schaden angerichtet wurde (z. B. eine stillgelegte Uranmine).

  4. Dietmar Tischer says:

    @ Karl

    Sie erkennen, dass die TECHNISCHE Generierung von Geld/Schulden bzw. deren Löschung etwas anderes ist als die VERTRAGLICHE.

    Auf letztere kommt es an.

    Und die bekommt man eben nicht hin, da kann sie als noch so notwendig angesehen werden.

    Interessen entscheiden und die richten sich nicht nach dem Großen und Ganzen.

    Im Übrigen:

    Egal mit welcher Form von Geld gewirtschaftet wird, es wird neben Nützlichem immer auch Schaden damit angerichtet.

    Ob mit dem Geld Nützliches geschaffen oder Schaden angerichtet worden ist, stellt sich in vielen Fällen erst heraus, nachdem das Geld ausgegeben wurde.

    Die Form des Geldes und der Umgang damit können wirtschaftliche Tätigkeiten beschleunigen oder behindern, bei z. B. zu viel „Schuldgeld“; sie können diese aber per se nicht BEWERTEN nach der Nützlichkeit damit geschaffener Sachverhalte.

    Antworten
  5. Dietmar Tischer says:

    @ Stefan Ludwig

    Ist schon o.k., meine Großschreibung brüllend zu nennen.

    Sie haben recht mit der Auffassung, dass es sich praktisch überall um komplexe Systeme handelt.

    Sie liegen aber falsch mit der Auffassung, dass sich die Dinge ohne die Anwendung von Kybernetik nur verschlimmern lassen.

    Sie verwechseln zwei Dinge:

    Verschlimmern/verbessern ist etwas anderes als lösen.

    Würden die Schulden gestrichen – was ohne Kybernetik möglich wäre –, dann verbesserten sich schlagartig die Bedingungen für vermehrte wirtschaftliche Aktivitäten und damit letztlich das gewünschte Wachstum.

    Es wäre aber beileibe keine Lösung DER Probleme.

    Lösungen im Sinn von Schaffung nicht mehr krisenanfälliger Systeme wird es mit und ohne Kybernetik nicht geben.

    Abgesehen davon, ob überhaupt der Wille dazu vorhanden wäre:

    Weil die Systeme so komplex sind, müsste die Kybernetik eine Komplexität aufweisen, die wir vermutlich nie schaffen können.

    Sie glauben an die Kybernetik wie andere an Gott.

    Im Kern:

    Sie glauben daran, dass die Lösungsfähigkeit von Kybernetik so sei, dass sie – im Prinzip jedenfalls – JEDES Problem lösen könne.

    Das ist nicht mehr dies-, sondern jenseitig, weil UNS die Vorstellungskraft fehlt, was „jedes Problem“ einschließen kann.

    Ihren Glauben kann man daher getrost als Kinderglaube bezeichnen.

    Antworten

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