„Alle einfach aufnehmen? Klug ist das nicht!“

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Ein intelligenter Kommentar im TAGESSPIEGEL (Hervorhebung von mir):

„Auf eines können wir uns vielleicht einigen, trotz aller Meinungsverschiedenheiten: Es ist nicht klug. Reden wir einfach mal, ausnahmsweise, nicht über Moral, reden wir über Klugheit. Wenn man hunderttausende Menschen, nein, Millionen, denn man muss ja die bald nachziehenden Angehörigen einrechnen, wenn man also eine solche Zahl von Leuten völlig unkontrolliert in ein Land kommen lässt, ohne den blassesten Schimmer, wer das ist, ohne Kriterien, ohne einen anderen Filter als den Zufall, dann kann man für eine solche Verhaltensweise alle möglichen Worte finden, nur ein Wort scheidet ganz sicher aus, das Wort ‚klug‘.

Aber vielleicht lässt sich ja die gesamte neuere deutsche Geschichte, vom tollpatschigen Kaiser Wilhelm über den größenwahnsinnigen Adolf, Erichs Lampenladen und die RAF bis zum Veggieday als eine Geschichte des Hochmuts und der Selbstüberschätzung erzählen.

Deutsch sein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen zu tun. Ein Land, das nach dieser Devise verfährt – bedenke nicht die Folgen deiner Taten –, hat nicht alle Tassen im Schrank. Der Satz übers Deutschsein stammt von Richard Wagner, dem Lieblingskünstler von Angela Merkel. Jahrelang hat man sich gefragt, Merkel, wer ist das, was treibt diese Frau an? Jetzt kommt heraus, dass sie eine Wagnerianerin ist. Romantik. Pathos. Götterdämmerung.

Das, was Angela Merkel gerade mit Deutschland anstellt, würde kein Mensch mit seiner Wohnung tun. Selbst der gutmütigste Mensch der Welt würde sich doch, bevor er Gäste aufnimmt, die Frage stellen, wie groß die Wohnung ist, wie viele Gäste er aufnehmen kann, wie viele Mitbewohner seine Brieftasche und seine Nerven verkraften können und wer die neue Bewohner überhaupt sind.

Deutsch sein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen zu tun. Dieser Satz befindet sich in enger Nachbarschaft zu zwei anderen deutschen Merksätzen. Erstens: Am deutschen Wesen soll die Welt genesen. Zweitens: Unsere Mauern brechen, unsere Herzen nicht. Letzterer Satz stand Anfang 1945 als Durchhalteparole an den Häuserwänden. ‚Wir schaffen das!‘ hätte damals auch gepasst.

Das Gegenbild zum guten Deutschen ist der Ami, stimmt’s? So pragmatisch. So oberflächlich, so unwagnerianisch. Die Ami-Behörden haben in den letzten Monaten die Betrügereien von VW enttarnt und die mafiöse Fifa noch dazu. Die deutschen Behörden und der DFB spielten dabei bisher keine so tolle Rolle. Überhaupt spielen Gesetze, Regeln, internationale Abkommen im Moment bei uns keine Rolle mehr, was die Grenzen betrifft. Wir geben uns halt mit solchen Kleinigkeiten nicht ab. Regeln sind was für Griechen. Wir müssen schnell die Welt retten, drunter machen wir’s nicht, und wenn alles in Scherben fällt.

Die Diskussion dazu ist ebenfalls aufschlussreich:

DER TAGESSPIEGEL: „Alle einfach aufnehmen? Klug ist das nicht!“, 10. Oktober 2015

7 Antworten
  1. Dieter H. says:

    Guter Artikel. Eine Sache um ihrer Selbst willen zu tun – oder anders ausgedrückt ‚ das was wir tun am Allerbesten tun um es uns und der Welt zu beweisen. Wir waren die besten Kaisertreuen, die besten Faschisten (da haben wir Franco und Mussolini mal locker gezeigt wie man das richtig macht), die besten Kommunisten (zumindest ein Teilstaat von uns) haben die beste Demokratie der Welt und sind die besten Produktehersteller und jetzt sind wir momentan die besten Flüchtlingsaufnehmer.
    Und jetzt werden wir demnächst beweisen, wie man diese viele Menschen am schnellsten integriert bekommt. Mit deutscher Ordnung und Gründlichkeit. Und niemand wird etwas dagegen haben, dass wir uns zum Polizeistaat wandeln, Meinungsfreiheit eingeschränkt wird (wegen der öffentlichen Sicherheit) und Zwangsmaßnahmen gegen integrationsunwillige erfolgen. Da die Polizei all dies nicht mehr schafft kommt bald die Bundeswehr zuhilfe, am besten.

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  2. SZ says:

    Ich kann diesen Kommentar leider nicht intelligent finden. Sicher sollte man die Frage des Flüchtlingszustroms kritisch betrachten und Herr Stelter hat ja hierzu schon kluge Analysen erstellt. Der Tagesspiegelkommentar ist aber leider nur emotional und logisch höchst fragwürdig. Schon die Prämisse hinsichtlich der Nichtanwendbarkeit des Adjektives „klug“ würde sicher von manchem hinterfragt und leider fehlt es hier an starken Argumenten. Danach kommt ein fragwürdiger historischer Brückenschlag, ein emotionales Bildnis zur Privatwohnung und noch ein „buzz words“ – Amis, die Griechen, VW, 1945 – wir schmeissen mal alles in einen Topf.
    Trifft emotional sicher den Nerv vieler Leute, ist aber keineswegs eine intelligente Kommentierung der aktuellen Probleme…

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    • MFK says:

      Ich teile Ihre Auffassung. Dieser Kommentar ist alles andere als intelligent. Wieder wird Einwanderung und Asyl durcheinander gebracht. Das Asylrecht kann nicht zur Debatte stehen. Es muss allerdings auch durchgesetzt werden. Wer keinen Asylanspruch hat, hat Deutschland zu verlassen. Dies geschieht (mutwillig) nicht. Auch das Asylrecht bietet keinen Daueraufenthaltsanspruch, wenn die Lange im Herkunftsland sich normalisiert hat.

      Daneben braucht Deutschland ein Einwanderungskonzept, welches sich an den Bedürfnissen dieses Landes auszurichten hat. Dieses gibt es nicht, es ist also zu schaffen. Daneben kann man auch eine Brücke zum Asylrecht schaffen. Asylberechtigte, die Einwanderungskriterien erfüllen, sollen auch einwandern dürfen.

      Weiterhin sind die Ursachen der Wirtschaftsmigration zu bekämpfen. Das bedeutet zu aller erst, dass Deutschalnd es unterlässt, Kriege wie den in Syrien zu fördern. Daneben sind faire Handels- und Wirtschaftsbedingungen z.B. für die afrikanischen Länder zu schaffen. Die deutsche Entwicklungshilfe ist grundlegend zu reformieren.

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      • Marcel Rose says:

        Vollste Zustimmung. Ich bin froh, dass es Mitbürger gibt, die sich mit Ihrer Meinung noch trauen zu zeigen und noch die Kraft haben „falsche Aussagen“ unserer Qualitätsmedien richtig zu stellen. Gefühlt ist mein Mund schon ganz fusselig, leider redet man gegen eine Wand.

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