„U.S. politicians love to attack China and Mexico for stealing jobs. Germany could be next.“

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Gestern habe ich an dieser Stelle meinen Beitrag für das manager magazin veröffentlicht, in dem ich den deutschen Exportfokus mit der Strategie der Eichhörnchen verglichen habe: putzige Tierchen, aber nicht sonderlich intelligent. Scheinbar hat das The Washington Post so gut gefallen, dass sie in einem Artikel, der auf die zunehmenden Handelskonflikte auch mit Deutschland eingeht, auf diesen Kommentar Bezug nimmt:

  • „The Munich-based Ifo economic institute predicted this week that Germany’s current account surplus — basically how much goods and services it exports, less how much it imports — will hit an all-time high of $310 billion in 2016. China’s surplus, on the other hand, is projected to shrink by $70 billion to some $260 billion this year due to weaker exports. In this way, the country that has gained the biggest advantage in dollar terms from world trade is not China, nor any other emerging market. It’s Germany.“
  • „(…) how come Germany, a country that has one of the highest average incomes in the world, also has such an edge in global trade? Indeed, Germany had a surplus with the U.S. in goods alone of about $74.8 billion last year. It overtook Mexico in 2012 in terms of a lopsided trade balance and is now the country with the second largest trade surplus with America, second only to China. The U.S. replaced France last year as Germany’s most important trading partner.“
  • „(…) how come Germany, a country that has one of the highest average incomes in the world, also has such an edge in global trade?
  • The country prides itself of its high quality products and their competitiveness. German cars, machines or chemical products are cutting edge in many sectors, and companies have been skilled in producing exactly what industrializing countries like China or Brazil were demanding — such as high-speed trains and advanced factory equipment. As a result, even though the world economy has been struggling in recent years, Germany’s exports have grown constantly.“
  • Although many BMWs or Siemens machines are marvelous examples of technology, their prices are artificially low. Germany has profited from a cheap euro for years (while less competitive euro-zone nations suffered). Because Germany shares the euro with poorer, less competitive countries like Portugal and Greece, its currency is cheaper than it would otherwise be.“
  • Germany on average has lower wages than Belgium or Ireland, though one could hardly argue that their economies have been as productive in the past years. The relatively small incomes of German workers contribute to the trade surplus, because they have relatively little to spend on imports.“
  • „The irony to all this is Germany isn’t even profiting that much from its record surpluses. All the money flowing in from abroad has to go somewhere, but solid investment options are scarce at the moment. In the past, the nation’s banks invested heavily in American subprime-loans or Greek bonds for example. We know how that played out. Like squirrels, we’re fiercely collecting nuts — but won’t find them in winter, German economist Daniel Stelter recently wrote in a column.“

bto: Die Argumente sind bekannt, zeigen aber eine zunehmend kritische Haltung bezüglich unserer Wirtschaftsstrategie. Protektionismus gepaart mit Forderungsausfällen dürfte hierzulande erhebliche politische Konsequenzen haben.

The Washington Post: „U.S. politicians love to attack China and Mexico for stealing jobs. Germany could be next.“, 9. September 2016

11 Antworten
  1. Michael Stöcker says:

    Diese kritische Haltung gibt es schon ein wenig länger. So hatte ich vor 2 Jahren die Wapo zitiert:

    „Now, the dummkopf fiscal policies of Merkel’s government have begun to threaten even the German economy (…) By enforcing austerity on Mediterranean nations with depression-level unemployment, Merkel has become a latter-day Clemenceau, imposing a neo-Versailles that weakens support for mainstream democratic parties and politics in those countries and fosters a climate where scapegoating and bigotry thrive. That’s a hell of a legacy for a chancellor of Germany.” https://zinsfehler.wordpress.com/2014/10/27/schuldmythen-und-das-dilemma-der-schwarzen-null/

    LG Michael Stöcker

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    • MFK says:

      Viele Länder der Südschiene, allen voran Griechenland sind überschuldet und zahlungsunfähig. Was dort durch die EU und den Währungsfonds geschieht, ist im Grunde genommen Konkursverschleppung. Ursache der Zahlungsunfähigkeit ist neben dem verfehlten EURO Konstrukt auch Mißwirtschaft (heute wurde z.B. das Haus des Gouverneurs der Bank of Greece in Zusammenhang mit Fehlverhalten seiner Frau durchsucht) und die beseitigt man nicht dadurch, dass man weiter Milliarden in diese Länder pumpt. Hierdurch verfestigt man nur korrupte, nicht nachhaltige Strukturen. Ich denke, die deutsche Linie ist einfach, passt erst einmal euer Verhalten an, dann kann man auch über einen Erlass der Schulden sprechen, aber eben nicht vorher. Alternativ kann Griechenland auch über einen EU Austritt verhandeln. Dann würden sicher auch Schulden erlassen und Übergangshilfen gewährt. Ein „weiter so“ bezahlt durch Dritte wird es aber nicht geben. Auch ständige Reformversprechen reichen nicht mehr aus. Es ist daher verfehlt, das deutsche Austeritätsverlangen isoliert zu sehen. Es muss genau in o.g. Zusammenhang gesehen werden. Ein Teil der Südschiene ist allerdings wohl reformunwillig und/oder reformunfähig. Früher oder später werden daher die Wähler entweder in den Geber- oder den Nehmerländern eine Entscheidung erzwingen, die die Politiker nicht trefen wollen.

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  2. Karl says:

    „how come Germany, a country that has one of the highest average incomes in the world, also has such an edge in global trade?“ … Wunderbar so etwas zu lesen, denn es zeigt, dass Wettbewerbsfähigkeit bei Weitem nicht allein mit Niedrigstlöhnen (wie in Südostasien) erreicht werden kann. Oder, wenn wie in den USA, 20 % der Menschen auf Lebensmittelmarken angewiesen sind.
    How Come? Weil man halt ein unvergleichlich besseres Gesamtsystem der Berufsausbildung hat und die schnelle Abzocke a la USA hier nicht so gefragt ist, sondern mehr langfristiges Denken – zum Glück. Stichwort German Mittelstand.
    Und es liegt wirklich nicht nur am Euro: Die Schweiz ist sogar noch wettbewerbsfähiger.
    Die Einkommen für gute Fachkräfte in den großen dt. Exportunternehmen sind alles andere als „relatively small“.
    Dass dieses Erbe von der derzeitigen Politik zunehmend bedroht wird, ist leider Fakt.
    Dass der Export in Dtld von dem „italianisierten“ Euro profitiert, ist aber auch nicht zu bezweifeln. Zinsen zu niedrig, Währung zu billig – den Preis bezahlt die breite Bevölkerung.

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  3. Dietmar Tischer says:

    >„Although many BMWs or Siemens machines are marvelous examples of technology, their prices are artificially low.>

    Das ist dummes Zeug.

    Die Preise können nicht künstlich niedrig sein, wenn wir bezüglich der Arbeitskosten beim verarbeitenden Gewerbe nach Belgien, Dänemark und Schweden auf dem vierten Platz innerhalb der EU liegen:

    https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2016/04/PD16_143_624.html

    Es sind ÜBERLEGENE Produkte zu hohen, aber AKZEPTABLEN Preisen.

    >The relatively small incomes of German workers contribute to the trade surplus, because they have relatively little to spend on imports.“>

    Das ist ebenfalls dummes Zeug.

    Die Deutschen – von den Chinesen und auch USA überholt – sind zwar nicht mehr Reiseweltmeister.

    Wir, mit gerade mal 82 Millionen Einwohnern, geben aber mit über US $ 80 Mrd. nicht viel weniger für Auslandsreisen aus als die beiden vor uns liegenden Nationen, deren Bevölkerung etwas 15 und 4 mal so groß ist.

    Da kann man doch nicht sagen, dass die Deutschen ein zu geringes Einkommen haben und daher nicht genügend importieren können.

    Fazit:

    Wir stehlen keine Jobs, sondern haben unsere im Wettbewerb durch Leistung errungen.

    Dass ein niedrig bewerteter Euro unserer Exportindustrie hilft, ist der Eurozone geschuldet und eine andere Sache.

    Dass wir angreifbar sind, weil der damit errungene Wohlstand von ANDEREN abhängt, ist wiederum eine andere.

    Und noch einmal eine andere ist es, dass wir nicht intelligent mit unseren Überschüssen umgehen.

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  4. Ondoron says:

    Deutschland muss raus aus dem Euro. Sagt ja jetzt sogar Stiglitz. Nur: Wenn man von den „Vereinigten Staaten von Europa“ träumt, dann passt ökonomische Erkenntnis eben nicht. Da werden die ganzen Juristen – auch die im Rollstuhl – die Pfarrer und Pfarrerstöchter, die Berufsschullehrer und Taxifahrer ganz still.

    Und dazu das Ponzi-Schema FIAT-Money. Da erheitern mich diese gestelzten, in ganze konstruktivistische Epik gehenden Diskussionsbeiträge hier im Forum. Ein Ponzi-Schema lässt sich nicht retten. Es ist zum Kollaps verurteilt…

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      • Dietmar Tischer says:

        Sehr verkürzt, aber im Kern wohl richtig.

        Wenn man ökonomische Grundbedingungen bei derartigen Gestaltungsexperimenten außer Acht lässt, kommt es in der Tat ganz anders als gedacht.

        Und jetzt?

        Jetzt ist man auf der Suche nach dem neuen NARRATIV, mit dem man die Menschen für die Fortführung begeistern kann.

        Es wird keines geben.

        Denn zu groß ist die Zahl derer, die den Glauben an jegliche Zauberformel verloren haben angesichts der LAGE, die Ihnen nicht Gutes verspricht.

  5. Uwe Stein says:

    >German cars, machines or chemical products are cutting edge in many sectorsGermany has profited from a cheap euro for years<

    Für den Export sicher zutreffend, der durch den (schwachen) EUR (im Vergleich zur festen D-Mark) angekurbelt wurde, aber eben nicht entscheidend. Zudem sollte der Effekt nicht überschätzt werden sollte, denn gut 40% der Ausfuhren gehen in andere Euro-Staaten.
    Demgegenüber stehen jedoch Wohlstandsverluste und geringere Währungsreserven, die der Euro bescherte. Wohlstandsverluste durch die mit dem Euro gesunkenen (und mit ihm nicht mehr direkt beeinflussbaren) Zinsen sowie durch verminderte reale Kaufkraftgewinne. Verringerte Währungsreserven, da der Exportüberschuss durch den Euro lediglich zu höheren Target-Forderungen führt und damit nicht Vermögenswerte repräsentiert.

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  6. Uwe Stein says:

    >German cars, machines or chemical products are cutting edge in many sectors<

    Das mag stimmen, aber sind halt Industrieprodukte aus der Kaiserzeit. Bei (wachstumsstarken) IT und digitalen Industrien hat Deutschland hingegen die Entwicklung verschlafen und spielt international keine Rolle. Einzige löbliche Ausnahme: SAP als global erfolgreiches Unternehmen.

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