Trumps Wirtschaftsprogramm ist ein Risiko für Europa – egal, ob er die Eiszeit überwindet oder nicht

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„Trumps Wirtschaftsprogramm ist ein globales Risiko“ titelt der sehr geschätzte Henrik Müller bei SPIEGEL und manager magazin online. Er ist damit voll auf der Linie der meisten Kommentatoren. Trump dürfte die Welt in die nächste Krise stürzen, weil seine Massnahmen gegen Freihandel und zur Stimulierung der US-Wirtschaft Zinsen und Dollar erhöhen. Die Argumentation geht wie folgt:

  • Eines sei sicher: „Wenn er seine kruden finanzpolitischen Ankündigungen aus dem Wahlkampf auch nur teilweise wahrmacht, ist die Zeit ultraniedriger Zinsen vorbei. Die Folgen wären weltweit spürbar. In einer Welt extrem hoher Verschuldung müssen wir uns auf schwere ökonomische Schocks einstellen.“ bto: Das wäre der Margin Call für die Weltwirtschaft, den auch ich befürchte.
  • „(…) Reagan war bereit, massive außenwirtschaftliche Defizite hinzunehmen, um sein Ausgabenprogramm finanzieren zu können. (…) Trump hingegen will US-Arbeitsplätze vor ausländischer Konkurrenz schützen. Das chronische Außenhandelsdefizit will er abbauen. (…)  Die Eurozone und insbesondere Deutschland, die hohe Überschüsse gegenüber den USA fahren, könnten als nächste am Pranger stehen.“ bto: Und das werden wir auch. Die erneute Bestätigung für die Dummheit unseres Export-Fetischismus.
  • Sollte Trump tatsächlich ein großes schuldenfinanziertes Ausgabenprogramm ins Werk setzen, wird Amerika Billionen Dollar im Ausland borgen müssen. Dafür wird er deutlich höhere Zinsen bieten müssen als bisher.“ bto: Das verstehe ich nicht ganz. Sollte die Fed die Zinsen tief halten wollen, könnte sie das wohl und damit die Finanzierung übernehmen.
  • Wertet in der Folge der Dollar auf, wie in den frühen achtziger Jahren unter Reagan, würde das US-Handelsdefizit steigen, statt, wie von Trump versprochen, sinken. Betriebe würden an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, weiterer Jobabbau inklusive.“ bto: Das stimmt und deshalb muss alles getan werden, um den Dollar abzuwerten, was wiederum zur Rolle der Fed führt. Helikopter-Geld.
  • Kein unrealistisches Szenario: Während die Bauindustrie boomt, gehen weitere Industriearbeitsplätze im Rostgürtel des amerikanischen mittleren Westens verloren (…). Eine hochgradig expansive Finanzpolitik würde zuvörderst Amerikas Binnenwirtschaft nützen auf Kosten der außenwirtschaftlich aktiven Industrie.“ bto: Das wäre logisch die Folge, wenn Trump wirklich so vorgehen würde.
  • Eine Kaskade von Dumpingvorwürfen und Strafzöllen wäre wohl das Resultat.“ bto: ja. 
  • Ohnehin wird ein Trumpsches Ausgabenprogramm auf eine Volkswirtschaft treffen, die bereits heute nahe der Vollbeschäftigungsschwelle arbeitet und die inzwischen kräftige Lohnzuwächse produziert.“ bto: Das sehe ich anders, siehe die tiefe Erwerbsbeteiligung.
  • Bei anziehenden Inflationsraten müsste eigentlich die Fed reagieren und die Geldpolitik rascher straffen – Gift für die von Trump versprochenen hohen Wachstumsraten. Entsprechend dürfte der Druck auf die Notenbank in diesem Szenario zunehmen, die Zinsen niedrig zu halten und höhere Preissteigerungsraten hinzunehmen.“ bto: unbedingt! Denn wir wollen doch die finanzielle Repression, um die Schuldenlast zu mindern!
  • Trumps wirtschaftspolitischer Kurs, soweit bislang absehbar, hat das Zeug, die Weltwirtschaft zu verändern und zwar nicht zum Besseren. Die Ära extrem niedriger Zinsen und Inflationsraten dürfte zu Ende gehen; die Unabhängigkeit der Notenbanken ist gefährdet; die internationale Arbeitsteilung dürfte zurückgedreht werden.“ bto: Es bleibt eine weitere Episode der Eiszeit.

bto: Das ist das Szenario des „harten“ Trump. Es könnte aber auch anders kommen, wie ich ebenfalls beim mm ausgeführt habe:

Macht Donald Trump wahr, was er angekündigt hat, kann er die USA aus der Eiszeit führen und den Euro in die finale Krise stürzen. Beides wäre letztlich gut.

Viel wurde geschrieben und gejammert über den Wahlsieg von Donald Trump. Blickt man auf sein Wahlprogramm, muss man nüchtern festhalten, dass es der bis jetzt beste Vorschlag ist, die ökonomische Eiszeit säkulare Stagnation genannt in der westlichen Welt zu überwinden. Das scheinen auch seine Anhänger zu hoffen, die schon vor der Wahl nüchtern auf seine anderen Wahlversprechen schauten, jedoch ihre wirtschaftliche Lage nicht mehr länger akzeptieren wollten.

Wie immer wieder an dieser Stelle erläutert, haben wir zwar seit 2009 eine neue globale Depression verhindert, in dem wir Geld noch billiger und noch mehr Schulden gemacht haben. Doch diese Medizin kann nicht heilen. Im Gegenteil sieht es überall schlechter aus als 2009: Die Schulden sind höher, das Wachstum bleibt schwach und die Vermögenswerte lösen sich immer mehr von der realwirtschaftlichen Realität.

Auch in den USA, die verglichen mit uns in Europa noch deutlich besser dastehen, ist diese realwirtschaftliche Realität trübe. So ist die offizielle Arbeitslosenquote zwar sehr gering, die Erwerbsbeteiligung von Männern und Frauen im Alter zwischen 25 und 54 liegt allerdings auf den tiefsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg. Und auf die kommt es letztlich an. Kein Wunder, dass das Medianeinkommen der US-Haushalte auf dem Niveau des Jahres 2000 liegt, während die Lebenshaltungskosten, gerade auch für Bildung und Gesundheit, explodiert sind. Zeitgleich stieg der Anteil der Top-ein-Prozent an den Vor-Steuereinkommen auf einen Rekordstand von 18 Prozent und die Vermögenswerte gingen Dank der Rettungspolitik der Fed durch die Decke. Angesichts dieser Fakten sollte jeder verstehen, dass die Amerikaner einen Wechsel wollten. Eine neue Politik.

Eine neue Politik

Diese neue Politik scheint Trump in der Tat umzusetzen. Ein massives Investitionsprogramm in Infrastruktur im Volumen von einer Billion US-Dollar und Steuersenkungen dürften eine erhebliche Wirkung auf Beschäftigung, Löhne und damit auch Inflation in den USA haben. Ein solcher Konjunkturaufschwung würde mehr Leute in Arbeit bringen und zugleich die Schuldenlast der privaten Haushalte tragbarer machen. Kombiniert Trump dies mit einer Steuersenkung für die im Ausland gebunkerten Gewinne der US-Konzerne, könnte er einen Teil des Programmes aus diesen Erlösen finanzieren, den Rest dürfte er trotz des Zinsanstiegs der letzten Wochen am Kapitalmarkt bekommen im Zweifel von der Fed.

Damit setzt Trump genau die Politik um, die bisher von linken Nachfrageökonomen wie Paul Krugman und Larry Summers gefordert wird. Ein zunehmender Protektionismus ist übrigens logisch konsistent: Beginnen die US ein derartiges Programm der Konjunkturstimulierung würde dies zu einem erheblichen Anstieg der Nachfrage und damit des Handelsdefizites führen. Ein guter Teil des Programmes würde also nicht US-amerikanischen Firmen und Arbeitern nutzen, sondern deutschen und chinesischen. Aus diesem Blickwinkel sind Strafzölle ein Weg, die Wirkung der Stimulation mehr auf die USA zu fokussieren.

Selber schuld, wenn ihr nichts macht 

Natürlich ist es besser, den Freihandel zu erhalten und nicht in eine Welle des gegenseitigen Protektionismus einzusteigen. Doch ganz verdenken kann man es Trump nicht so er denn die Sache so integriert betrachtet wie hier dargelegt. Weshalb sollen die USA alleine die Hausaufgaben für die Welt machen? Würden die Europäer zeitgleich wie die USA ein ähnliches Konjunkturprogramm auflegen, würden auch sie entsprechend die Nachfrage steigern und neben mehr Exporten in die USA auch ihrerseits mehr importieren, wäre es aus Sicht der USA nicht erforderlich protektionistisch zu handeln.

Die Regionen würden sich gleichgewichtig entwickeln und deutlich besser, als wenn es nur eine Region macht. Da dies jedoch höchst unwahrscheinlich ist, angesichts der Struktur der EU und des Euroraumes und der stark unterschiedlichen Interessen der einzelnen Regierungen, ist es aus Sicht der USA nur konsequent auf die eigenen Interessen zu schauen.

Protektionismus ist das logisch konsistente Gegenstück zu einem einseitigen massiven Konjunkturprogramm. Ob uns das nun schmeckt oder nicht. Wollen wir Handelsbeschränkungen vermeiden, sollten gerade die deutschen Politiker aufhören den neuen Präsidenten zu beschimpfen und sich überlegen, was man den USA im Rahmen der Gespräche der kommenden Wochen anbieten sollte. Wie wäre es mit einem ähnlichen Konjunkturprogramm zu Aufrüstung der europäischen gerade auch der deutschen! (Straßen, Schulen, Breitband, …) Infrastruktur? Damit würde auch Europa endlich die Hausaufgaben machen und zumindest in einer Hinsicht, die ökonomische Eiszeit überwinden.

Davon unbenommen bleiben die offenen Hausaufgaben im Bereich der Sanierung der Banken und der Restrukturierung der Schulden. Doch auch diese ließe sich bei besserer Konjunktur leichter bewerkstelligen und politisch umsetzen als in der heutigen Lage.

Der Druck auf den Euro wächst

Handelt Europa nicht, dürften die Auswirkungen des Programms der neuen US-Administration den Druck auf die Eurozone erhöhen. Sinken die deutschen Exporte aufgrund von Handelsbeschränkungen, wird die einzige funktionierende Volkswirtschaft weniger zum ohnehin schon geringen europäischen Wachstum beitragen. Sollte der US-Dollar sich abschwächen, wonach es bis jetzt allerdings nicht aussieht, würde das den Druck auf die Exporte aus der Eurozone weiter erhöhen. Damit blieben die Krisenländer Spanien, Portugal, Italien und Frankreich weiterhin in ihrer Dauerstagnation gefangen, die faulen Schulden würden immer weiter ansteigen und das Bankensystem noch fragiler als es ohnehin schon ist. Sollte ein von den US ausgehender Zinsanstieg auch auf Europa ausstrahlen, würde dies die Probleme der Schuldner weiter erhöhen.

Diese verschiedenen Szenarien sind inkonsistent und werden deshalb nur in bestimmten Kombinationen eintreten. Allen gemein ist jedoch, dass der Druck auf den Euro-Kessel steigt. Und damit die Wahrscheinlichkeit von politischen „Unfällen“. Das Referendum in Italien, die Wahlen in Holland und Frankreich bieten die nächste Gelegenheit dazu. Doch selbst wenn diese aus dem Blickwinkel von EU und Euro noch glimpflich verlaufen sollten, dürfte spätestens bei einem sichtbaren Erfolg der Politik Trumps in den USA, eine breite Bewegung für einen Politikwechsel in der Eurozone einsetzen. Es käme zur finalen Krise des Euro, die die Politik des Spiels auf Zeit beenden würde. Die Politiker müssten entweder die Strukturprobleme in einem gemeinsamen Ansatz lösen oder aber einen Zerfall hinnehmen. So unangenehm dieses Szenario ist, es würde immerhin den letztlich unhaltbaren Ist-Zustand beenden.

Gerade wir Deutschen müssen uns dringend auf dieses Szenario einstellen: als Politiker, als Unternehmensführer und als Sparer.

→ manager-magazin.de: „Trumps Wirtschaftsprogramm ist ein globales Risiko“, 13. November 2016

→ manager-magazin.de: „Trump kann die Eiszeit überwinden“, 14. November 2016

9 Antworten
  1. Ludwig Büchner says:

    Hallo Herr Stelter,

    wieder eine gute Analyse, schade das es derzeit so wenig rationale Betrachtungen gibt. Mit dem Einstellen auf die möglichen Szenarien beschäftige ich mich auch schon ein paar Tage und bin bei einer Frage hängen geblieben, bei der mich Ihre Meinung interessieren würde: Das Steuersenkungsthema ist ja gesetzt, da werden wir keine Überraschungen erleben. Beim Investitionsprogramm hingegen gibt es ja auch die Möglichkeit, das über PPP zu machen und die Billionen die derzeit in der Welt rumliegen, einzusammeln. (Sie erinnern sich an den Junkerplan, die US Regierung hätte aber schon bessere Karten, die Umsetzung auch zu erzwingen) Die zukünftige Regierung macht nur die Anschubfinanzierung, also wenig neue Schulden, garantiert aber eine Rendite. Mit den einem Steuererlass für die thesaurierten Gewinnen der Techfirmen etc. bekäme man schon ein hübsches Billionenprogramm hin. Bezahlt wird erst sehr viel später und zwar von den Bürgern, die die dann private Infrastruktur nutzen. Diese bedeutet aber, KEINE neuen Schulden, keine wundersame Geldvermehrung, stattdessen Abziehen aus der ganzen restlichen Welt, was ja bis 2008 immer ein Erfolgsrezept der Amerikaner gewesen ist.
    Für mich als Unternehmer hieße das doch: Very strong Dollar, Liquiditätsprobleme in EMEA. Als Sparer sollte ich also in USD tauschen, als Unternehmer zunächst mal Cash horten.
    Aber was dann ?

    Antworten
    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter says:

      Lieber Herr Büchner,

      ich finde Ihre Argumentation/Schlussfolgerung zu 100 Prozent richtig. Hinzu kommt noch der Effekt auf die Regionen, die den Geldabzug erleiden. Darunter sind auch wir, weshalb es eben das Ende des Euro offiziell einleitet. Strategie richtig, wobei ich immer diversifizieren würde und nicht nur auf USD setzen. In Summe ein erhebliches Risiko für die Weltwirtschaft.

      Antworten
  2. Dietmar Tischer says:

    Zu Müllers Sicht der Dinge hatte ich hier

    http://think-beyondtheobvious.com/stelters-lektuere/reflationsthese-in-aller-munde/

    bereits etwas gesagt. Erlaube mir dies zu wiederholen

    Sie hat m. A. n. zwei Defizite:

    a) Sie nimmt den Wahlkämpfer Trump beim Wort (hard Trump) und erwägt nicht den nach Lage der Dinge sehr viel wahrscheinlicheren soft Trump, also einen, der nicht als Diktator regieren kann, sondern u. a. auch an die institutionalisierten Entscheidungsrituale in Washington und den Interessenausgleich in seiner Partei gebunden ist.
    Nur auf dieser Basis eines hard Trump kann man ein Scheitern prognostizieren, allerdings gehört dazu nicht viel.
    Ich gehe wie AEP von einem soft Trump aus. Für mich ist schon der hoch risikoreich und ein Scheitern schließe ich nicht aus.

    b) Müller sagt: >Sollte Trump tatsächlich ein großes schuldenfinanziertes Ausgabenprogramm ins Werk setzen, wird Amerika Billionen Dollar im Ausland borgen müssen.>

    Nicht unbedingt.

    Er müsste lediglich die Top-Entscheider der Fed durch gefügiges Personal ersetzten. Die Fed könnte dann das Defizit der USA in beliebiger Höhe finanzieren (Helikoptergeld). Das ist nicht ganz einfach und auch nicht über Nacht zu machen, es gäbe jedenfalls erhebliche Widerstände, wenn die Absicht offensichtlich würde. Denn diese Art der Finanzierung kann – wie hier oft genug diskutiert – als Angriff auf die Assets gewertet werden. Diesbezüglich versteht man in Amiland keinen Spass. Es ist aber auch nicht unmöglich.

    Müller hat offensichtlich nicht bto gelesen, Dr. Stelter letzten Kommentar Punkt 5:

    >Dazu müssten die Notebanken aktiv die Zinsen tief halten. Es ist umstritten, ob sie es könnten. Ich denke im Expremfall mit der Zusage alles zu einem bestimmten Preis zu kaufen ja.>
    Es ist umstritten, aber nicht absolut ausgeschlossen. Dies umso mehr als es bei Müller nur um das Staatsdefizit geht, bei Dr. Stelter jedoch um „alles“.
    Ergänzung dazu:

    Die Automobilindustrie macht bereits mobil gegen den hard Trump und Yellen will bis Ende 2018 im Amt bleiben.

    Antworten
  3. Dietmar Tischer says:

    Zu Dr. Stelters „Eine neue Politik“:

    >Ein massives Investitionsprogramm in Infrastruktur im Volumen von einer Billion US-Dollar und Steuersenkungen dürften eine erhebliche Wirkung auf Beschäftigung, Löhne und damit auch Inflation in den USA haben. Ein solcher Konjunkturaufschwung würde mehr Leute in Arbeit bringen und zugleich die Schuldenlast der privaten Haushalte tragbarer machen. Kombiniert Trump dies mit einer Steuersenkung für die im Ausland gebunkerten Gewinne der US-Konzerne, könnte er einen Teil des Programmes aus diesen Erlösen finanzieren, den Rest dürfte er trotz des Zinsanstiegs der letzten Wochen am Kapitalmarkt bekommen – im Zweifel von der Fed.>

    Es ist nicht ausgeschlossen, dass dieser Mechanismus ins Rollen kommt.

    Es gibt aber erhebliche Hürden:

    http://www.mrinetwork.com/articles/industry-articles/construction-industry-sees-steep-rise-in-employment/

    >Unemployment among former construction workers reached its lowest April number in 16 years, coming in at 530,000, according to the source.>

    JETZT schon, noch bevor die Billionen losgetreten werden.

    Das sind die mit Erfahrung – kein Riesenpotenzial für ein Investitionspro-gramm, das vornehmlich auf die Erneuerung der Infrastruktur gerichtet ist.

    Die Erwerbsbeteiligung wird in dieser Branche nicht wesentlich steigen, wenn die QUALIFIKATION der bisher nicht Arbeit Suchenden nicht hinrei-chend ist. Ich kann das nicht verifizieren, habe aber irgendwo gelesen, dass die amerikanische Bauindustrie händeringend qualifizierte Leute sucht, aber nicht findet.

    Hier ein aktueller Überblick über die Gesamtsituation in der amerikanischen Bauwirtschaft:

    http://www.bls.gov/iag/tgs/iag23.htm

    Ich frage mich, ob das Potenzial dieser Branche hinreichend ist, um die Initialzündung für die GESAMTE Volkswirtschaft auszulösen.

    Überlegungen zur Finanzierung:

    http://finance.yahoo.com/news/going-pay-trump-huge-infrastructure-101500709.html

    Wenn die Infrastrukturprojekte PRIVAT finanziert werden – es liegt m. A. n. nahe, wenn die GOP und Trump das Sagen haben –, dann sind satte Renditen mit starken inflationären Ef-fekten und Zinserhöhungen eingepreist.

    Die verheißen nichts Gutes.

    Antworten
    • Michael Stöcker says:

      Vertrauen Sie hier einfach den Marktkräften: https://makroskop.eu/2016/11/das-investitionsprogramm-von-trump-kein-problem/.

      Die private Finanzierung verschärft insbesondere die Dynamik der Vermögens-/Schuldenkonzentration. Auf die naheliegendste Idee einer Steuerfinanzierung kommt Trump natürlich nicht. Aber damit passt Trump ganz ins Schema unserer Sozi-Volksverräter vom Schlage Gabriel. Weiß er es nicht besser oder hofft auch er auf den Judaslohn?

      LG Michael Stöcker

      Antworten
      • MFK says:

        Ich denke, Sie haben hier recht. PPP muss die Mehrkosten, die eine private Finanzierung + Profit gegenüber einer günstigeren staatlichen Finanzierung ohne Gewinnmarge erst einmal über eine höhere Projekteffizienz wieder reinholen. Dies gelingt in failed states wie Berlin immer, aber eben nicht überall. Ich denke Donald Trump ist hier immer noch in seiner alten Sicht des Immobilien-Unternehmers verfangen. Er wird aber schnell lernen. Diese Lernfähigkeit billige ich ihm eher zu als Clinton, weswegen ich denke, seine Wahl ist ein Gewinn für Amerika. Wer Frauenrechte höher einschätzt, kann ja Frau le Pen unterstützen oder Frau Petry (beliebig ergänzbar).

        Zu Helikopter Money biete ich Ihnen eine Wette an (Briten wetten ja gerne). Eher wird die Eurozone zerbrechen, als wir hier HM sehen werden. Und das ist auch gut so. Erstens sind Zentralbanken nicht unabhängig. Ein Kollege von Dr. Stelter hat hierzu einen erstklassigen Beitrag in bto verfasst. Wer trotzdem glaubt, Herr Weidmann oder Draghi seien unabhängig, glaubt auch an den Weihnachtsmann. Zweitens ist es in der Praxis schwierig das richtige Maß für HM zu finden (Turner verweist auf eine L-shaped Exponentialfunktion). Zu wenig nützt nichts, zu viel schadet. Ich bin aber ganz bei Ihnen, dass es besser wäre, kleinere monatliche Beträge zu gewähren, als eine hohen Einmalbetrag. Drittens halte ich den massendemokratischen Wohlfahrtsstaat generell für unfähig ein solch mächtiges Institut wie HM zu beherrschen. Es hat gute (historisch begründete Gründe, warum dieses ein Tabu in D ist). Auch Turner hält HM in Brasilien für unverantwortlich. Warum sind deutsche Politiker besser als brasilianische? In der Eurozone kommt hinzu, dass es der deutsche Wähler niemals hinnehmen wird, dass dem „faule“ Südeuropäer hierdurch geholfen wird. Das politisch schlechthin nicht vermittelbar. Viertens würde ich HM von strukturelle Reformen abhängig machen, i.e. einer Reform des Geldsystems. Spätestens hier wird es scheitern.

  4. Paul Ziegler says:

    Der Vergleich Trump-Reagan trifft vielleicht auf manche Bereiche zu – aber sicher nicht auf die Währungsseite. Die USA hatten 1980 30% Staatsverschuldung und 14% Zinsen p.a.! Volcker hatte gerade erst den Dollar stabilisiert mit 18% FED-Fund Rates in der Spitze, nachdem der Dollar zuvor 10 Jahre wild abgewertet hatte. Wie soll sich das wiederholen? Ich denke viel eher, eine Abwertung à lá 70er Jahre steht uns gerade erst bevor. Und als es in den USA zuletzt große (fiskalische) Stimuluspakete gab, unter Bush nach dem 11.9. und 2009-2011, kam es jeweils zu deutlichen Abwertungen des US-Dollars. Ich erwarte eher ein solches Szenario, was ja, wie hier bereits desöfteren beschrieben, zu Trumps Strategie passt und das Außenhandelsdefizit reduzieren helfen wird.
    Zum Thema Nachfrage-Stimulation denke ich vielmehr, dass es in den USA, wie auch in Südeuropa, zuviel (Konsum-) Nachfrage gibt! Die Handelsbilanzdefizite spiegeln das wider, sowie Statistiken zu Produktivität und wie hier erwähnt zur „Laborforce Participation“. Und die steigenden Löhne in den USA (kräftig?? bei 0,8%?) sind vielmehr auf Mindestlohn-Erhöhungen und steigende Kosten für Gesundheitsversicherungen („Lohnnebenkosten“) zurückzuführen.
    Ich kann mich der Dollar-Euphorie nicht anschließen, der profitiert nur von der Schwäche der Vergleichspartner € und ¥ und der kurzsichtigen Reagan-Vergleiche.

    Antworten
  5. Michael Stöcker says:

    Zum Wochenende noch drei Links für alle, die unser Geldsystem verstehen möchten. Zum einen ein sehr gute Veranstaltung der Geldsystempiraten mit Raimund Brichta aus dem Jahre 2012 (ich stimme mit Brichta in fast allen Punkten überein; Ausnahme: sein debitistischer Fatalismus) https://www.youtube.com/watch?v=Tx2GVzaLxLU.

    Zum zweiten ein Vortrag von Tobias Deiters: https://www.youtube.com/watch?v=yCfq4QtH7kQ&t=3523s.

    Und dann noch etwas Nachhilfe für deutsche Studenten von dem von mir sehr geschätzten Dirk Bezemer: https://www.youtube.com/watch?v=GjuA5wl4j-g&t=3206s.

    LG Michael Stöcker

    Antworten
  6. Dietmar Tischer says:

    @ MFK

    > Eher wird die Eurozone zerbrechen, als wir hier HM sehen werden>

    Kann durchaus sein, aber wetten würde ich nicht darauf.

    Wenn die Eurozone NUR durch HM zu retten wäre (nach Meinung der Polit- und Geldmacherelite), dann würde HM eingeführt werden. Die normative Kraft des Faktischen setzt Regeln außer Kraft.

    > Drittens halte ich den massendemokratischen Wohlfahrtsstaat generell für unfähig ein solch mächtiges Institut wie HM zu beherrschen.>

    Die Erfahrung spricht für diese These, besser kann man es nicht sagen.

    > Warum sind deutsche Politiker besser als brasilianische?>

    Sie sind nicht besser, sondern können lediglich unter günstigeren Bedingungen agieren – noch.

    Antworten

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