„Warum sich die Deutschen verschulden sollten“

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Dieser Kommentar erschien bei Cicero.de:

Die Deutschen sparen falsch und sind schlechte Anleger. Statt an der „Schwarzen Null“ festzuhalten, sollte der Staat Schulden machen und in die eigene Infrastruktur investieren. Denn heutzutage sollte man lieber Schuldner als Gläubiger sein.

Mittlerweile sollte jedem vernünftigen Beobachter klar sein, dass die Akteure der Geldpolitik tatsächlich zu allem entschlossen sind: Die Banken leihen sich das Geld zum Nulltarif, wenn sie es an andere ausleihen, bekommen sie eine Prämie, und wenn sie es bei der EZB deponieren wollen, müssen sie fast ein halbes Prozent Strafzinsen zahlen. Bislang Undenkbares ist möglich – und doch wird es nicht helfen! Das viele Geld kommt in der Realwirtschaft nicht an, weil niemand investieren will.

Warum ist das so? Die Unternehmen haben gute Gründe für ihre Zurückhaltung: Überkapazitäten, keine bahn­brechenden Neuerungen, perspektivisch weniger Nachfrage (Demografie), politische Unsicherheit.

Auch die privaten Sparer handeln für sich gesehen vernünftig, schließlich müssen sie ja immer mehr für ihr Alter zurücklegen, weil sie fast keine Zinsen mehr bekommen. Insgesamt haben alle Haushalte zusammen netto eine Summe von 4,8 Prozent des BIP gespart. (Quelle: Statistisches Bundesamt 2015)

Deutsche Anleger versagen
So sehr sich die deutschen Sparer aber anstrengen – als Anleger scheinen sie zu versagen, wie einschlägige Studien und Statistiken immer wieder belegen. Obwohl sie mehr zurücklegen als ihre europäischen Nachbarn, sind sie deutlich ärmer als der Durchschnitt der Bürger in der Eurozone.

Dahinter stehen natürlich die Folgen von zwei verlorenen Weltkriegen. Gravierende Unterschiede im Spar- und Anlageverhalten legen nahe, dass auch dieser Faktor dabei eine Rolle spielt. Sparbuch, Staatsanleihen und Lebens­­versicherungen sind nun einmal eine Garantie für maue Renditen. Unsere europäischen Nachbarn hingegen haben einen weitaus größeren Anteil ihrer Ersparnisse in Immobilien angelegt, und auch das Finanzvermögen liegt in der Eurozone, bezogen auf das verfügbare Einkommen, nur in der Slowakei, Slowenien und Griechenland unter dem hiesigen Niveau. Doch es ist nicht nur diese individuelle Fehlleistung der Bundesbürger, die dazu führt, dass Ersparnisse nichts bringen. Es ist die fehlgeleitete Wirtschaftspolitik, die zudem medial so gefeiert wird, dass wir uns an unseren Erfolgen berauschen, ohne zu realisieren, dass es keine sind.

Wir exportieren Waren und Ersparnisse
Denn was für jeden Bürger gilt, gilt auch für die ganze Volkswirtschaft. Um das zu erklären, nehmen wir einmal an, es gäbe keinen Außenhandel. In diesem Fall besteht die Volkswirtschaft aus den privaten Haushalten, den Unternehmen und dem Staat. Jeder dieser Sektoren kann sparen oder Schulden machen beziehungsweise Eigenkapital erhöhen. Die Summe der Finanzierungssalden der drei Sektoren ist per Definition null. Sparen die privaten Haushalte, was normalerweise der Fall ist, haben die Unternehmen üblicherweise ein Defizit, weil sie investieren und dabei auf die Finanzierung durch die privaten Ersparnisse angewiesen sind. Das, was die Unternehmen nicht brauchen, leiht sich dann der Staat. Sparen die Haushalte mehr als Unternehmen und Staat sich leihen wollen, kommt es zu einer Rezession und die Angleichung erfolgt über sinkende Einkommen und Ersparnis oder höhere Staatsdefizite. Es ist in einer geschlossenen Volkswirtschaft, also einer Welt ohne Außenhandel, nicht möglich, „zu viel“ zu sparen. Es kommt zu einem Ausgleich.

Anders ist das in Theorie und Praxis, wenn man als weiteren Sektor das Ausland mit einführt. So kann es sein, dass ein Land Ersparnisse aus dem Ausland importiert oder eigene Ersparnisse exportiert. Die Summe der Finanzierungs­salden der nun vier Sektoren – private Haushalte, Unternehmen, Staat und Ausland – ist allerdings auch hier zwingend null. Wichtig ist zudem zu wissen, dass ein Nettokapitalimport aus dem Ausland zwangsläufig ein genauso großes Handelsdefizit bedeutet und umgekehrt ein Handelsüberschuss immer auch einen Nettokapitalexport in gleicher Höhe bedingt.

Wäre Deutschland eine geschlossene Volkswirtschaft, befänden wir uns in einer schweren Krise. Es würde massiv Nachfrage, immerhin im Volumen von 8,6 Prozent des BIP, fehlen, weil wir alle sparen. Doch von Krise ist keine Spur! Das verdanken wir dem Ausland, wohin wir unsere überschüssigen Ersparnisse von 8,6 Prozent vom BIP exportiert haben. Dies bedeutet aber zugleich, dass das Ausland im Volumen von 8,6 Prozent des deutschen BIP mehr Waren aus Deutschland kauft als nach Deutschland exportiert. Der Titel des Exportweltmeisters gilt folglich für Waren und für Ersparnisse gleichermaßen.

Da wir seit Jahren Handelsüberschüsse aufweisen, exportieren wir auch seit Jahren Kapital in erheblichem Maße ins Ausland. Theoretisch bauen wir damit Vermögen auf, welches wir zu einem späteren Zeitpunkt, zum Beispiel, wenn die Folgen des demografischen Wandels eintreten, verkaufen können, um dann unseren Lebensstandard zu erhalten. Wir hätten dann ein Handelsdefizit und würden mehr importieren als exportieren.

Das Problem ist jedoch, dass wir das Geld im Ausland nicht unbedingt gut investieren. Die Summe der Außenhandelsüberschüsse der letzten Jahre ist nämlich höher als der Zuwachs an Auslandsvermögen. Alleine in der Subprime-Krise von 2008 haben wir nach Berechnungen des DIW rund 400 Milliarden Euro verloren, was den Handelsüberschüssen von mehreren Jahren entspricht.

Heute stecken unsere Ersparnisse überwiegend in Forderungen an Staaten und Private in anderen Ländern. Zum Teil werden die Forderungen über die Bundesbank gehalten, in Form der mittlerweile allgemein bekannten Target-Salden im Volumen von derzeit 605 Milliarden Euro. Überwiegend sind es jedoch Forderungen, die Banken und Versicherungen halten.

Der Gläubiger ist der Verlierer
Damit sind wir beim Problem: In einer Welt, die sich immer mehr dem Zustand der Überschuldung nähert, ist es keine gute Idee, Gläubiger zu sein. Im permanenten Krisenmodus der aktuellen Wirtschafts- und Geldpolitik geht es nur noch darum, eine Entwertung der Schulden und damit der Forderungen zu erzielen. Nur dazu dienen Bargeldverbot, Negativzins und perspektivisch Helikopter-Geld. Kommen diese Maßnahmen nicht oder zu spät, stehen Schuldenschnitte und Pleiten auf der Agenda. Egal wie es kommt, die Ersparnisse werden darunter leiden.

Natürlich wäre es vernünftig, wenn wir unsere Auslandsvermögen besser anlegen würden, wie das Länder mit Staatsfonds wie Singapur und Norwegen tun. Auch die Bundesbank könnte wie die Schweizer Kollegen in Aktien investieren, statt an zweifelhaften Staatspapieren mit mauen Renditen festzuhalten. Realistisch ist ein solcher Strategiewandel jedoch nicht.

Der Staat muss wieder Schulden machen
Allemal besser wäre es, das Geld in Deutschland auszugeben. So kommt der dritte Akteur, der Staat, ins Spiel. Auch er hat einen positiven Finanzierungssaldo in Höhe von 0,6 Prozent des BIP – die berühmte „Schwarze Null“. Was treue Leser meiner Texte wohl kaum vermuten werden: Ich plädiere dafür, dass dieser Saldo wieder negativ wird, der Staat also mehr Schulden macht. Schon richtig: Gerade die Staatsverschuldung ist die Ursache der Eurokrise. Selbst das Bundesfinanzministerium berechnet die ungedeckten Verbindlichkeiten des deutschen Staates bei einem Mehrfachen des BIP und hält sie für nicht zukunftsfest.

Doch wenn unser Sparen dazu führt, dass wir dem Ausland Kredite gewähren, welche dann nicht bedient werden, dann ist es allemal besser, das Geld für eine deutsche Autobahn auszugeben als für eine spanische. Mit guter Infrastruktur in die Pleite zu fahren ist nun mal angenehmer als mit schlechter.

Eine Portion Zynismus scheint angebracht. Wenn die Reise ohnehin in Richtung der groß angelegten Monetarisierung von Staatsschulden über die Notenbankbilanzen, verbunden mit der direkten Finanzierung von Konjunkturprogrammen geht, ist derjenige der Dumme, der weiter auf die alten Tugenden setzt und nicht mitspielt. Lasst uns deshalb lieber das Geld im Inland investieren, als an das Ausland zu verschenken. Schluss mit dem Irrsinn der Doppel-Null. Zumindest so lange, bis wir einen echten Staatsfonds haben, der intelligent global investiert.

Cicero.de: „Warum sich die Deutschen verschulden sollten“, 30. Mai 2016

30 Antworten
  1. Katalin says:

    Hallo,

    wie man die Krise lösen kann, habe kluge Köpfe schon vor Jahren klar beschrieben, dann klappt es auch wieder mit den Zinsen für die dt. Sparer;

    hier; http://blog.bazonline.ch/nevermindthemarkets/index.php/tag/immobilienkrise/page/2/

    Es handelt sich um Massnahmen der folgenden Art:

    Quantitative Easing – Käufe von langfristigen Anlagen (Staatsanleihen oder verbrieften Hypotheken) zur direkten Beeinflussung der Langfristzinsen. In gewöhnlichen Zeiten wirkt sich der Leitzins – stets ein Kurzfristzins – indirekt auch auf die Langfristzinsen aus.

    Ein Erwartungsmanagement, dass die Erwartung einer leicht höheren Inflation schürt. Eine höhere Inflationserwartung senkt die Realzinsen.

    Statt an einem Inflationsziel sollen sich Zentralbanken an einem Ziel für das nominelle Bruttoinlandprodukt (BIP) ausrichten, das sich aus dem realen BIP und der Inflation zusammensetzt. Damit berücksichtigen Notenbanken sowohl, dass die Inflation nicht überhand nimmt, aber auch die Wirtschaft sich erholt, ausserdem ist damit ebenfalls ein Erwartungsmanagement verbunden.

    Weil Geldpolitik in dieser Lage (Liquiditätsfalle) wenig Wirkung zeigt, ist eine aktive Fiskalpolitik das Instrument der Stunde, aber nur in dieser Lage.

    Diese Punkte kann man in einem Wort zusammenfassen – Entschuldung. Dafür müssen aber die, die für die Verschuldung mitverantwortlich sind – Die Gläubiger – sich an den Kosten/Verlusten beteiligen. Solange dies kathegorisch abegelehnt wird, wie im Falle des dt. Großkapitals (das am meisten von der Verschuldung profitiert hat, in Form von
    1. Lohnzurückhaltung Innland
    2. Kreditzunahme Ausland.
    kann man die Krise nicht lösen.

    Diese Leute wollen aber 0% der Kosten tragen bei der Entschuldung, und lehnen alle möglichen Lösungsvorschläge ab;
    – Keine Inflation
    – Kein Schuldenerlass, es sei den es betrifft das Ausländ. Kapital, wie im Falle Zypern gesehen.
    – Keine Steueurerhöhungen

    Sie verhindern damit das Wachstum und machen die EZB für die 0% Zinsen verantwortlich.

    Unglaublich.

    Gruß

    Antworten
  2. Matt says:

    „Wichtig ist zudem zu wissen, dass ein Nettokapitalimport aus dem Ausland zwangsläufig ein genauso großes Handelsdefizit bedeutet und umgekehrt ein Handelsüberschuss immer auch einen Nettokapitalexport in gleicher Höhe bedingt.“

    Ich verstehe diesen Zusammenhang nicht. Wenn man folgendes einfache Szenario betrachtet:
    China und USA haben nur eine einzige Transaktion in 2016: China exportiert 1 Mio. Fernseher im Wert von 1 Mrd. USD in die USA.
    Also haben die USA ein Handelsbilanzdefizit von 1 Mrd USD mit China. Aber wieso hat China gleichzeitig Kapital exportiert (Fernseher sind kein Kapital sondern Gebrauchsgüter)? Die 1 Mrd. USD sind vermutlich auf einem US-Konto gutgeschrieben worden, aber die chinesische Firma (die die Fernseher verkauft hat) könnte sich diesen Betrag in Bargeld auszahlen lassen und nach China einführen.

    Über eine Erklärung würde ich mich freuen.

    Antworten
  3. Dietmar Tischer says:

    Herr Dr. Stelter, sie stellen die Alternative auf:

    Lasst uns deshalb lieber das Geld im Inland investieren, als an das Ausland zu verschenken.

    Sie erscheint INTUITIV zwingend zu sein – ist aber so RISIKOBEHAFTET, dass sie zumindest in der vereinfachenden Radikalität, die ihr innewohnt, abgelehnt werden muss.

    Erstens einmal:

    Die Alternative ist nicht eine zwischen investieren und verschenken, sondern eine zwischen investieren im Inland und Investieren im Ausland.

    Zweitens:

    Der Staat kann sich nicht zu SEHR verschulden, auch wenn er verglichen mit anderen Staaten relativ gering verschuldet ist, und wenn die Verschuldung z. Z. praktisch ohne Zinsbelastungen erfolgen kann.

    Der Staat braucht Finanzierungsspielräume, d. h. muss IMMER die Möglichkeit zur Verschuldung haben, wenn z. B. externe Schocks wie Naturkatastrophen, Epidemien und anderes geschieht. Deshalb kann er sich nur KONTROLLIERT verschulden und nicht in dem Maß, wie es sich aus der Umleitung der Ersparnisse aus dem Ausland ins Inland ergibt.

    Drittens:

    Was ist mit unseren Exporten, wenn den Ausländern nicht mehr unsere Ersparnisse zufließen? Vielleicht haben wir dann so viele Arbeitslose, dass ein großer Teil der umgeleiteten Ersparnisse nicht investiert werden kann, sondern für Sozialleistungen ausgegeben werden muss.

    Aber gut, ihre PRÄMISSE und die Folgerung daraus ist ja eine andere:

    Es geht sowieso alles den Bach runter, vor allem für die Gläubiger. Dann lasst uns Schuldner werden, um bei den relativen Gewinnern zu sein. Wenn das Spiel aus ist – nicht nur für die Gläubiger, sondern auch für die Schuldner (es gibt keine wirklichen Gewinner) –, dann haben wir mit einer intakten Infrastruktur nach dem Restart wenigstens eine gute Ausgangsposition.

    Ich würde auf Basis Ihrer Prämisse allerdings anders schlussfolgern, nämlich so:

    Wenn sowieso alles den Bach runtergeht, dann sollte sich JEDER so sehr verschulden wie es ihm möglich ist und in Saus und Braus leben. Wen interessieren Investitionen, wenn das Spiel aus ist? Man muss dann nur noch überlegen, wie man in die Schweiz gelangt und sich dort den Cocktail reichen lässt.

    Antworten
  4. Katalin says:

    Hallo,

    „Die Summe der Finanzierungssalden der drei Sektoren ist per Definition null. Sparen die privaten Haushalte, was normalerweise der Fall ist, haben die Unternehmen üblicherweise ein Defizit, weil sie investieren und dabei auf die Finanzierung durch die privaten Ersparnisse angewiesen sind.“

    Sie haben bisher immer wieder behauptet, dass die Unternehmen oder Haushalte nicht auf die Ersparnisse der Haushalte angewiesen sind, da Banken durch Giralgeldschöpfung quasi Geld aus dem Nicht schöpfen können und so auch Kredite schöpfen, d.h. letztendlich Kaufkraft. Warum behaupten sie es hier anders dargestellt.

    Danke für Ihre Antwort

    Antworten
    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter says:

      Ah, das mache ich nicht. Natürlich brauchen Banken keine Ersparnisse, um Kredite zu vergeben. Aber rein bilanziell betrachtet, ist die Summe der Ersparnisse immer null. Wenn eine Bank neues Geld schafft und einen Kredit vergibt, führt dies nachher zu Ersparnis bei dem Empfänger des Gelds, zum Beispiel dem Verkäufer des auf Kredit gekauften Autos. Es ist also kein Widerspruch.

      Antworten
  5. Katalin says:

    Hallo,

    „. Obwohl sie mehr zurücklegen als ihre europäischen Nachbarn, sind sie deutlich ärmer als der Durchschnitt der Bürger in der Eurozone“

    Wen man mit realitätsfremden Annahmen arbeitet, auf die man übrigens in vielen Gebieten der VWL trifft, kann man mit viel Phantasie diese Behauptung aufstellen, die aber nicht stimmt und das wissen auch die Leute bei der ING, die sie aufgstellt haben. Die Leserschaft von Cicero (gehobener Mittelstand und teilweise Bezieher vom leistugslosem Einkommen wie Journalisten oder Philosphen) will das aber genauso hören, denn dann kann Sie weiter auf die süderop. Rentnern und Studenten schimpfen. Es stellt sich aber Frage, was diese falsch gemacht haben sollen , da sie wenigstens im Fall vom Studenten zum Zeitpunkt am Ausbruch der Krise nicht mal voll Geschäftsfähig waren und im Falle der Rentner durch massive Rentenkürzungen zum Teil DE+FR Banken gerettet haben.

    In dem Satz steht aber sowohl die wahre Ursache der Eurokrise als auch deren Lösung.
    – der Euro -. Die hohen Bewertungen vom Vermögen im Süden lassen sich nur durch den Euro erklären, denn würde man man den Euro auflösen, würde das angebliche hohe Vermögen in Südeuropa wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrechen. Dies ist aber nicht gewollt, da das Leben auf Pump im Süden (die Schuldenexplosion durch Kreditausweitung) nur durch steigenden Vermögenspreise der Vergangenheit möglich wurde. (und damit durch weitere Kredite). Euroauflösung würde zu massiven Währungsturbulenzen führen und die bisherige Währungsmanipulation im Form des Euro zum Vorteil der dt. Industrie (und Nachteil der dt. AN und letzendlich auch der Sparer) beenden und wir würden wieder zum dem Grundsatz Risko und Haftung zurückkehren, was wiederrum eine Umverteilung von oben nach unten (der dt. AN würde durch die Aufwertung am meisten profitieren durch gestiege Kaufkraft) in der BRD bedeuten würde.

    Illusorisch.

    Gruß

    Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        Aus Ihrer längeren Version:

        >Einem ähnlichen Trugschluss unterliegt Herr Schäuble (und mit ihm viele andere), wenn er für sich/uns alle die schwarze Null proklamiert. Dahinter steckt letztlich die schwäbische Hausfrauenlogik, dass wir nur alle Sparen müssen, damit wieder alles gut wird. Sparen heißt in der Logik von Herrn Schäuble, dass wir alle weniger ausgeben sollen.>

        Mit welcher Logik kommen Sie von der „schwarzen Null“, also einem ausgeglichenen Haushalt des Bundes zu der Schlussfolgerung, dass wir ALLE weniger ausgeben sollen?

        >Die schwarze Null ist in der aktuellen Situation durch nichts zu rechtfertigen.>

        NICHTS – das ist falsch.

        Es gibt gute ökonomische Begründungen dafür – und damit ist sie gerechtfertigt.

        Es gibt auch gute ökonomische Begründungen dagegen.

        Die machen die guten dafür nicht obsolet.

        Ja, wir MÜSSEN mehr investieren.

        Aber das muss über weniger Konsum gehen. Das wäre machbar, wenn man den heute „Alten“ – Median der letzten Bundestagswahl war über 50 Jahre – nicht dauernd Zucker in den ….

        DAS ist das wirkliche PROBLEM und nicht eine vermeintlich zu geringe Verschuldung des Staats.

        WEIL sich das Problem aber ohne Machtverlust nicht lösen lässt, wird mit einer verschleierten Keynesianische Verschuldungslogik herumgefuchtelt.

      • Michael Stöcker says:

        „Mit welcher Logik kommen Sie von der „schwarzen Null“, also einem ausgeglichenen Haushalt des Bundes zu der Schlussfolgerung, dass wir ALLE weniger ausgeben sollen?“

        Wir ALLE sind der Staat. Nur so habe ich es gemeint. Daraus kann und sollte keinesfalls auf das individuelle Ausgabeverhalten geschlossen werden.

        „Es gibt gute ökonomische Begründungen dafür – und damit ist sie gerechtfertigt.“
        Sie wäre nur dann gerechtfertigt, wenn wir die cash-rich höher besteuern würden. Gestern hatten Sie diese Möglichkeit aber negiert:

        „Höhere Besteuerung des Unternehmenssektors vertreibt ihn – die Investitionen werden woanders getätigt. Steuerwettbewerb ist WETTBEWERB, auch wenn ihn Staaten austragen.“

        Was sind nun also die guten ökonomischen Begründungen?

        LG Michael Stöcker

  6. Katalin says:

    Hallo,

    „Schon richtig: Gerade die Staatsverschuldung ist die Ursache der Eurokrise!“

    Diese Behauptung ist leider falsch, siehe hier;

    http://www.handelsblatt.com/politik/international/eurokrise-merkels-gegner-und-wie-sie-die-welt-sehen/6146938.html

    http://www.fuw.ch/article/nmtm-das-monster-lebt/

    Die Eurokrise ist durch das Versagen der Filiale der dt. BUBA, d.h. durch das Versagen der EZB entstanden. Diese war nicht bereit oder sie durfte nicht, auf wessen Wunsch oder Befehl wohl, das tun wofür eine ZB da ist, nämlich für die Liquiditätsversorgung der Banken im ganzem Währungsgebiet zu garantieren und damit Zahlungsfähigkeit der Euro Staaten zu sorgen.

    hier; https://makroskop.eu/2016/05/draghis-kampf-gegen-die-marktfundamentalisten/

    Gruß

    Antworten
  7. Dietmar Tischer says:

    @ Michael Stöcker

    o.k. wenn Sie es mit dem Sparen anders gemeint haben.

    Aber dann sollten Sie Schäuble nicht irgendeine Logik unterschieben, die das nicht deckt, was Sie meinen.

    Wenn Sie nun sagen, dass schwarze Null doch zu rechtfertigen ist, nämlich durch höhere Besteuerung der cash-rich, dann ist das auch eine andere Aussage als die, die Sie mit dem „durch nichts zu rechtfertigen“ Ihrer Blogmeinung vertreten.

    Die Möglichkeit ist praktisch ausgeschlossen, solange in der Welt Steuerwettbewerb herrscht. Das war gestern richtig und ist auch heute richtig.

    Die eine gute ökonomische Begründung ist die, dass der Staat Handlungsspielräume braucht, die bei nicht geringer bestehender Verschuldung mit noch mehr Verschuldung eingeengt oder gar eliminiert werden. Wir haben ja gesehen, wie nach der Lehman-Krise, deren Folgen mit weiterer Staatsverschuldung bekämpft wurden, Staaten reihenweise in Schwierigkeiten kamen.

    Man kann diese Begründung natürlich einer Bewertung unterwerfen und zu der Meinung gelangen, dass wir viel zu viel fiskalischen Spielraum haben, um an der schwarzen Null festhalten zu müssen. Das relativiert obige Begründung, entwertet sie aber nicht als Begründung.

    Eine weitere Begründung basiert auf der Auffassung, dass gesellschaftliche Konflikte nicht durch einen Quasi-Automatismus der Staatsverschuldung gelöst werden sollten. Sie wissen gut genug, wozu ein falsch verstandener Keynes geführt hat – zu einer Gesamtverschuldung, die wie Blei auf der Wirtschaft lastet. Wenn die privaten Haushalte und Unternehmen nicht genügend Nachfrage generieren, kann man nicht einfach fordern, dass dies kompensierend der Staat mehr nachfragen soll – mit nochmals HÖHERER Gesamtverschuldung. Auch mit dem Verweis auf erforderliche Investitionen kann man dies nicht fordern.

    Genau das ist die zentrale These von bto. und auch die Empirie, die wir erleben:

    Mit mehr Verschuldung ist allenfalls Zeit zu verlieren, aber nicht zu gewinnen, jedenfalls nicht in der Situation, in der wir sind.

    Antworten
    • Michael Stöcker says:

      Mit produktiver Verschuldung gewinne ich nicht nur die Zeit, sondern verhindere auch das Hysterese/Superhysterese-Problem (http://blogs.faz.net/fazit/2015/11/17/das-schreckenswort-heisst-superhysterese-6913/). Wir können natürlich auch die Hände in den Schoß legen und die Schwarze Madonna/Null anbeten. Dann vererben wir unseren Kindern, Enkeln und Urenkeln nicht nur eine marode Infrastruktur sondern auch die Unfähigkeit, solche Defizite zu beseitigen. Dümmer geht’s nimmer. Mit produktiven Investitionen ist IMMER Zeit zu gewinnen; auch in der Situation, in der wir sind. Korrespondierende Forderungen und Verbindlichkeiten können immer mit einem Federstrich auf dem Papier gestrichen werden; Brücken und exzellent ausgebildete Menschen hingegen sind eine langfristige Aufgabe.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        Sie verkennen meine Argumentation:

        Ich habe nicht „Hände in den Schoß legen“ gesagt, sondern im Gegenteil zugestimmt, dass wir investieren müssen.

        Ich habe allerdings auch gesagt, dass dies nicht mit einem Verschuldungsautomatismus geschehen kann – jedenfalls dann nicht, wenn die Verschuldung bereits hoch ist –, sondern durch Konsumverzicht zu erfolgen habe.

        Sie setzten Investieren mit VERSCHULDEN gleich, genauer:

        PRODUKTIVES Investieren ist GERECHTFERTIGES Verschulden für Sie.

        Das gilt, wenn Unterbeschäftigung herrscht und der Staat nicht bereits zu hoch verschuldet ist.

        Liegt keine Unterbeschäftigung vor und ist der Staat bereits hoch verschuldet, ist zumindest abzuwägen.

        „Dümmer geht’s nimmer“ ist völlig daneben.

      • Michael Stöcker says:

        Lieber Herr Tischer,

        meine Aussage bezog sich nicht auf Ihre Argumentation, sondern auf die wirtschaftspolitische Realität in Europa. Bei meiner Aussage bleibe ich; insbesondere auch aus deutscher Sicht: Dümmer geht’s nimmer. Den Politikern reinen Wein einzuschenken ist allerdings einfacher, als dem sedierten Volk: http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/index.php/39784/der-iwf-relativiert-den-neoliberalismus/.

        Zu Ihrer Konsumverzichtsthese: Aus deutscher Sicht benötigen wir keinesfalls Konsumverzicht, da wir zum einen immer noch unterhalb unseres Produktionspotentials wirtschaften und zum anderen noch viel Spielraum haben, die Exportlastigkeit zugunsten inländischer Investitionen zu reduzieren.

        Wenn wir allerdings unsere Jugend in Europa einem asozialen Deprivationsprozess unterziehen, dann müssen aufgrund des Hystereseeffekts wohl oder übel in Zukunft die meisten von uns Konsumverzicht üben. Ich verweise hier auf die pointierte Analyse von Dieter Wermuth:

        „Vielmehr halte ich Herrn Schäuble, als Finanzminister der größten europäischen Volkswirtschaft, für mitverantwortlich, und zwar nicht nur ein bisschen, für die Null bei der Inflation und den Sparzinsen. Er hat, in seinem Stolz auf die schwarze Null, jahrelang eine unnötig restriktive Finanzpolitik betrieben und damit verhindert, dass sich im Euroraum die Lücke zwischen BIP und Produktionspotenzial schloss oder die Arbeitslosigkeit nachhaltig zurückging. Den großen finanzpolitischen Spielraum unseres Landes hat er zulasten der Nachbarländer, aber auch unserer künftigen Generationen einfach nicht genutzt.“ http://blog.zeit.de/herdentrieb/2016/04/11/schauble-will-hohere-leitzinsen_9472

        „Liegt keine Unterbeschäftigung vor und ist der Staat bereits hoch verschuldet, ist zumindest abzuwägen.“

        Das sehe ich genauso. Allerdings: Welches Land in Euroland ist in einer solchen Situation?

        LG Michael Stöcker

  8. Clemens says:

    Herr Stelter, vielen Dank für Ihre Intelligenten Kommentare. Ich habe eine Frage bezüglich der Gleichung der Ersparniss, Investitionen und Exporte. In Ihren anderen Beiträgen prangern Sie die Geldschöpfung der Banken aus dem Nichts an. Wieso muss die Gleichung dann überhaupt immer ausgeglichen sein, wenn die Banken aus dem Nichts Geld erschaffen können? Danke. Clemens

    Antworten
    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter says:

      Das ist durchaus konsistent, denn sobald Banken Kredit geben = Geld schaffen, entstehen bei anderen Einnahmen (der Kreditnehmer gibt das Geld ja aus) damit wieder Ersparnisse. Hier wird im Ausland Geld geschaffen und dazu verwendet, bei uns was zu kaufen, wofür wir im Gegenzug im Ausland geschaffenes Geld als Forderungen aufbauen. So geht die Gleichung dann immer auf. Es ist halt das Ergebnis der relativen Verschuldung und der Verwendung der Mittel. Würden wir die Forderungen im Inland verwenden, würden wir per Definition mehr importieren und so würde sich beides ausgleichen. Hilfreich? LG DSt

      Antworten
      • Clemens says:

        Vielen Dank für die schnelle Antwort. So ganz klar ist es mir leider noch nicht. Wenn ich spare und 100 € der Bank gebe, die dann 900 € „aus dem Nichts“ schöpft und diese als Kredit verleiht, den wer anders wiederum zum Konsum nutzt, dann wurde doch weder gespart noch investiert. Import/Export und Staat sehe ich ebenfalls nicht berührt. Oder wo liegt mein Denkfehler?

      • Daniel Stelter
        Daniel Stelter says:

        Gar kein Denkfehler. Die Ausgabe der 900 führt woanders zu Einkommen, welches wiederum zu Konsum und zum Sparen führt. Natürlich kann der erste Empfänger des Geldes auch alles konsumieren, doch irgendwann wird jemand sparen. Konkret erfolgt die Verschuldung jedoch im Ausland und mit dem neu geschaffenen Geld (also den 800) wird dann bei uns eingekauft und wir legen uns die 800 – bildlich gesprochen – unter das Kopfkissen.

      • Rob says:

        „Hier wird im Ausland Geld geschaffen und dazu verwendet bei uns was zu kaufen, wofür wir im Gegenzug im Ausland geschaffenes Geld als Forderungen aufbauen.“

        Mit dieser Vorstellung tue ich mich wirklich schwer. Dass Giralgeld in einem Währungsraum geschaffen wird, leuchtet mir noch ein. Aber in einer anderen Währung? Da hege ich doch eher die Vorstellung, dass Ersparnisse hierzulande an das Ausland „klassisch“ ausgeliehen werden, und dass damit in Deutschland eingekauft wird.

        Wie soll das funktionieren, dass meinetwegen englische Pfund zwecks Einkäufen in Deutschland geschöpft werden?
        Erstens ist es so, dass diese Pfunde in Euro getauscht werden müssen, und hier eben ggf. instabile Pfunde „herumliegen“; Die Menge wäre ziemlich begrenzt.
        Zweitens: sind die entsprechende Einlagen zu den Krediten dann ins Ausland (also in D.). Die Kreditgeldschöpfung könnte nur weitergehen, wenn zu jeder Zeit genügend Einlagen in die Bilanz dieser – in diesem Beispiel – britischen Banken ausgewiesen sind.

      • Clemens says:

        „Natürlich kann der erste Empfänger des Geldes auch alles konsumieren, doch irgendwann wird jemand sparen.“
        Nach dieser Argumentation, könnte man den Gedankengang ja auch auf die Investitionen übertragen und endlos fortsetzen. Wer investiert, kauft ja auch Anlagegüter oder ähnliches, welches bei wem anders wiederum zu Einnahmen führt. Solange es ausgegeben wird, führt es also immer zu Einnahmen bei anderen und der Kreis endet nur, wenn man es spart. Aber dann müssten es ja 100% Sparen sein. Ich weiß, wir sind hier nicht in einer Makroökonomievorlesung, aber der Schnitt zwischen Investition, Konsum und Sparen scheint doch etwas willkürlich, oder nicht?

      • Michael Stöcker says:

        Wird in der investiven Expansionsphase zu wenig gespart (Löhne müssen schon heute gezahlt werden, das höhere Produktionspotenzial mit höheren Konsummöglichkeiten gibt es aber erst morgen), dann kommt es zu verstärkter Inflation, da ein temporär konstantes Warenangebot auf eine höhere Nachfrage trifft. Davon kann allerdings schon seit längerem keine Rede mehr sein, da nicht nur die Investitionstätigkeit (http://www.querschuesse.de/wp-content/uploads/2014/10/A520.jpg oder etwas ausführlicher hier auf Seite 11 ff. https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/VolkswirtschaftlicheGesamtrechnungen/Inlandsprodukt/InvestitionenPDF_5811108.pdf?__blob=publicationFile), sondern insbesondere auch die Lohnentwicklung in den letzten 30 Jahren eher stagnierte. Stattdessen sparten dann nicht nur die Haushalte, sondern eben auch die Unternehmen. Verkehrte Welt: https://makroskop.eu/2015/12/sektorale-salden-und-der-kredit-der-banken/. In einer gesunden Volkswirtschaft verschulden sich insbesondere die Unternehmen, aber auch der Staat für investive Zwecke (Straßen, Brücken etc.), und die Haushalte halten die Ersparnisse. Der Außenbeitrag sollte im Zeitablauf um den Nullpunkt schwanken (außenwirtschaftliches Gleichgewicht nach § 1 StabG: http://www.gesetze-im-internet.de/stabg/__1.html).

        LG Michael Stöcker

      • Rob says:

        @ Clemens

        Ich meine, Sie machen bei diesem 100% Sparen einen gedanklichen Fehler. Auch wenn es so scheint, dass alles Geld irgendwann auf einem dauerhaften Konto landet, so ist das natürlich pro Zeitabschnitt eine bestimmte Menge. In einem solchen – willkürlich gewählten – Zeitraum finden natürlich auch ganz normal Transaktionen statt: Ausgaben und Einnahmen. Ich glaube, dass man das Verhältnis Sparquote nennt.

        Tatsache ist in jedem Fall: die Banken werden tendenziell eher neue Kredite vergeben, wenn es längerfristig gebundene Einlagen gibt. Daraus ergibt sich der Sinn des klassischen Sparens, auch wenn es wahr ist, dass die Banken für die reine Kreditvergabe als Akt nicht auf Ersparnisse angewiesen sind.
        Nur für den Fall, dass wir es auf der Welt mit einem „Einbanksystem“ zu tun hätten, macht es wirklich keinen Unterschied, ob Gelder längerfristig geparkt wären oder nicht. Diese Einbank hat per Definitionem alle kreditgeschöpfte Gelder auf der Einlagenseite.

  9. Dietmar Tischer says:

    @ Michael Stöcker

    >Zu Ihrer Konsumverzichtsthese: Aus deutscher Sicht benötigen wir keinesfalls Konsumverzicht, da wir zum einen immer noch unterhalb unseres Produktionspotentials wirtschaften und zum anderen noch viel Spielraum haben, die Exportlastigkeit zugunsten inländischer Investitionen zu reduzieren.>

    Diese Begründung ist nicht haltbar, um nicht zu sagen abenteuerlich.

    Denn wenn Sie akzeptabel wäre, könnte der Staat Schulden machen bis das Produktionspotenzial ausgeschöpft ist – egal, ob er dann pleite ist oder nicht.

    Unabhängig vom Sachverhalt bei uns sind zu viele diesen Weg gegangen und damit an die Wand gefahren OHNE das Produktionspotenzial auszuschöpfen. Vielmehr haben sie damit verhindert, dass es ausgeschöpft werden kann.

    Ich will die Auseinandersetzung mit D. Wermuth nicht hierher tragen. Deshalb nur so viel dazu:

    Babendiek und ich haben im Herdentrieb darauf hingewiesen, dass die vermeintliche Lücke im Produktionspotenzial nur deshalb existiert, weil man das Produktionspotential der Vergangenheit einfach extrapoliert hat in unsere Zeit. Daraus wird dann die Forderung an die Fiskalpolitik abgeleitet.

    Statt solcher „Lücken“ zu konstruieren, sollte überlegt werden, wie das Produktionspotenzial – so groß es auch immer sei – angebotsseitig ausgeschöpft werden kann. Die Erkenntnisse und Schlussfolgerungen daraus sind vermutlich schmerzhaft und auch nicht durchsetzbar – Mindestlohn ade. Ich bin aber sicher, dass das Produktionspotenzial so ausgeschöpft werden könnte.
    >„Liegt keine Unterbeschäftigung vor und ist der Staat bereits hoch verschuldet, ist zumindest abzuwägen.“

    Das sehe ich genauso. Allerdings: Welches Land in Euroland ist in einer solchen Situation?>

    Die Frage ist doch nicht ihr Ernst.

    Schauen Sie sich einfach mal in Europa um und sagen Sie mir dann, dass KEIN Land in Eurozone zu hoch verschuldet ist.

    Übrigens:

    Ich bin nicht prinzipiell gegen Verschuldung des Staates. Die muss es geben. DAMIT es sie geben kann ohne staatliche Verschuldungskrisen mit unübersehbaren Folgen, darf Staatsverschuldung NICHT als REGULÄRES Verfahren gelten, das sozusagen als methodischer Automatismus zur Minderung oder Lösung realwirtschaftlicher Problem eingesetzt wird.

    Antworten
    • Michael Stöcker says:

      @ DT
      „Diese Begründung ist nicht haltbar, um nicht zu sagen abenteuerlich.“

      Folgen Sie mir ins makroökonomische Abenteuerland.

      Wir müssen schon alle Aggregate im Auge behalten und nicht stoisch auf den Schuldenturm starren. Denn wo es einen Schuldenturm gibt, da gibt es auch häufig einen Vermögensturm oder aber viele Vermögenstürmchen. Entscheidend ist nicht so sehr die Schuldensituation, sondern vielmehr der synchrone Blick auf die Leistungsbilanz. Denn der LB-Saldo bestimmt letztlich, ob wir uns souverän verschuldet haben oder aber nicht.

      Deutschland ist hier in einer ähnlichen Situation wie Japan. Wer über viele Jahre hohe LB-Überschüsse erwirtschaftet, für den sind auch 300 % Schulden keine ernsthaftes Problem. Wer hingegen eine negative LB hat, für den können auch 60 % Verschuldung schon zu einem ernsthaften Problem werden; insbesondere, wenn man nicht in seiner eigenen Währung verschuldet ist. Argentinien, Mexiko und Co können ein Lied davon singen. Wer hingegen bei seiner eigenen Bevölkerung verschuldet ist, der kann jederzeit fiskalische Gegenmaßnahmen ergreifen, was zu einem synchronen Abschmelzen von Geldschulden und Geldvermögen führt.

      Deutschland befindet sich noch in einer guten Situation (wir haben allerdings schon viele Jahre vertrödelt) und Herr Schäuble würde z. Z. sogar Zinsen erhalten, statt Zinsen zu zahlen. Hohe Inflation ist ebenfalls noch in weiter Ferne und eine etwas höhere Inflation Richtung 3 – 4 Prozent wäre zudem notwendig, damit der Euro überleben kann.

      Des Weiteren können wir noch auf ein Reservoir von mindestens 2 Mio Arbeitslosen zurückgreifen. Die Qualifikation spielt nicht die überragende Rolle, wenn wir unsere Schulen regelmäßig anstreichen, für gesundes Essen sorgen, Parkanlagen pflegen etc. etc.

      Der deutsche Staat ist also keinesfalls pleite, sondern unterfinanziert (zu geringe Besteuerung der Erbschaften). Andererseits muss er Schulden machen, da wir die Eselei mit der privatisierten Altersvorsorge begangen hatten. Es ist doch allemal besser, wenn unsere Altersvorsorge in einer exzellenten Infrastruktur mit hervorragend ausgebildeten Kindern im eigenen Land angelegt ist, als in automobilen Blechträumen in Griechenland und Co.

      Richtig ist allerdings, dass einige Länder ihr Potenzial nicht entwickelt haben und den kurzsichtigen Weg der monetären Expansion gegangenen sind, ohne auf die eigene Budgetrestriktion zu achten. Das eigene BIP war zu gering und sie absorbierten insbesondere Teile des deutschen BIP. Die Folge: steigende LB-Defizite, die dann zu einer unhaltbaren Situation geführt haben.

      „Statt solcher „Lücken“ zu konstruieren, sollte überlegt werden, wie das Produktionspotenzial – so groß es auch immer sei – angebotsseitig ausgeschöpft werden kann.“

      An diesem Punkt differieren wir fundamental. Wir haben in D ein Problem mit der inländischen Absorption. Wir haben kein Problem auf der Angebotsseite, sondern insbesondere auf der Nachfrageseite.

      „Mindestlohn ade.“ Jetzt wird es aber bei Ihnen abenteuerlich.

      „Die Frage ist doch nicht ihr Ernst.“

      Die Frage ist mein voller Ernst. Die Mehrheit hat zwar hohe Schulden, leidet aber unter Unterbeschäftigung bei mittlerweile ausgeglichener LB bzw. sogar LB Überschüssen: http://www.factfish.com/de/statistik-vergleich/gr-it-pt-es/leistungsbilanz%20saldo

      Keine Vorkrisenexzesse wie in ES, GR und PT. Aber ohne eine moderate monetäre Expansion für produktive/investive Zwecke keine Chance auf Besserung.

      Daniel Gros dürfte eher unverdächtig sein: https://www.project-syndicate.org/commentary/imf-greek-debt-reduction-deal-by-daniel-gros-2016-06 und auch der Economist hat sich bislang kaum mit sozialistischem Gedankengut profiliert: https://www.project-syndicate.org/commentary/government-spending-key-to-growth-by-bill-emmott-2016-06

      LG Michael Stöcker

      Antworten

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