„Schwellenländer – die billige Zukunft“

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Dieser Kommentar erschien bei WirtschaftsWoche Online:

Schon bald werden die Emerging 7 (E7) die G7 überholt haben. Doch nicht nur das, sie sind auch die einzigen Märkte, die noch halbwegs preiswert sind. Wirkliche Strategen investieren dort.

Schon vor einigen Wochen habe ich an dieser Stelle gezeigt, dass nur die Schwellenländerbörsen noch relativ preiswert sind und zudem von einer guten fundamentalen Entwicklung profitieren. Die US-Börse hat schon längst jedes vernünftige Maß verloren und dürfte sich in der Endphase der Aufwärtsentwicklung befinden. Europa ist günstiger, aber nicht billig. Die ungelösten Probleme der EU und Eurozone gepaart mit der demografischen Entwicklung und dem Hang auf Umverteilung statt Investitionen zu setzen, dürften den Prozess des Weiteren absoluten und vor allem relativen Niedergangs beschleunigen.

Von halb zu doppelt so groß

Das BIP der E7 – der Emerging 7 – China, Indien, Indonesien, Brasilien, Russland, Mexiko und die Türkei lag 1995 bei rund 50 Prozent des BIP der G7 (USA, Japan, Deutschland, UK, Frankreich, Italien und Kanada). 2015 waren die beiden Blöcke etwa gleich groß. Schon im Jahre 2040 dürften die E7 doppelt so groß sein, wie die G7. Natürlich sind solche Prognosen mit erheblicher Unsicherheit verbunden. Vielleicht gelingt dem Westen eine Revolution, vielleicht fällt China – der unstrittigen Nummer 1 unter den E7 – der Schuldenberg auf die Füße.

Die demografische Entwicklung, steigende Bildung und ein gigantischer Nachholeffekt sprechen jedoch für die Schwellenländer. Vor allem Indonesien (von Platz acht auf Platz vier im Weltranking nach BIP bis 2050), Vietnam (von 32 auf 20), die Philippinen (von 28 auf 19) und Nigeria (von 22 auf 14) sollen nach einer Studie von PWC davon profitieren.

Angesichts dessen, was zurzeit an den Weltfinanzmärkten passiert, könnte man denken, diese fundamentale Verschiebung spiele keine Rolle. Solange die Notenbanken Liquidität in die Märkte pumpen – und das machen sie weltweit trotz US-Tapering noch immer – und das Versprechen abgeben, dass Vermögenswerte nicht sinken können, gibt es doch keine Alternative als voll investiert zu sein. Könnte man meinen.

Nullrendite im Westen

Der Preis für dieses Spiel der Notenbanken ist hoch. Dabei muss es gar nicht zu einem Crash kommen. Auch so bedeuten hohe Kaufpreise nichts anderes als beständig niedrige Renditen. Der Bostoner Vermögensverwalter GMO prognostiziert auf heutigem Niveau negative Renditen für US-Blue Chips für die kommenden Jahre. Die fundamentale Entwicklung setzt sich am Ende durch. Und wir können uns nicht endlos über ein schwaches Wachstum der Realwirtschaft und bereits rekordhohe Gewinnquoten hinwegsetzen. Weiteres Wachstum der Unternehmensgewinne ist nur denkbar, wenn die Gewinnquote weiter zulasten der Lohneinkommen steigt. Ausgeschlossen ist das nicht, angesichts der zunehmenden sozialen Spannungen jedoch nicht sehr wahrscheinlich.

Hoch bewertete Assetpreise, Geldpolitik am Ende der Möglichkeiten und das Risiko von Schocks, wie zunehmendem Protektionismus, machen Cash als Anlageklasse hoch attraktiv. Was sind schon ein paar Prozent sicherer Verlust gegen das Risiko empfindlicher Verluste beim nächsten Crash, der zudem das Zeug dazu hat, letzte Einbrüche in den Schatten zu stellen?

Billige Schwellenländer

Auf mittlere Sicht bieten nur die Schwellenländer erfolgversprechendere Aussichten. Die fundamentale wirtschaftliche Entwicklung ist besser und die Bewertungen günstiger. Letzteres hat natürlich auch mit dem Risiko in diesen Märkten zu tun. Zum einen hat die Asienkrise gezeigt, dass die besten Langfristpotenziale durch kurzfristige Fehler – in diesem Fall hohe Auslandsverschuldung – zunichtegemacht werden können. Zum anderen gibt es erhebliche politische Risiken. Deshalb notieren russische Aktien seit Jahren auf tiefem Niveau. Deshalb machen Investoren angesichts der Politik Erdogans einen zunehmend großen Bogen um die Türkei, die zudem bedenklich hoch in Fremdwährung verschuldet ist.

Diese Risiken schlagen sich in der Bewertung nieder. Immerhin waren die Schwellenländer noch nie in diesem Jahrhundert so billig relativ zu den Märkten im Westen, vor allem im Vergleich zu den USA. Dies sehen auch Investmentmanager so, die in der letzten Umfrage der Bank of America zu 44 Prozent der Meinung waren, die Schwellenländer wären unterbewertet. 81 Prozent hielten die US-Märkte für überbewertet. Auf diesem Niveau dürften die Märkte nach unten abgesichert sein und die laufende Dividendenrendite ist ebenfalls attraktiv.

Entgegen meiner sonstigen Präferenz bietet sich der Kauf von Fonds für diese Regionen an. Bei einer ausreichenden Haltedauer eine Investition mit geringem Risiko. Natürlich kann man auch mit hiesigen Multinationals an der Entwicklung der E7 partizipieren. Von BMW bis Coca-Cola dürften die Unternehmen profitieren. Angesichts der Bewertungsniveaus sprich jedoch viel für eine Investition in die Märkte direkt.

Balanciertes Portfolio

In unserer grundlegenden Assetallokation reduzieren wir die gut gelaufenen Märkte – also vor allem die USA – im Aktienanteil zugunsten der Schwellenländer. Ansonsten bleiben wir bei Cash, Gold und Immobilien

→  wiwo.de: „Schwellenländer die billige Zukunft“, 13. April 2017

2 Antworten
  1. MFK says:

    Mit derartigen Investitionen haben sich in der Vergangenheit schon viele Investoren eine blutige Nase geholt, einfach weil sie das Währungsrisiko vernachlässigt haben. Aber bekanntlich wird dieses Mal alles anders.

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  2. Wolfgang Selig says:

    Neben dem von MFK erwähnten Währungsrisiko ist m.E. vor allem die Seriösität der Aktienmärkte an sich in den Schwellenländern ein Problem. Wenn selbst Großinvestoren wie Paulson bei Aktien wie Sino-Forest um neunstellige Beträge erleichtert werden, wie soll das dann der Kleinanleger bewältigen? Wer sagt mir, dass ich als ausländischer Investor in China oder der Türkei bei politischen Änderungen nicht diskriminiert werde, z.B. beim Exit? Bei den Multinationals mit Börsennotierung an den hochregulierten und transparenten Standorten wie etwa Adidas oder den von Ihnen genannten BMW oder Coca-Cola schläft man einfach besser. Und die meisten Investoren dürften folgenden bekannten Satz unterschreiben: I do not worry about the return on my money but on the return of my money.

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