10 Wege für die EZB, Geld in Umlauf zu bringen, ohne die Reichen noch reicher zu machen und die Armen den nächsten Crash ausbaden zu lassen

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal am 6. November 2014 bei bto. Jetzt, wo die EZB die Aktionäre und Währungsspekulanten beglückt, passt der Beitrag nochmals sehr gut.

Eine gute Übersicht der Möglichkeiten der EZB, Geld in den Umlauf zu bekommen, vom Handelsblatt-Redakteur Norbert Häring (Auszug!). Er hat auch eine Bewertung der Vor- und Nachteile auf seiner sehr guten Seite.

  1. Helikopter-Geld: Der Monetarist Milton Friedman prägte den Ausdruck mit dem Gedankenexperiment, was eine Zentralbank tun könnte, wenn Kreditklemme herrscht und Deflation droht, nämlich über das Land zu fliegen und Geldscheine zu verstreuen. Die praktikable Variante besteht darin, dass die Notenbank jedem Bürger einen Scheck schickt. – bto: Da gehöre ich bekanntlich zu den Befürwortern
  2. Spenden: moderate Form des Helikopter-Geldes. Die EZB könnte ihr bisher sehr bescheidenes Spendenbudget vervielfachen. Jeder von der EZB gespendete Euro ist zusätzliches Geld in Umlauf. Es kostet nicht nur nichts, es nützt sogar doppelt, denn die EZB will erklärtermaßen mehr Geld in Umlauf bringen. – bto: witzige Idee.
  3. Ausgleichsposten für IWF-Sonderziehungsrechte auflösen und als Gewinn ausschütten. Es gibt einen Posten von 55 Milliarden Euro in der Bilanz des Eurosystems, der auf den kreativen Namen „Ausgleichsposten für vom IWF zugeteilte Sonderziehungsrechte“ hört. Den sollten die Notenbanker einfach auflösen und die Staatsschuldenkrise damit lindern.
  4. Überhöhte Rücklagen auflösen. Die Notenbanken des Eurosystems haben 315 Milliarden Euro Rückstellungen aus der Aufwertung von Gold, Währungsbeständen und sonstigen Wertpapieren. Das würde den Geldumlauf direkt erhöhen und die Staatsschuldenkrise entschärfen.
  5. Hausbesitzern statt Banken helfen: Anstatt den Banken mit ihren faulen Hypothekarkrediten zu helfen, hätte die EZB überschuldeten Haushalten helfen können, zum Beispiel indem sie Banken Not leidende Kredite zu einem guten Preis abkauft, unter der Bedingung, dass die Belastung für die Hausbesitzer auf ein tragfähiges Maß reduziert wird. – bto: Ich habe 2009 vorgeschlagen, dass die US-Notenbank eine Put-Option auf Häuser schreibt und diese den Hausbesitzern zu den Werten des Jahres 2007 abkauft, vermietet und eine Call-Option einräumt, sie zum selben Preis zurückzukaufen.
  6. Banken mit Gegenleistung sanieren. Mit ihren langfristigen Finanzierungsangeboten für Banken zu einem sehr niedrigen Zins, genannt LTRO und TLTRO, lässt die EZB den Banken eine riesige Zinssubvention zukommen. Die EZB könnte viel strenger sein, was Mindestreserve-Verpflichtungen (im Zuge der Krise auf lächerliche ein Prozent gesenkt) und Ähnliches angeht. Wenn sie notleidenden Banken Erleichterungen oder sonstige Subventionen zukommen lassen will, könnte sie das davon abhängig machen, dass diese eine Geschäftspolitik im Sinne der Gesamtwirtschaft verfolgen. Wozu unter anderem der folgende Punkt 7 (Kreditlenkung) gehören könnte.
  7. Kreditlenkung. Es gibt keine Gewähr, dass die Banken ihre Kredite von selbst in die gesamtwirtschaftliche beste Verwendung vergeben. Am besten sind aus dieser Sicht Investitionskredite. Eine starke Ausweitung der Konsumentenkredite ist problematisch, weil sie die Nachfrage bei zunächst gegebenem Produktionspotenzial befeuern, was die Inflation anheizt. Danach kommt oft der Kater. Eine starke Ausweitung der Kredite zum Kauf bestehender Vermögenswerte wie Unternehmen, Immobilien oder Wertpapiere ist hochgefährlich. Sie führen zu Preisblasen, die sich zunächst selbst verstärken und dann in den Crash führen. Die Zentralbank sollte den einzelnen Banken und Bankengruppen daher Richtwerte für die Struktur ihrer Ausleihungen geben. Sie sollte die Ausdehnung der problematischen Kreditarten begrenzen und die Vergabe von echten Investitionskrediten begünstigen. – bto: Das sehe ich skeptisch. Es gibt gute Gründe, die Kreditvergabe privat zu lassen.
  8. Bankkredite an Regierungen zulassen: Die EZB beharrt darauf, dass der Anleihemarkt, ein Euphemismus für die Finanzbranche, als Wächter über die Solidität der Staatsfinanzen gebraucht wird. Ohne dieses Dogma könnten sich die Regierungen von Konsortien großer nationaler Banken Großkredite holen und sich darüber finanzieren. Wenn sie Anleihen, die von Nicht-Banken gehalten werden, auslaufen lassen und stattdessen Bankkredite beziehen, steigt der Geldumlauf. Denn mit einem Bankkredit ist Geldschaffung verbunden. Wenn eine Nicht-Bank eine Anleihe kauft, wird nur Geld umverteilt. – bto: Das senkt aber die Staatsschulden nicht, sondern finanziert sie nur anders.
  9. Banken mit Staatsanleihen sanieren: Modell 8 lässt sich ausbauen. Banken mit schwacher Eigenkapitalbasis könnte die jeweilige Regierung sanieren, indem sie ihnen Eigenkapital in Form von eigens dafür emittierten Staatsanleihen zur Verfügung stellt. Die Banken wiederum haben damit Wertpapiere, die sie bei der EZB zur Refinanzierung einreichen können. Damit können sie Unternehmen, Haushalte oder, wenn diese nicht wollen, dem Staat Kredit geben. Die spanische Regierung wollte Zeitungsberichten zufolge die Not leidende Bankia so sanieren. Irgendjemand in Brüssel und/oder Frankfurt hat sie gestoppt. – bto: klar. Denn hier – wie auch bei den anderen Maßnahmen – kommt es zu einer erheblichen Umverteilung zwischen Ländern und damit Steuerzahlern.
  10. Das Modell Irland ausweiten: Die irische Regierung bekam auf Umwegen rund 30 Milliarden Euro von der irischen Notenbank, um die heimischen Banken zu sanieren. Mit der Rückzahlung hat sie Zeit bis 2053. Der EZB-Rat, der solche Geschäfte untersagen kann, schaute weg, obwohl er sonst immer ein Verbot der direkten oder indirekten Staatsfinanzierung behauptet und sehr wichtig nimmt. Wenn der EZB-Rat nicht so eklatant mit zweierlei Maß messen würde, wäre die Staatsschuldenkrise vorbei. – bto: Hatte ich übrigens hier besprochen.

Norbert Häring: 10 Wege für die EZB, Geld in Umlauf zu bringen, ohne die Reichen noch reicher zu machen und die Armen den nächsten Crash ausbaden zu lassen, 3. November 2014

2 Antworten
  1. Stefan W. says:

    Aus meiner Sicht ist bei einem Helikoptergeld, bei der die Notenbank jedem Bürger einen Scheck schickt, das Risiko am größten, dass die Menschen das Vertrauen ins Geld verlieren. Beim Helikoptergeld wird doch auf einem Schlag einer breiten Bevölkerungsschicht klar, dass in unserem jetzigen Geldsystem das Geld „aus dem Nichts“ geschaffen werden kann. Das Risiko, dass diese Erkenntnis und die sich dann in der Öffentlichkeit abspielenden Diskussionen das Vertrauen in das Geld sehr stark beschädigt, halte ich für unkalkulierbar. Unter anderem auch deshalb, weil es nicht bei einer einmaligen Intervention bleiben wird (siehe QE). Auch wenn Helikoptergeld ökonomisch viel bessere Effekte in der Realwirtschaft bewirkt als das Geld weiterhin dem Finanzsystem zu geben, wären aus meiner Sicht die Auswirkungen dieses Experiments auf das „Geldvertrauen“ der Menschen unkalkulierbar.
    Ist es sinnvoll, Herr Stelter, ein solches Experiment zu befürworten, obwohl vermutlich auch damit nur Zeit gekauft wird ohne bei den Ursachen anzusetzen und das Risiko einer nicht mehr beherrschbaren Zerrüttung des Geldwertes besteht?

    Antworten
  2. Hartmut G. says:

    „Geld in den Umlauf zu bekommen“

    Warum sollte wer das eigentlich wollen? Und warum ist das Geld denn „nicht im Umlauf“? Und warum wird den Menschen, die sich Geld durch Erbringung von Leistung/Resourcen erwirtschaften, das Geld schlichtweg weggenommen (um es anderen zu geben)?
    Diese Ausgangsfragen werden jedoch nicht beleuchtet. Wäre auch ziemlich unbequem aus sozialistischer Planwirtschaftssicht. Viel bequemer so einen suggestiven Blödsinn zu verbreiten, um die eigenen Verbrechen zu verschleiern.
    mfG HG

    Antworten

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