„Wohlstand in Gefahr“

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Ein interessanter Kommentar aus der NZZ. Wenn es in einem derart seriösen Medium steht, wo ist denn da der Proteststurm der Bürger gegen die Politiker, die uns ins Elend führen?

Hier die Eckpunkte:

  • Die Schuldenkrise droht enorme Volumen an Vermögen zu vernichten. Sie gefährdet zunehmend die Marktwirtschaft, Freiheitsrechte und letztlich die Demokratie. Es gilt, endlich ihre Ursachen anzugehen.“ – bto: meine Forderung seit 2009!
  • Nicht wenige Investoren und Ökonomen fürchten, dass nach der US-Immobilienkrise 2007, dem Beinahe-Zusammenbruch des Finanzsystems 2008 und der 2010 ausgebrochenen Euro-Krise nun die nächste Eskalation anstehen könnte. All diese Krisen sind miteinander verwoben, ihren Kern bilden die über Jahrzehnte hinweg gewachsenen, immer weniger tragbaren Schulden privater und staatlicher Akteure.“ – bto: Das ist die Zusammenfassung auf den Punkt gebracht!
  • Wie die Geschichte zeigt, haben Schulden- und Finanzkrisen das Potenzial, enorme Volumen an Vermögen und Wohlstand zu vernichten. Auch dieses Mal wird dies kaum zu verhindern sein.“
  • „Dieser Schuldenturm hemmt – zusammen mit der demografischen Alterung der Bevölkerung in vielen Ländern – das Wirtschaftswachstum immer stärker. Als Sorgenkinder gelten Europa und Japan. Hinzu kommen nun Ängste über die Konjunktur in China und in anderen Schwellenländern. Bedenklich ist, dass die Schulden in diesen Ländern in den vergangenen Jahren ebenfalls stark gestiegen sind.“ bto: Die NZZ fokussiert leider auf die Staatsschulden, dabei ist es ein Gesamtschuldenproblem.
    Für eine grössere Ausgabe bitte hier klicken.

Quelle: NZZ

  • bto: Man beachte bitte  erneute Erinnerung!!!  die Werte der „Musterschüler“ Irland und Portugal!!!
  • Derweil bröckelt der Glaube der Investoren an die Allmacht der Zentralbanken. (…) Nun zeigt sich aber immer deutlicher, dass sich mit dieser ultraexpansiven Geldpolitik zwar Zeit gewinnen lässt, dass sie aber kein Wachstum schafft und das Überschuldungsproblem nicht löst.“ – bto: eben, weil es so schwer ist, eine Inflation zu erzeugen!
  • „Die mittlerweile von einigen Notenbanken eingesetzten Instrumente wie Negativzinsen bergen derweil erhebliche Risiken. So beeinträchtigen die Negativzinsen beispielsweise das Zinsgeschäft der Geschäftsbanken.“ bto: deshalb: bald auch negative Zinsen auf Einlagen. Sonst gehen 75 Prozent der Volks- und Raiffeisenbanken und der Sparkassen in Deutschland unter. 
  • In Zukunft könnten hier die Bankkunden noch stärker zur Kasse gebeten werden. Wie das aussehen könnte, hat sich bereits gezeigt, als sich 2013 die Krise in Zypern zuspitzte. Um kollabierende Banken zu retten, wurden damals private Sparguthaben auf Bankkonten oberhalb der Grenze der Einlagensicherung von 100 000 Euro eingezogen.“ – bto: Sollten, wie ich denke, mehr Gläubiger dran glauben müssen, wird es zu einer regelrechten Flucht aus dem Bankensystem kommen. Versperrt man dies durch Bargeldverbot, fliehen wir in Sachwerte. Dann haben wir die Hyperinflation. 
  • Es ist zu befürchten, dass die finanzielle Repression im weiteren Verlauf der Schuldenkrise noch deutlich zunehmen wird. Manche Zentralbanken könnten die Zinsen noch tiefer in den negativen Bereich drücken, was den Anlagenotstand verschärfen würde. Ausserdem drohen beim Bargeldverkehr weitere Einschränkungen.“ – bto: Das ist nur die logische Konsequenz.
  • International würde diese Entwicklung die Altersvorsorge von Millionen von Menschen schmälern. Dies birgt die Gefahr sozialer Unruhen. Angesichts der in vielen Ländern hohen Arbeitslosenzahlen ist der Unmut in der Bevölkerung gross, was sich im Aufstieg von links- und rechtspopulistischen Parteien zeigt.“ – bto: Das ist erst der Anfang!
  • Von einer ‚Weltwirtschaftskrise in Zeitlupe‘, die wir derzeit erleben, spricht derweil der Ökonom Daniel Stelter. Dass solche tiefgehenden Schulden- und Wirtschaftskrisen verheerende Folgen für Demokratie und Marktwirtschaft haben und den Zwist zwischen Nationen befördern können, hat die Weltwirtschaftskrise von 1929 hinlänglich bewiesen.
  • Es ist zu befürchten, dass der Schuldenturm mittlerweile so hoch ist, dass sich die Krise nur noch mit drastischen Mitteln lösen lässt. Die Entwicklung geht wohl immer stärker in Richtung einer Monetarisierung von Schulden. So könnten die Zentralbanken immer mehr Schulden aufkaufen und versuchen, diese zu neutralisieren. Die Folgen dieses  ‚grossen Experiments‘ sind aber völlig ungewiss. So wachsen die Zweifel am System mit ungedecktem Papiergeld, in dem Banken durch Kreditvergabe Geld ‚aus dem Nichts‘ schaffen können. Eine neuerliche Verschärfung der Krise könnte Debatten über eine Reform des Geldsystems auslösen.“ – bto: Das klingt fast wie eine Zusammenfassung der Eiszeit.

Gefährlich dürfte es werden, wenn die Schuldenkrise sich immer stärker zur Vertrauenskrise auswächst. Wirtschafts- und Finanzsysteme können nur bis zu einem gewissen Grad ‚gedehnt‘ werden. Werden sie überfordert und geht das Vertrauen der Bevölkerung in das System verloren, können Krisen eine unkontrollierbare Dynamik entwickeln.“

 

→ NZZ: „Wohlstand in Gefahr“, 12. März 2016

16 Antworten
  1. Michael Stöcker says:

    So langsam scheint diese Entwicklung auch im deutschen Mainstream anzukommen. Sogar DIE WELT hat gestern das Thema Helicopter-Money auf die Agenda gesetzt.

    Dieser Vorschlag geht letztlich auf den spiritus rector des geldpolitischen Paradigmas der Deutschen Bundesbank zurück. Und das war kein geringerer als Milton Friedman, der die Grundlagen hierfür schon 1948 im American Economic Review niedergeschrieben hatte: „A Monetary and Fiscal Framework of Economic Stability.“

    Die Idee des Monetarismus eines Milton Friedman ergänzt um seine Ideen zum Helicopter-Money ist letztlich nichts anderes als das, was Keynes mit seinen Geldflaschen gefordert hatte. Es gibt keinen Widerspruch zwischen Keynes und Friedman (Hayek hatte dies noch gewusst). Es ist höchste Zeit für ein neues/altes geldpolitisches Paradigma: Keynesianischer Monetarismus mittels eines zentralbankfinanzierten Bürgergeldes in Höhe von ca. 80 EUR pro Monat für jeden Bürger von Euroland (= 320 EUR bei repräsentativer Standardfamilie, um die zugleich der Hartz IV-Satz angehoben wird), besteuert an der Quelle mit dem persönlichen Grenzsteuersatz, zum Wohle aller Bürger von Euroland und für Europa: https://zinsfehler.wordpress.com/2015/03/23/die-citoyage-keynesianischer-monetarismus-als-ordnungspolitisches-korrektiv/

    Die Alternative ist die Implosion Europas, bei der nicht nur das fiktive Kapital vernichtet wird, sondern zugleich die noch gesunde realwirtschaftliche Basis.

    LG Michael Stöcker

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    • Stefan Bohle says:

      Zur Frage des „bröckelt der Glaube an die Allmacht der Zentralbanken“ stellt sich die Frage, ob die Zntralbanken eigentlich selbst noch an den konjunkturellen Nutzen und die inflationssteuernde Wirkung ihrer Programme glauben. Im Falle der EZB habe ich da erheblich Zweifel. Erfolgreich und wirkungsmächtig ist die EZB dennoch – nämlich bei der Finanzierung klammer Staaten des Euro-Systems und damit bei der Sicherstellung des Status-Quo im Euroraum. Ohne alle die Maßnahmen wäre der Euro längst zusammenbrochen. Die deutsche Regierung weiß das und gibt Draghi freie Hand. Kollateralschaden dieser ungezügelten Umverteilungspolitik ist Unterminierung fundamentaler Eigentumsrechte der Bürger und damit eines wesentlichen Pfeilers des Rechtsstaats – ein ziemlich hoher Preis für die Bewahrung eines Währungsraums, der irgendwann ohnehin zum Untergang verdammt ist.

      Mein Eindruck ist, dass die deutsche Kanzlerin letztlich die Politik der Ära Kohl fortsetzt und damit den absoluten Primat des Politischen über das Wirtschaftliche walten lässt. Da werden die (zweifellos hohen) politische Kosten einer Auflösung der Eurozone immer höheres Gewicht haben als die schleichenden, aber dafür exorbitanten wirtschaftlichen Kosten einer weiteren Fortsetzung der Währungsunion.

      Vielleicht werde aber auch bei der Eurorettung (wie bei der Flüchtlingsfrage) irgendwann andere Länder Fakten schaffen.

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  2. Peter Schmid says:

    Schulden sind Forderungen von Gläubigern. Die Schuldner können die Schulden nur begleichen, wenn sie entsprechende Einnahmen generieren. Es ist offensichtlich, dass die Schuldner dies niemals schaffen werden. Man muss der Realität ins Auge schauen: Ohne Verzicht auf Forderungen wird es nicht gehen. Dieser Verzicht kann geordnet oder chaotisch stattfinden. Das ist die einzige Wahl, die man hat.

    Die Ursache der Krise ist eigentlich einfach auszumachen: Es wurde über Jahrzehnte viel zu viel Vermögen angehäuft ohne entsprechende Leistung. Ist das so schwierig zu verstehen, dass wenn Mio bis Mrd.-Vermögen leistungslos entstehen können, dies irgend wann nicht aufgehen wird? Man sei sich bewusst: Um 1 Mrd. sparen zu können, müsste ein normal erwerbstätiger Bürger über 12’000 pro Arbeitsstunde (!) auf die hohe Kante legen können (also nebst Steuern und allen anderen Ausgaben) – ein Leben lang. Solche Vermögen können nur durch Aneignung fremder Leistungen entstehen – d.h. Abschöpfung von Kaufkraft ohne Gegenleistung andernorts, d.h. Schmälerung der Nachfrage (falls das Geld nicht (zinsfrei!) reinvestiert, verkonsumiert oder verschenkt wird). Um die Nachfrage anzukurbeln muss dann der Staat einspringt – mit Ausgaben auf Pump. Kollektive Verschuldung zur Aufrechterhaltung eines in hohem Masse dysfunktionalen System!

    Was sind die Gründe für leistungslose Einkommen?

    Erstens ein Geldsystem, welches mit immer nur positiven Zinsen funktioniert. Trotz des Überangebots des Anlage suchenden Geldes, sinken die Zinsen nicht zu einem negativen Gleichgewichtszins. Das müssten sie, damit das Geldsystem keine Vermögens- und Schuldenkrise produziert. Eine Zinsskala, welche bei 0% beginnt, führt logisch zwigend zu einer exponentiellen Vermehrung von Vermögen – was nur bei entsprechendem Wachstum real zu finanzieren ist. Eine Zinsskala, welche bei 0% beginnt, setzt exponentiell wachsende Vermögen als Voraussetzung, dass die Ersparnisse investiert werden, d.h. die Wirtschaft überhaupt funktionieren kann. Es blockiert das sich Finden zwischen Geldangebot und Geldnachfrage, sobald man sich der 0%-Grenze nähert. Dies ist der Fall, wenn die rentablen realwirtschaftlichen Investitionsmöglichkeiten abnehmen und das Geldangebot zunimmt. In einer Wirtschaft, die real stagniert, können die Vermögen auch nicht real wachsen. Doch mit einer Zinsskala, welche bei 0% beginnt, müssen (!) die Vermögen wachsen können, damit sie inverstiert werden bzw. investiert bleiben.

    Jahrzehnte einer Zinsskala, welche bei 0% beginnt haben zum heutigen Zustand geführt, da man mit allen möglichen Tricks die notwendige Verlangsamung des Vermögensswachstums verhindert hat: Investition und Konsum auf Pump, Geldmengenausweitung, Inflation auf den Finanzmärkten (Blasenbildung) usw. Jetzt naht die Zeit der Saldierung und des Erwachens.

    Not-wendig ist eine Zinsskala, welche die Realität abbildet und nicht einen Zwang ausübt, die Realität danach zu richten. Der niedrigste Punkt der Zinsskala muss logisch zwingend ca. 3 bis 5%-Punkte unterhalb der Wirtschaftswachstumsrate liegen. Damit bleibt der Anreiz gegeben, zu investieren, auch bei 0% Nettoertrag, also ohne Vermögenswachstum als Anreiz. Damit können die Zinsen ihre Allokationsfunktion übernehmen, ohne, dass dies durch eine willkürliche Grenze beeinträchtigt wird. Damit wird auch sichergestellt, dass die Vermögen nicht schneller wachsen als die reale Wertbildung. Natürlich soll bei Zinsen unter 0% weniger gespart werden. Dies zeigen negative Zinsen auch an: es wird zuviel gespart im Verhältnis zu den Investitionsmöglichkeiten. Und das ist volkswirtschaftlich unsinnig. Deshalb machen negative Zinsen je nach Konjunktur Sinn.

    Weitere Ursachen für leistungslose Erträge sind: Der Boden als Geldanlagemöglichkeit und Patente. Ersteres ist wohl die „Hauptsünde“ in einer Marktwirtschaft, welche das Leistungsprinzip untergräbt. Boden – ein natürliches Monopol – als Geldanlage zerstört auf Dauer jede ökonomische und gesellschaftliche Ordnung. Dies ist eine logisch zwingende Tatsache.

    Das heutige Patentrecht ermöglicht allzu vielen Akteuren ein staatlich geschützter Raubzug auf die Konsumenten. Not-wendig ist eine Reform, welche das ideelle Eigentum zwar schützt, aber eine leistungsfreie Bereicherung verhindert.

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    • Michael Stöcker says:

      Weitgehende Zustimmung. Nur: Sie müssen zwischen Kreditzinsen und Guthabenzinsen differenzieren. Die Guthabenzinsen sind bei null bzw. nahe null und werden durch höhere Gebühren unter null gedrückt werden. Zudem sind die Zinsen ein Gewinnbestandteil. Es hängt also nicht nur an den Zinsen, sondern insgesamt an der ungenügenden fiskalischen Redistribution.

      Selbst in einer bargeldlosen Welt mit einem Guthabenzins von – 5 % hätten wir ein unlösbares Problem, da die Schulden nominal bedient werden müssen. Die Guthaben könnten zwar mit Negativzinsen verringert werden, die Schulden jedoch nicht. Aus datenschutzrechtlichen Gründen wäre die Abschaffung des Bargelds zudem eine totalitäre Horrorvorstellung, die allen demokratischen Prinzipien einer freien Gesellschaft Hohn spricht.

      Von daher müssen wir alles daran setzen, die Inflation wieder in Gang zu bringen. Dass dies mit den klassischen Instrumenten in Verbindung mit dem Fiskalpakt sowie unserer schwarzen Null unmöglich ist, ist aber wohl immer noch nicht bei allen angekommen. Immerhin wird nun aber auch an unerwarteter Stelle über das Helikoptergeld geschrieben: http://www.welt.de/wirtschaft/article153234769/Mario-Draghi-liebaeugelt-mit-dem-naechsten-Tabu-Bruch.html

      LG Michael Stöcker

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      • Rob says:

        Hallo Michael,
        dass es ein unlösbares Problem bei der Einführung von -5% Guthabenzinsen gibt, weil die Schulden nominal bedient werden müssen, stimme ich weitgehend zu. Gerade weil ich mitterweile weiß, dass du nicht viel von der Gesell-Methode hältst, muss ich dazu ergänzen, dass das Schwundgeld nur angewendet werden darf nach einer Währungsreform. Eine Einführung in einer Welt voller Schulden und Ansprüchen ist ziemlich problematisch

    • Rob says:

      „Damit bleibt der Anreiz gegeben, zu investieren, auch bei 0% Nettoertrag, also ohne Vermögenswachstum als Anreiz.“

      Wichtiger Punkt. Seit einiger Zeit zerbreche ich mir den Kopf darüber, wie eine kapitalistische Wirtschaft ohne Geldvermögensakkumulation funktionieren könnte. Denn ab einem gewissen Punkt werden Gewinne nicht mehr sämtlich ausgegeben und investiert, sondern akkumuliert – was ja die komplementär damit einhergehende Schulden zwangsläufig erzeugt. Und wenn Unternehmern dieser „Option“ genommen würde (oder dies aufgrund allgemein empfundener Schuldentragfähigkeitsgrenze schlicht und einfach nicht mehr „geht“), ist die Unternehmensmotivation „Gewinnmaximierung“ passé, und damit keine Lust mehr zum Investieren. Noch abgesehen vom Problem, dass der Kapitalismus nach einer Art Schneeballsystem funktioniert, weil die heutigen Gewinnen von den aktuellen Schuldnern (Stichwort Vorfinanzierung) herrühren. Wer ahnt, dass eine Nullwachstumszeit kommt, muss Angst haben, keine Gewinne mehr zu sehen, weil die Investitionen der „Nachfolgeuntenehmer“ zurückgehen.

      Beispiellösung: eine progressive Geldvermögenssteuer. Wer sein Geldvermögensbestand dann *halten* will, ist weiterhin bestrebt (brutto) einen Geldüberschuss zu erzielen, und das ist sogar kreislauftechnisch möglich.

      Nun zu Ihrem Gedanken.
      Sie sagen 0% Netto-Ertrag, und weiterhin motiviert (zum investieren). Im Grunde genommen ist das etwa das Gleiche wie bei Geldvermögenssteuer. Was ich bisher bloß nicht realisiert habe, ist (und deshalb schreibe ich dies alles), dass Schwundgeld bereits einen Mechanismus darstellt, dass Unternehmen, die Überschüsse akkumulieren wollen, und ein bestimmtes Level halten wollen, dafür pro Periode mehr Geld einnehmen müssen als ausgeben. Tatsächlich bleibt so die Unternehmermotivation erhalten.
      Unberührt davon ist natürlich die hochgradige Unattraktivität von Spekulation, bei negativen Realzinsen auf Liquidität.

      Anmerkungen:
      – betreffend Geldvermögenssteuer: Natürlich unter (teilweise) Abzug von Beständen, die ausgeliehen sind.
      – vielleicht kann der Kapitalismus bei etwa Nullwachstum gerade nur aufrecht erhalten werden, wenn Geldvermögen eine Abschmelzfunktion besitzt, Grund: siehe oben.

      Antworten
  3. Dietmar Tischer says:

    Die Politik ist nicht fähig und nicht willens, eine Entschuldungslösung herbeizuführen, weil sie zumindest im Eurokern zu unbeherrschbarer politischer und sozialer Destabilisierung führen würde.

    Die EZB ist die einzige Institution in der Eurozone, die handeln kann und auch handelt. Wohin ihr Handeln führt, ist immer mehr abzusehen – zu einem Vertrauensverlust in die Politik und in die Geldpolitik.

    Wenn die Geschäftsbanken anfangen, die von der EZB verordneten Negativzinsen in großem Stil mit Belastung von Sparkonten etc. weiterzugeben, schließe ich einen sich schnell verstärkenden Bankrun in Form von Bargeldhortung nicht aus. Die Nachfrage nach Tresoren soll schon steigen.

    Die Entwicklung nimmt immer mehr Züge einer griechischen Tragödie an, deren Kennzeichen UNAUSWEICHLICHKEIT ist.

    Helikoptergeld ist dagegen eine Spielwiese von Geldtechnikern.

    Für diese Lösung fehlen alle politischen und institutionellen Voraussetzungen. Verfolgte die Politik dieses Thema, würde sie den Glaubwürdigkeitsverlust beschleunigen.

    Antworten
    • Peter Schmid says:

      Darum muss Bargeld mit einem „Ablaufdatum“ vesehen werden, nach dem es z.B. 5% an Wert einbüsst. Einfach durchzuführen wäre dies mit elektronischem Geld. Es gibt viele Möglichkeiten, ohne den Vorteil von Bargeld einzubüssen.
      Es ist aber Not-wendig, dass je nach Konjunktur Liquidität (nur Liquidität) mit Kosten versehen werden kann (Negativzinsen). Eine Forderung, welche auch Keynes und Irwing Fischer unterstützten.

      Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        So viel wie ich weiß, wurde die Idee, Bargeld mit einem „Ablaufdatum“ zu versehen, schon vor Jahren von einem Harvard-Studenten ins Spiel gebracht.

        Ich glaube, dass sie funktionieren könnte. Hatte dies schon mit M. Stöcker diskutiert, der – wenn ich mich richtig erinnere – Schwierigkeiten sah.

        Wie auch immer:

        Die Einführung würde nicht funktionieren.

        Notstandsmaßnahmen werden aller Erfahrung nach nur dann eingeführt, wenn Schocks erlebt werden, z. B. ein Krieg.

        Das ist nicht der Fall.

      • Michael Stöcker says:

        Unser Thema war damals etwas anders gelagert. Sie plädierten für ein zusätzliches Geld. Und nur dieses zusätzliche Geld sollte eine begrenzte Laufzeit haben. Das ist ein anderer Sachverhalt, als eine generelle Entwertung allen Giral- und Bargelds. Ein Schwundgeld kann sehr wohl technisch funktionieren, ist aber für eine Reservewährung der Todesstoß; also Finger weg.

        LG Michael Stöcker

  4. Rob says:

    „„Von einer ‚Weltwirtschaftskrise in Zeitlupe‘, die wir derzeit erleben, spricht derweil der Ökonom Daniel Stelter.“

    Nicht nur er, sondern 2012 bereits Stephan Schulmeister:
    „Bei der Eurokrise ist die Sache deshalb schwieriger, weil die Krise relativ langsam die Spaltung Europas vertieft, relativ langsam die Arbeitslosigkeit weiter steigen lässt, also eine Art Strangulierungskrise ist, und aus solchen Krisen ist schwerer zu lernen, als aus Keulenschlagkrisen.
    […]
    Der Unterschied zu heute liegt auf der Hand. Machen wir ein Gedankenexperiment: Sagen wir, die Verschlechterung der sozialen und ökonomischen Lage, die seit den 1970er Jahren, also über vierzig Jahre, eingetreten ist – bedenken wir nur die Lebens- und Entfaltungschancen junger Menschen vor vierzig Jahren und heute – und stellen wir uns vor, diese Verschlechterung der Situation wäre nicht verteilt über einen Zeitraum von vier Jahrzehnten, also ganz langsam, strangulierungsmäßig passiert, sondern keulenschlagmäßig innerhalb von drei Jahren. Dann wäre natürlich auch die politische Reaktion, die Debatte eine völlig andere.“

    http://www.wirtschaftundgesellschaft.de/2012/08/„es-besteht-die-gefahr-von-wirtschaftskriegen-“-im-gesprach-mit-stephan-schulmeister/

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