2015 wird ein gutes Jahr für die Eurozone

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on LinkedInEmail this to someone

2015 wird ein gutes Jahr für die Eurozone. Die Wirtschaft dürfte positiv überraschen und am Jahresende werden mir viele Kritiker vorhalten, zu schwarz gemalt zu haben. In der Tat spricht viel für eine konjunkturelle Belebung. Hier eine gute Zusammenfassung im Blog der FINANZ und WIRTSCHAFT:

„Die Eurozone hat enorme Fortschritte in der Eliminierung der wirtschaftlichen Zentrifugalkräfte erreicht. So haben sich die Leistungsbilanzdefizite selbst der Peripherieländer – DER ökonomische Indikator für ungleiche Entwicklung – praktisch ausgeglichen (s. Chart), die Schere bei den Lohnstückkosten schliesst sich allmählich (s. Chart) und die Budgetsituation hat sich signifikant verbessert (s. Chart).

Chart 1 zu Replik auf TA Blog

Chart 2 zu Replik auf TA Blog

Chart 3 zu Replik auf TA Blog

Dieses Jahr dürfte nun auch das Wachstum endlich an Fahrt gewinnen und sich so die Verschuldungslast verringern. Dies dank der Bemühungen der Europäischen Zentralbank (EZB), die dramatische Bilanzschrumpfung zwischen 2012 und 2014 um ein Drittel durch Käufe von Staatspapieren zu kompensieren. Es sei hier erwähnt, dass von allen grossen Zentralbanken (inklusive SNB) die EZB bei weitem die geringste Bilanzausdehnung verzeichnete und somit auch das geringste Inflationspotenzial geschaffen hat. Statt einer Vervielfachung der Bilanzsumme schrumpfte die EZB-Bilanz in den letzten Jahren. Dies mit dem Resultat, dass die Kredittätigkeit des Bankensystems lahmte und der Euro gegenüber dem US-Dollar bis im Sommer 2014 eine Überbewertung von 15 bis 20 Prozent aufwies. Jetzt ist er etwa knapp bei der Kaufkraftparität angelangt, und das Kreditwachstum zieht wieder an. Den Abgesang auf den Euro wird man wohl vertagen müssen.“

bto: Natürlich kann man jetzt kritisieren:

  • Die Handelsdefizite sind vor allem wegen kollabierender Importe geschrumpft.
  • Die Eurozone kann als Ganzes kein Deutschland werden, dies würde die Weltwirtschaft nicht verkraften, wo alle Überschüsse erwirtschaften wollen.
  • Die Anpassung der Lohnstückkosten muss noch mehrere Jahre so weiter gehen ‒ halten dies die Länder politisch durch?
  • Billig zu sein genügt nicht, es bedarf auch Innovationen. Hier sieht es in den Krisenländern sehr schlecht aus.
  • Primärüberschüsse in den Staatshaushalten sind nett ‒ genügen aber nicht, wie McKinsey gezeigt hat. Der Anpassungsbedarf ist gigantisch.

bto: Natürlich gibt es erhebliche Risiken:

  • Griechenland gerät außer Kontrolle ‒ kann mittelfristig gut sein für die Eurozone, kurzfristig turbulent.
  • China schwächt weiter ab und beginnt Währungsabwertung und damit Export von Deflation.
  • USA fallen in Rezession ‒ siehe kritische Stimmen wie Albert Edwards.
  • Ukraine gerät auch außer Kontrolle

Dennoch spricht viel dafür, dass es sich stabilisiert! Aber dies bedeutet nicht, dass unsere Probleme gelöst sind. Im Gegenteil. Auch bei wirtschaftlicher Erholung wachsen die Schulden weiter schneller als das Einkommen, die faulen Schulden sind nicht bereinigt und die politischen Spannungen dürften zunehmen. Wir gewinnen also nur Zeit. Fragt sich, ob die Politik diese auch nutzt??

FINANZ und WIRTSCHAFT: «Das politische Desaster Europas» – eine Replik, 4. März 2015

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte das Captcha ausfüllen * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.