„Warum die EZB Beihilfe zur Konkursverschleppung leistet“

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Meine kritische Sicht auf die Politik der EZB ist bekannt. Hier mein heutiger Beitrag zu dem Thema auf manager magazin online. Auszüge:

  • Dabei ist die Frage durchaus erlaubt: Was ist denn eigentlich das Problem mit einer Deflation? Fallende Preise sind aus Sicht der Konsumenten etwas Gutes. Sie erhöhen die Kaufkraft und erlauben es, mehr Waren mit gleichem Einkommen nachzufragen. Zugleich ist Deflation eine zwangsläufige Folge der Anpassungsprozesse innerhalb Europas. Ist es nicht mehr möglich, die eigene Währung abzuwerten, so muss eben eine sogenannte interne Abwertung erfolgen: Sinkende Löhne und sinkende Preise erhöhen die Wettbewerbsfähigkeit der Krisenländer, steigern die Exporte und reduzieren die Importe. Alles so von der Rettungspolitikern gewünscht.
  • Doch nun kommen Ängste auf: Die Deflation könnte dazu führen, dass es zu einer Zurückhaltung bei der Nachfrage kommt. Wir Bürger könnten Ausgaben aufschieben, weil wir mit weiter sinkenden Preisen rechnen. Dies würde die Krise der Wirtschaft weiter verstärken und in eine Abwärtsspirale münden. Empirisch ist das nicht haltbar: Obwohl wir wissen, dass Computer und andere technologische Geräte ständig billiger werden, ist die Nachfrage ungebrochen. Obwohl wir wissen, dass es wieder Rabattaktionen geben wird, kaufen wir schon heute die Kleidung, die uns gefällt. Dies liegt unter anderem daran, dass unser persönlicher Zeithorizont nicht unendlich ist.
  • Deflation ist in Wahrheit nur für eine Gruppe eine Gefahr: die Schuldner. Schulden können nur aus Einkommen bedient werden. Es kommt darauf an, wie viele Euro der Schuldner nominal zur Verfügung hat. Sinkt sein Einkommen nutzt es ihm herzlich wenig, wenn es mehr Kaufkraft hat. Er muss einen nominal festgelegten Geldbetrag zurückzahlen.
  • Deflation bedeutet damit nichts anderes als Pleite. Ermöglicht es die Inflation den Schuldnern, leichter ihren nominalen Verpflichtungen nachzukommen, legt die Deflation offen, wer nackt schwimmt. Und dies tun heute viele und rufen nach der EZB, die doch bitte dafür sorgen soll, dass der Wasserspiegel wieder steigt.
  • Die EZB ist gefangen im eigenen Versprechen. Seit Mario Draghis Bekenntnis, alles zu tun, um den Euro zu erhalten, gehen die Kapitalmärkte – und die Politiker! – davon aus, dass die EZB wirklich alles tun wird. (…) Tut sie dies wider Erwarten nicht, steigen die Zinsen und der Euro deutlich. Beides ist nicht erwünscht. Schon alleine um dies zu verhindern, wird die EZB kaufen müssen. Und es wird nicht bei dem einmaligen Kauf bleiben. Angesichts der garantierten Wirkungslosigkeit für die Realwirtschaft und der weiter zunehmenden Spekulation an den Kapitalmärkten, werden wir schon bald über die nächsten Maßnahmen sprechen.
  • Man stelle sich das Szenario vor: nach ein paar weiteren Jahren wirtschaftlicher Stagnation, weiter gestiegener Schuldenquoten und zunehmender politischer Spannungen innerhalb und zwischen den Ländern Europas dürfte die Verlockung groß sein, dass Problem der Schulden über die Bilanz der Notenbank zu lösen. Letztlich kann eine Notenbank niemals zahlungsunfähig werden – sie schafft das Geld ja selbst.
  • Allemal ehrlicher wäre es, wenn die Regierungen offen zugeben würden, dass drei bis fünf Billionen Euro der Schulden von Staaten und Privaten in Europa nicht mehr bedient werden können. Diese Schulden müssten in einem offenen, transparenten und fairen Verfahren abgeschrieben werden. Die Gläubiger könnten auf Gegenleistung in Form von echten Reformen und politischen Sympathien hoffen. Der Preis für die Lösung über die Bilanz der EZB ist dagegen hoch.

Den vollständien Beitrag finden Sie hier:

manager magazin online: „Warum die EZB Beihilfe zur Konkursverschleppung leistet“, 12. Januar 2015

1 Antwort
  1. Hartmut G. says:

    „Deflation ist in Wahrheit nur für eine Gruppe eine Gefahr: die Schuldner. Ermöglicht es die Inflation den Schuldnern, leichter ihren nominalen Verpflichtungen nachzukommen.“

    Wird zwar immer gerne so trivialisiert dargestellt, übersehen wird jedoch: Wenn einer nix produziert, dann ist es vollkommen egal wieviel Schulden er hat. Nix (bzw. Minus) bleibt nix, egal ob nominal oder real.
    Denn was nützt der schwache Euro dem ClubMed (oder anderen Bananenrepubliken, z.B. Simbabwe oder Argentinien), wenn keine Lust oder keine Fähigkeit etwas zum Markte zu tragen?
    Gruß, AD

    Antworten

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