Uscitalia statt Brexit: Der große Knall steht noch bevor

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„Please don`t go“ – auf dem Titel fleht der SPIEGEL in dieser Woche die Briten an, in der kommenden Woche gegen einen Brexit zu stimmen. Tatsächlich wäre ein Brexit gerade aus deutscher Sicht ein herber Schlag, würde es doch die Machtverhältnisse in Europa noch mehr zu den staatsgläubigen und umverteilungsorientierten Staaten des Südens verlagern. Mit England verließe eine Stimme der wirtschaftlichen Vernunft den Klub.

Auf mehr als zwanzig Seiten im Heft zählt der SPIEGEL viele Argumente für einen Verbleib Großbritanniens auf und erläutert die Motive der Austrittsbefürworter. Dabei entsteht der Eindruck, als trauerten Befürworter eines Austritts der glorreichen Vergangenheit nach, bemängelten zurecht die überbordende Bürokratie Brüssels, würden im Allgemeinen jedoch eher emotional als rational handeln. Schließlich würde niemand, der rational denkt, ernsthaft über einen Austritt nachdenken, so der Tenor des SPIEGEL.

Zunehmende wirtschaftliche Spannungen

Was nicht zur Sprache kommt, sind die erheblichen wirtschaftlichen Probleme innerhalb der EU und der Eurozone. Mit keinem Wort wird darauf hingewiesen, dass hinter den zunehmenden politischen Spannungen in der EU erhebliche ungelöste und weiterwachsende ökonomische Divergenzen stehen. Stattdessen darf Finanzminister Wolfgang Schäuble im Interview die steile These aufstellen, dass Spanien, Portugal und Irland „die Krise überwunden haben“ und in Griechenland „auch viel passiert sei“. Fakt ist, dass

  • in Griechenland die Euroländer ihre Politik der Konkursverschleppung ungebremst fortsetzen.
  • Spanien seit Jahren die Staatsschulden nicht stabilisieren kann und auch nie können wird, wie McKinsey vorgerechnet hat.
  • Portugal mit einer Gesamtverschuldung über dem Niveau von Japan (rund 400 Prozent des BIP) sowie einer schrumpfenden Bevölkerung offensichtlich pleite ist.
  • Irland trotz der unstrittigen Wettbewerbsfähigkeit aus eigener Kraft niemals die Schuldenlast von Staat und Privaten ordentlich bedienen kann.

Ohne die Negativzinspolitik der EZB wäre der Euro schon heute Geschichte und nicht, wie Schäuble weiter ausführt, die „unangefochtene Weltreservewährung Nummer zwei und stabil.“ Nur der EZB ist es zu verdanken, dass Staaten mit höheren Schulden und schlechterer Demografie als die USA, tiefere Zinsen auf ihre Staatschulden bezahlen.

Allerdings kann die EZB die eigentlichen Probleme der Länder nicht lösen. Weder kann sie die Schulden aus der Welt schaffen, noch die Wettbewerbsfähigkeit wiederherstellen. Das könnte nur die Politik, die sich aber nicht traut, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen. Stattdessen wachsen die Schuldenberge immer weiter, und die Ungleichgewichte zwischen den Euroländern bestehen weiter fort, allen Fortschritten zum Trotz.

Deutschland profitiert vom schwachen Euro

Währenddessen feiern wir Handelsbilanzüberschüsse, die im laufenden Jahr neun Prozent des BIP erreichen dürften. Die starke deutsche Wirtschaft spielt auch in der aktuellen Brexit Diskussion in Großbritannien eine entscheidende Rolle. Nur selten wird es so offen ausgesprochen wie in einem Kommentar im konservativen The Telegraph.

In dem Beitrag werden die deutsche Wirtschaftspolitik und das Verweigern einer konstruktiven Lösung für die Probleme der Eurozone angeprangert. Dabei geht die Argumentation knapp beschrieben so:

  • Deutschland partizipiert an einer Schwachwährung, die ohne die Teilnahme Deutschlands schon lange kollabiert wäre. Deshalb kann Deutschland deutlich mehr exportieren, als wenn es noch die Deutsche Mark gäbe.
  • So gewinnt Deutschland Marktanteile und wirtschaftlicher Stärke gegenüber Euroländern wie Frankreich und Italien, denen es mit Franc und Lira besser erginge, aber auch gegenüber Großbritannien.
  • Zusätzlich befördert wird dieser deutsche Exporterfolg durch die einheitlichen Standards im Binnenmarkt, die naturgemäß die exportstarken Länder begünstigen würden.

„Germany is so rich, and getting richer at the expense not least of its partners“, schreibt der Telegraph und schließt: “German domination of the EU means it has conquered without war, and signing up to the EU is signing up to the Fourth Reich.” Natürlich eine Frechheit.

Sieht man über die Rhetorik hinweg, wird deutlich, dass eine Kombination aus Währungsdumping und unfairem Wettbewerb nach dieser Auffassung hinter dem deutschen Handelserfolg steht. Zu Ende gedacht kann die Lösung nur in einer Begrenzung der deutschen Exporte liegen.

Das Problem an dieser Argumentation ist – wie so oft bei populistischen Aussagen – dass sie durchaus einen Kern Wahrheit haben. In der Tat haben wir in den vergangenen Jahren vom schwachen Euro profitiert und uns darauf verlassen, billiger statt besser zu sein. So ist die Produktivität pro Kopf in den Jahren seit der Euroeinführung nur noch schwach gewachsen.

Politische Spannungen die zwangsläufige Folge

JP Morgan hat bereits im Jahre 2012 darauf hingewiesen, dass eine deutliche Divergenz der wirtschaftlichen Entwicklung in Europa in der Vergangenheit zu Spannungen bis hin zu Kriegen geführt hat. Ich habe die Analyse um eine Darstellung der heutigen Entwicklung ergänzt:

Relative Wirtschaftsentwicklung Indikator für Spannungen: BIP Deutschland relativ zu Nachbarländern

 

 

 

 

 

 

 

 

Natürlich gab es in der Vergangenheit viele weitere Faktoren, die zu den kriegerischen Auseinandersetzungen geführt haben und im Unterschied, zum englischen Premier David Cameron sehe ich keine erneute Kriegsgefahr in Europa. Auch ist die Divergenz noch lange nicht so drastisch wie in den früheren Perioden, dennoch sollten wir sie als Indikator ernst nehmen. Auf jeden Fall ernster, als es die deutsche Politik zurzeit tut.

Es ist angesichts dieser Entwicklung nämlich kein Wunder, dass die Bevölkerungen mit der relativen Entwicklung in Europa unzufrieden sind. Erst vor ein paar Monaten konnte die Eurozone gesamthaft wieder das Vorkrisenniveau erreichen. Italien und Spanien sind davon noch weit entfernt, Frankreich bleibt in der Dauerrezession gefangen. Das zeigt sich auch an der Haltung zu Europa. Zwar stimmen nächste Woche nur die Briten ab, doch auch in vielen anderen Ländern wünscht sich die Bevölkerung eine solche Abstimmung. In Frankreich immerhin 55 Prozent und in Italien fast 60 Prozent. Könnten sie abstimmen, würden mehr als 40 Prozent der Franzosen und fast 50 Prozent der Italiener für einen Austritt votieren. Hauptursache für diese Entwicklung sind die erheblichen deutschen Handelsüberschüsse und die völlig fehlgeleitete deutsche Europolitik.

Deutsches Exportmodell verschärft Spannungen

Eine wesentliche Voraussetzung für die Genesung der Eurozone und damit Europas ist ein Abbau der internen Ungleichgewichte. Dabei geht es vor allem darum, die Handelsdefizite und -überschüsse zu reduzieren. Zwar kam es in den vergangenen Jahren zu Fortschritten auf diesem Gebiet, jedoch vor allem durch einen Rückgang der Importe, weniger durch mehr Exporte aus den Krisenländern. Deutschland hat unterdessen den Handelsüberschuss mit den Euroländern reduziert, gesamthaft jedoch deutlich ausgeweitet.

Unsere einseitige Fokussierung auf den Export führt zunehmend zu Spannungen in Europa und der Welt. Sich dabei nur auf die Stärke der deutschen Industrie zu berufen, ist bequem und falsch. Natürlich profitiert gerade die deutsche Industrie von der Globalisierung und Industrialisierung. Doch ohne den schwachen Euro und die zunehmende Verschuldung unserer Kunden wäre dieser Exporterfolg gar nicht möglich.

Mit den Exportüberschüssen entziehen wir anderen Ländern Kaufkraft und Nachfrage. Die einheimische Industrie in diesen Ländern verliert immer mehr an Wettbewerbsfähigkeit, während wir zugleich nicht ausreichend importieren, um der Welt andere Waren abzunehmen. Damit fehlt der Welt Nachfrage und es ist angesichts der schwachen weltwirtschaftlichen Entwicklung nicht verwunderlich, dass die Spannungen zunehmen. Es wäre auch in unserem Interesse, den Handelsüberschuss zurückzuführen.

Hinzu kommt, dass wir die Erlöse aus dem Export im Ausland anlegen. Handelsüberschüsse gehen nämlich zwangsläufig mit einem entsprechenden Exportüberschuss von Kapital einher. (Mehr zu den Zusammenhängen finden sie hier.). Alleine im Jahr 2015 haben wir Kapital im Volumen von 8,6 Prozent des BIP ins Ausland exportiert. Überwiegend in Form von Krediten. Nun ist es aber nicht sonderlich schlau, sein Geld Schuldnern zu leihen, die schon heute zu viele Schulden haben. Bereits in der Vergangenheit haben wir unser im Export verdientes Geld äußerst schlecht angelegt, wie zum Beispiel in US-Subprime-Krediten, womit wir nach Berechnungen des DIW immerhin 400 Milliarden Euro verloren haben. Da wäre es allemal besser, das Geld im Inland auszugeben.

Versagen in der Eurokrise

Wie an dieser Stelle immer wieder erläutert, braucht Europa einen geordneten Prozess, um aus der Überschuldungssituation von Staaten und Privaten herauszufinden. Dazu müssen Gläubiger, also vor allem Deutschland, und Schuldner sich zu einer Kombination aus Schuldenerlass, Schuldensozialisierung und Schuldenstreckung unter Teilnahme der EZB durchringen. Ohne eine solche Bereinigung der faulen Schulden bleibt die Eurozone im japanischen Szenario gefangen. Die Weigerung der deutschen Politik, dies anzuerkennen und entsprechend zu handeln, vergrößert den finanziellen, wirtschaftlichen und politischen Schaden mit jedem Tag. Das Beharren auf einer Sparpolitik und Reformen ist vordergründig richtig, im Zustand der Überschuldung jedoch kontraproduktiv. Die deutsche Europolitik ist krachend gescheitert und das anstehende Brexit-Votum und die zunehmende Anti-EU- und Euro-Stimmung in den anderen Ländern sind der deutliche Beweis dafür.

Andere Politik nötig

Will die deutsche Regierung einen Brexit und weitere Euroaustritte wirklich verhindern, sollte sie dringend das Steuer herumreißen, und mehr Geld im Inland ausgeben, Innovation, Bildung und Infrastruktur verbessern und mit Reformen den langfristigen Wohlstand sichern. Statt das Geld ins Ausland zu exportieren, würden wir es im eigenen Land verwenden.

Danach sieht es jedoch nicht aus. Lieber verweisen deutsche Politiker und Volkswirte auf die Mängel und den Reformbedarf in anderen Ländern. Ebenso geschlossen steht die Front gegen eine Bereinigung der faulen Schulden, eine Monetarisierung der Schulden über die EZB-Bilanz und eine Neuordnung der Eurozone. Damit bleibt Europa in der Rezession gefangen und der Druck im Kessel nimmt immer weiter zu.

Egal, wie das Votum der Briten in der kommenden Woche ausgeht – die Probleme der EU und vor allem der Eurozone wachsen weiter an. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis in einem Euroland eine Partei mit dem Wahlversprechen an die Macht kommt, alle Probleme des Landes mit einem Austritt aus Euro und EU zu lösen. Mein Hauptkandidat ist und bleibt Italien. Die dortige Rezession dauert schon länger an als jene der 1930er Jahre, die Wirtschaftsleistung liegt noch immer deutlich unter dem schon nicht begeisternden Niveau von 2008. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Staatsverschuldung außer Kontrolle. Eine Schließung des auf 30 Prozent geschätzten Lohnstückkostennachteils gegenüber Deutschland auf dem Wege der „internen Abwertung“, also der Kürzung von Löhnen, völlig illusorisch.

Noch könnte Italien durch einen Austritt aus der Eurozone Teile seiner industriellen Basis retten. Mit einer abgewerteten Lira wäre das Land über Nacht wettbewerbsfähig. Schon vor einem Jahr habe ich an dieser Stelle die Entwicklung in Italien diskutiert und gefordert: Lasst uns aus dem Euro austreten, bevor Italien es tut. Das gilt heute noch mehr als damals. Natürlich wird Deutschland nicht austreten. Nur müssen wir uns dann auf das andere Szenario vorbereiten.

„Uscitalia“ ist das echte Risiko, und unsere Regierung tut alles, damit es passiert. Da hilft dann auch kein „Si prega di non uscire!“ mit italienischer Flagge auf dem Titelbild des SPIEGEL.

manager magazin.de: Briten und Italiener gehen wegen Deutschland, 16. Juni 2016

10 Antworten
  1. Andreas Müller says:

    Sehr schöne Darstellung. Es ist immer wieder bemerkenswert, in welchem Ausmaß der SPIEGEL Stimmungsmache betreibt zugunsten einer deutschen Regierungspolitik, für die objektiv keinerlei Hoffnung besteht.
    Nur an einer Stelle würde ich gerne widersprechen:
    „die Machtverhältnisse in Europa noch mehr zu den staatsgläubigen und umverteilungsorientierten Staaten des Südens verlagern“
    Es ist ein Irrtum, dass die Länder des Südens staatsgläubiger seien als Deutschland und Großbritannien deshalb ein natürlicher Verbündeter Deutschlands. Das entscheidende Merkmal Deutschlands ist die Verschmelzung von Wirtschaft und Staat zu einem korporatistischen Konstrukt, das allen anderen immer wieder gemeinsam Angst macht, und das völlig zu Recht.

    Antworten
    • Ralph Klages says:

      Das sehe ich ganz genauso: Gerade die Südländern sind eben NICHT staatsgläubig, weil sie von ihren Administrationen über hunderte von Jahren hinweg finanziell schlechter gestellt wurden. Die stetig wachsende Verschuldung dieser Länder, ihrem Hang zum Gelddrucken nebst schleichender Inflationierung hat letztlich zu einem breiten Vertrauensverlust in Geld geführt: Der clevere Südländer legt seine Ersparnisse z.B. in Olivenhaine und Weinfelder an – mit vergleichsweise passablen Renditen, sinnigerweise mit EU-Hilfen gestützt. Staatsgläubig sind da doch eher die Deutschen, die, um ihre Sparerträge gebracht, sich von einem wie Schäuble und der EZB weiter einseifen lassen. Keine Spur von Protest.
      Apropos Italien: Wie hoch wäre wohl der Zinssatz einer zehnjährigen italienischen Staatsanleihe – ohne die EZB und OMT/ whatever it takes-Versprechen? Sicher deutlich über 10% . An solchen Fakten muss sich der Euro messen lassen.
      Aber das sagt ja keiner…… der Spiegel erst recht nicht. Vielleicht tun die Briten genau das Richtige.

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  2. Katalin says:

    Hallo,

    „Please don`t go“

    Die gehen nirgends, einfach lächerlich die Behauptung von wem auch immer, GB stimmt für den Ausstieg. Wo sollen die hin. Es gibt keine Option für GB außer der BRD dominierten EU. Es schmerzt nur noch die Nr. 2 oder 3. zu sein, aber die FR haben es auch akzeptieren müssen.
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/merkels-vize-kanzler-empoerung-ueber-le-pens-attacke-auf-hollande-a-1056877.html

    Gegen BRD und Satellitenstaaten: AT, HU, NL, BE, LUX läuft nichts mehr in der Europa, inkl. BRD dominierten EZB und EU Parlament, das sowieso nichts zu sagen hat, da alle wichtigen Entscheidungen in Bilateralverträgen vereinbart werden. Siehe Entmachtung der EZB in der Eurokrise und Einsetzung der Troika, d.h. gewährung der Hilfsgelder nur mit Zustimmung der Gläubiger und nicht anhand regelgebundener Geldpolitik. Daher auch – harte Austirität gegen kleine, aber fast gar keine oder nur Androhung gegenüber ES oder IT falls die Sozis an die Macht kommen sollten.

    „Mit England verließe eine Stimme der wirtschaftlichen Vernunft den Klub.“

    Ein Land das nur noch durch Kredite wachstum erzeugt und das auch nur in Großraum London ist, handelt nicht vernünftig. Deregulierung und Liberaliserung hat dazu geführt, dass es keine echte Industrie (d.h. mit Technologieführerschaft) mehr hat und durch das ausländische z.T. korrupte Kapital (Oligarchen und Diktatoren) aufgekauft wurde.

    Zur Austritt IT kann ich nur sagen;

    Europa ohne IT, d.h. DE und FR ohne IT, ist wie Ehe ohne Kinder, d.h. nichts wert.

    IT verlässt den Euro nicht, da es nichts gewinnt, es ist vergleichbar mit einem ungelerntem Sozialhilfeempfänger in BRD dem man einen Job für 8,50 Euro/Stunde anbietet, wenn er ihn annehmen würde, würde er finanziell nichts gewinnen, nur dass er 8 Stunden pro Tag arbeiten würde.

    Zusätzliche Marktanteile ohne EURO oder niedrigere Verzinsung mit Euro ist ein Nullsummenspiel.

    Gruß

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  3. Katalin says:

    Hallo,

    „Das entscheidende Merkmal Deutschlands ist die Verschmelzung von Wirtschaft und Staat zu einem korporatistischen Konstrukt, das allen anderen immer wieder gemeinsam Angst macht, und das völlig zu Recht.“

    Sie scheinen gewisse Sachen verstanden zu haben. Warum diese simple Tatsache (da für jeden Nachvollziehbar – man braucht sich nur die Einkommens- und Vermögensentwicklung der letzten 15 Jahren in der westlichen Welt anzuschauen) für andere, d. h. für den dt. Wähler nicht zu verstehen ist, ist mir bis heute unerklärlich. Vielleicht liegt es am dreigliedrigem Schulsystem, dass bewusst Teile der Bevölkerung ungebildet lässt. Diese Leuten (200 Familien und die durch sie gesteuerten Medien und Politik) gelingt es immer wieder die Schuldingen in Ausland zu finden – wie Südländer oder das durch die USA gesteuertes Geldsystem für die Euro und Finanzkrise.
    Wer sie aber daran gehindert hat, den dt. AN angemessen an den Unternehmensgewinnen in den letzten 15 Jahren zu beteiligen, beantworten diese Leute nicht.

    Gruß

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    • Andreas Müller says:

      Wenn man das Spiel über längere Zeit beobachtet und zusätzlich ein wenig liest, kommt man dahinter: Vor 15 Jahren als das gute Kapital in großen Strömen nach Spanien floss, lag das daran, dass Spanien einfach ganz toll „wettbewerbsfähig“ war. Also mussten dem deutschen AN der Lohn und die Leistungen gekürzt werden, damit er mit dem Spanier wieder „mithalten“ konnte. Das nannte sich Reform. Heute, wo wir wissen, dass das Kapital nach Spanien geflossen ist, weil die No-Bailout-Klausel für alle Insider Makulatur war, und dass das eine gewaltige Fehlinvestition war, erfahren wir, dass die bösen Südländer uns furchtbar betrogen haben. Deshalb hat der deutsche Steuerzahler die Verluste großzügig auf seine Bücher genommen. Und der deutsche AN muss weiter tüchtig verzichten, damit er das zahlen kann.
      Man muss es sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen, dass der medial-wirtschaftlich-politische Komplex, der in dieser Weise die Bürger an der Nase herumführt und wenig subtil gegen die Bürger anderer Länder aufhetzt, sich selbst auch noch für pro-europäisch und jeden zum Nazi erklärt, der das Spiel ahnt, aber nicht komplett verstanden hat.

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  4. Axel says:

    Bei einem Austritt Englands würde das Pfund sofort abwerten ( der Lira Effekt) und somit den Briten unmittelbar einen Wettbewerbsvorteil liefern, der der landläufigen Argumentation, England würde an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, entgegenspräche.
    Aber das ist alles nur nebensächliches Geplänkel. Die einzig relevante Frage ist die, was passiert, wenn die Notenbanken die Staatsanleihen komplett monetarisieren müßen um Staatspleiten abzuwenden. Totales Chaos oder der Beginn einer neuen Wirtschaftsordnung?
    Es wird bald Zeit, sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen.

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  5. Dietmar Tischer says:

    Brexit:

    Die Begründungen für/gegen kann ich nicht mehr hören.

    Die Befürworter behaupten, dass sich bei einem Austritt die Lage gegenüber dem Status quo verbessern würde, OHNE zu sagen, dass er zumindest kurzfristig negative wirtschaftlich Folgen für sie hätte.

    Die Gegner drohen mit den Folgen des Austritts ohne zu sagen, WIE der Status quo verbessert werden kann.

    Es wird keinen Brexit geben aus Angst vor dem Brexit.

    Ich bin aber überzeugt, dass es für die Beibehaltun eines Status quo nicht hinreichend ist, immer nur auf negative Folgen von Veränderungen zu verweisen, wenn sich die Lage kontinuierlich verschlechtert.

    Wie richtig ausgeführt wird, verschlechtert sie sich – und damit wird es auch Austritte geben, wie die sich unter welchen Umständen auch immer sich gestalten.

    Vielleicht noch wichtiger als die Brexit-Debatte:

    Morgen wird das BverfG seine Entscheidung zu EZB/OMT bekannt geben.

    Dazu:

    http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/karlsruhe-urteilt-zur-ezb-geldpolitik-sprengstoff-fuer-die-europaeische-wirtschaft/13752982.html

    Ich habe in Karlsruhe mitgeklagt, nicht weil ich die EZB lahmgelegt wissen will, sondern weil ich es unerträglich finde, dass auf unklarer Rechtslage Politik gemacht wird. Wer die Währungsunion mit neuem Recht geschaffen hat und nationales nicht abgeschafft hat, muss sich nun eben damit abfinden, dass geklärt wird, WIEVIEL das noch gültige nationale Recht und der damit verbundene Souveränitätsanspruch noch wert sind.

    Es wird interessant sein zu erfahren, wie stark die normative Kraft des Faktischen ist, um NATIONAL GÜLTIGES RECHT außer Kraft zu setzen.

    Zum „Deutschen Exportmodell“:

    Unsere Exportwirtschaft, d. h. deren Wertschöpfung ist ein großer GEWINN für die Weltwirtschaft in dem Sinn, dass sie insbesondere durch Herstellung von Investitionsgütern andere Volkswirtschaften befähigt, ihren Wohlstand zu mehren.

    Das Exportmodell, d. h. WIE der Export dieser Wertschöpfung stattfindet, ist ein Desaster, weil es AKTIV an den dargestellten Ungleichgewichten beteiligt ist.

    >Mit den Exportüberschüssen entziehen wir anderen Ländern Kaufkraft und Nachfrage. Die einheimische Industrie in diesen Ländern verliert immer mehr an Wettbewerbsfähigkeit, während wir zugleich nicht ausreichend importieren, um der Welt andere Waren abzunehmen. Damit fehlt der Welt Nachfrage und es ist angesichts der schwachen weltwirtschaftlichen Entwicklung nicht verwunderlich, dass die Spannungen zunehmen. Es wäre auch in unserem Interesse, den Handelsüberschuss zurückzuführen.>

    Das ist m. A. n. nicht die richtige Begründung dafür.

    Vielmehr:

    Andere Länder (sagen wir, um konkret zu sein Frankreich oder Italien) verlieren Kaufkraft und Nachfrage, wenn unsere Produkte statt ihre gekauft werden (von China z. B.). Wenn die von uns gekauften Produkte Investitionsgüter sind, dann ist das auch gut für die anderen Länder (wie Frankreich und Italien), weil die Käufer unserer Investitionsgüter für ein wachsendes Volkseinkommen sorgen und damit für wachsende Nachfrage nicht nur nach weiteren Investitionsgütern von uns, sondern auch nach Produkten anderer Länder (Konsumgütern, die in Frankreich und Italien hergestellt werden). Wenn von diesen Ländern dennoch nicht mehr Produkte gekauft werden, dann deshalb, weil sie ihre Wettbewerbsfähigkeit VERLOREN haben oder etwas produzieren, was keiner haben will.

    Kurzum:

    Durch unsere Exportüberschüsse verlieren andere nicht DIREKT ihre Wettbewerbsfähigkeit. Wenn jedoch die Chinesen mit unseren Investitionsgütern BILLIGERE und/oder BESSERE Produkte als die Franzosen oder Italiener anbieten können, dann schon – INDIREKT. Im Kapitalismus kann man weder uns noch den Chinesen untersagen, billigere und/oder bessere Produkte als die Franzosen und Italiener herzustellen und anzubieten. Jedes Land muss SELBST für seine Wettbewerbsfähigkeit sorgen.

    Bei Konsumgütern und Gebrauchsgütern läuft der Mechanismus anders, führt aber im Ergebnis zu nichts anderem.

    Wir können uns nicht bestrafen, wenn andere z. B. unsere Premium-Automobile nachfragen. Wir werden aber zu recht bestraft, wenn wir diese Nachfrage mit Kreditgewährung steigern.

    Die Schlussfolgerung:

    Es wäre nicht nur in unserem Interesse, sondern in dem ALLER, wenn sich vor allem andere Länder bemühten, wettbewerbsfähiger zu werden, damit wir MEHR von ihnen importieren und WENIGER exportieren könnten. BEIDES würde helfen, die Ungleichgewichte abzubauen.
    Ansonsten volle Zustimmung, insbesondere zu:

    >Es ist nur eine Frage der Zeit, bis in einem Euroland eine Partei mit dem Wahlversprechen an die Macht kommt, alle Probleme des Landes mit einem Austritt aus Euro und EU zu lösen.>

    Nur:

    Sie werden durch einen Austritt und eine eigene Währung nicht gelöst.

    Abwertung einer eigenen Währung verschafft zwar einen Wettbewerbsvorteil, generiert aber keinen Wohlstand in einer arbeitsteiligen Welt, aus der mit einer abgewerteten Währung weniger für Wachstum dringend benötigte Güter importiert werden können.

    Antworten
  6. Nana Albert says:

    „Abwertung einer eigenen Währung verschafft zwar einen Wettbewerbsvorteil, generiert aber keinen Wohlstand in einer arbeitsteiligen Welt, aus der mit einer abgewerteten Währung weniger für Wachstum dringend benötigte Güter importiert werden können.“

    Vielleicht ist auch an diesem Punkt ein Teil der Lösung zu finden: ….WAS WIRKLICH DRINGEND GEBRAUCHT WIRD, ist möglicherweise gar nicht ungebremster Konsum („Wohlstand“) von überflüssigen Gütern, sondern eine Besinnung – ein Innehalten – und dann eine Klarheit darüber, was im Leben wirklich wichtig ist und was wir wirklich dafür brauchen. SUVs und Billigflieger sind´s vielleicht nicht…?! Die Umwelt freut sich auf alle Fälle über weniger ungebremsten Kosum ihrer Menschenparasiten. Viele Grüße, Nana Albert

    Antworten
  7. Ondoron says:

    Wäre wohl sinnvoll gewesen, Deutschland hätte die DM behalten. Damit hätte Deutschland zwar weniger exportiert, weniger Handelsbilanzüberschuß, aber mehr Innovationsdruck, dramatisch höherer Lebensstandard. Ähnlich eben wie in der Schweiz.
    Die Grafik ist übrigens interessant: Warum also wurde gegen Deutschland Krieg geführt? Alles aus der Grafik ableitbar. Die uns erzählten Narrative zu historischen Zusammenhängen müssen demnach unter dem Verdacht der Geschichtsklitterung stehen!

    Aber die deutsche Nibelungentreue im Euro wird für Deutschland mal wieder ein Ergebnis wie nach einem verlorenen Krieg bedeuten. Und das haben deutsche Politiker zu verantworten.

    Was wird wohl passieren, wenn der Michel das gewahr wird? Wenn das Trommeln der hiesigen MSM für das „politische Projekt“ als das wahrgenommen wird, was es ist? Nämlich bloße Propaganda. Wird es die BT-Wahl 2017 noch geben? NEIN! Bis dahin ist die EUSSR vollständig etabliert.

    Und Schäuble schwadroniert doch schon weiter über die „neuen Formen der Governance“. Das BVerfG hat heute auch ein entsprechendes Urteil gefällt bezüglich OMT. Sind die Deutschen wirklich so naiv und merken nichts? Schon klar: Deutschland wird für die Schulden der anderen bezahlen – und das sind die Bürger. Das hat George Soros übrigens schon zu Beginn der Eurokrise gesagt.

    Wer nur auf die Ökonomie schaut und Geopolitik vernachlässigt, der versteht ohnehin nicht, was gespielt wird. Wer seine Schlußfolgerungen auf die vernebelnde offizielle Propaganda basiert, dem ist auch nicht zu helfen.

    Antworten

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