Deflation – das unverstandene Wesen

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Bereits vor Monaten habe ich in mehreren Beiträgen ‒ unter anderem für manager magazin online ‒ erklärt, weshalb Deflation nicht schlecht sein muss. Im Gegenteil, es gibt auch gute Deflationen. Problem heute: Wir haben alle Ingredienzien für eine neue, böse Deflation. Die Zusammenfassung in Kurzform:

  • „Deflation in der vorliegenden Betrachtung bedeutet ein sinkendes allgemeines Preisniveau über einen Zeitraum von mehreren Quartalen. Das Gegenstück ist die Inflation, also ein steigendes allgemeines Preisniveau.“
  • „Gutartige Deflation tritt auf, wenn eine Volkswirtschaft markante Produktivitätsfortschritte erzielt. Ein hervorragendes Beispiel gibt die Periode von 1873 bis 1896 ab, als viele Länder durch die zweite industrielle Revolution gingen und sich die Eisenbahn als Transportmittel verbreitete. Führende Volkswirtschaften verzeichneten damals Deflationsraten von rund 2% pro Jahr, gekoppelt mit Wirtschaftswachstum von 2 bis 3%. Ein ähnliches Bild zeigte sich zwischen 1921 und 1929, als das Automobil, das Telefon oder neue Kühltechnologie Produktivitätsfortschritte brachten.“
  • Bösartigen Deflation „ist ein Symptom dafür, dass die Nachfrage chronisch unter der Produktionskapazität liegt; Unternehmen senken die Preise, um ihre Ware loszuwerden. (…) Bösartige Deflation kann zu einer hartnäckigen Rezession führen, wenn zwei Voraussetzungen erfüllt sind: Erstens, wenn die Löhne in der Wirtschaft rigide sind (…). Zweitens, wenn die nominellen Leitzinsen der Notenbank am Nullpunkt (‚zero lower bound‘) angelangt sind und zur Ankurbelung der Wirtschaft nicht mehr weiter gesenkt werden können.“ ‒ bto: Genau diese Deflation wird offiziell befürchtet.
  • „Die dritte, tödliche Variante der Deflation droht, wenn sich zu den zwei genannten ein weiterer Faktor gesellt: eine hohe Verschuldung in den privaten Sektoren der Wirtschaft. (…) Um ihre Schulden zu bedienen, sind sie gezwungen, Vermögenswerte zu verkaufen, was deren Preise ins Rutschen bringt und weitere Notverkäufe auslöst. Zahlungsausfälle häufen sich, was früher oder später zu einer Bankenkrise führt.“ ‒ bto: Und das haben wir heute wirklich.
  • „Die Grosse Depression und die hartnäckige Schwäche Japans seit den Neunzigerjahren (…) können (…) nur mit ihrer Vorgeschichte verstanden werden: Beiden ging ein von lascher Geldpolitik befeuerter Kredit- und Vermögenspreisboom voran, in dessen Rahmen die private Verschuldung massiv gestiegen ist.“ ‒ bto: … der Eurokrise übrigens auch!

„In der Bekämpfung der abermaligen Deflationsgefahr nehmen die Zentralbanken von Washington bis Tokio jetzt erneut einen Kreditboom und eine Vermögenspreisinflation in Kauf. Der aggregierte Schuldenberg, der auf der Weltwirtschaft lastet, ist grösser als jemals zuvor, gemäss Daten von McKinsey sogar 40% höher als Ende 2007. Was, wenn die Zentralbanken selbst damit die Saat für die nächste, noch grössere Krise gelegt haben?“ ‒ bto: Dem ist nichts hinzuzufügen!

→ FINANZ und WIRTSCHAFT: Deflation – das unverstandene Wesen, 26. Mai 2015

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