„Kritisch-wissenschaftlicher Blick auf die Schuldenkrise“

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Folgende Rezension fand ich kürzlich im Netz. 

Staatsschulden sind seit einigen Jahren ein Thema, das alle beschäftigt – davor hatte es so gut wie niemanden interessiert, dass die Schuldenberge überall immer weiter wuchsen. In seinem Sachbuch „Die Billionen-Schuldenbombe“ erklärt Daniel Stelter die Hintergründe, unterstützt unter anderem durch den Thriller-Autor Veit Etzold sowie Ralf Berger und Dirk Schilder.

Der Untertitel des Buches sagt schon viel über den eigentlichen Inhalt aus: „Wie die Krise begann und warum sie noch lange nicht zu Ende ist“. Stelter, der von seinem Verlag als „Finanzkrisenexperte“ vorgestellt wird, verdient sein Geld als Journalist und Sachbuchautor; er schreibt seit Jahren über Wirtschaftsthemen und ist in der Lage, komplexe Sachverhalte so darzustellen, dass zumindest der interessierte Laie sie versteht.

Ohne Vorkenntnisse hat man allerdings wenig Chancen, das Buch mit Genuss zu lesen – soviel sei vorgewarnt … Stelter erzählt, wie die Schulden in den westlichen Industrieländern entstanden sind, wie sie sich gesteigert haben und wie es ab 2008 zur aktuellen Schuldenkrise kam. Diese ist noch lange nicht vorüber, und das liegt beileibe nicht nur an Griechenland allein.

In seiner Analyse ist Stelter sehr klar und direkt. Mit vielen Statistiken untermauert er die Fakten, es gibt zudem einen umfangreichen Anmerkungen-Teil. Wer will, kann das also alles im Detail nachlesen.

Aus aller Analyse resultieren für Stelter und seine Koautoren eine Reihe von Entscheidungen, die getroffen werden sollten. Das ist dann sehr spannend, weil er Entscheidungen fordert, die nicht jeder mag – ein späteres Renteneintrittsalter beispielsweise.

Stelter ist ein Autor, der nicht in allgemeine Schuldzuweisungen verfällt. Das finde ich gut. Gut finde ich darüber hinaus, dass er nicht in ein Links-Rechts-Schema einzuteilen ist. Manche seiner Vorschläge würden eher als „links“ betrachtet werden, manche wären für die Gewerkschaften und die „linken“ Parteien nur schwer zu schlucken.

Aber vielleicht muss man so an die Krise rangehen: nicht ideologisch, sondern pragmatisch. Und das heißt, dass man sich anguckt, woher die Schulden kommen und wie man ihnen sinnvoll begegnen kann. Leider ist nicht damit zu rechnen, dass bei den Politikern und Wirtschaftsfachleuten diese Weisheit in absehbarer Zeit ankommen wird …

Das macht das Buch aber umso lohnender: für die eigene politische Meinung ebenso wie für den Hintergrund. Es ist sogar als Nachschlagewerk brauchbar, finde ich – und bei der nächsten „großen Krise“ kann ich’s wahrscheinlich gleich noch mal lesen.

Erschienen ist das Buch bereits im Frühjahr 2013. Dass es immer noch so aktuell ist, finde ich geradezu erschütternd. Ich habe mir die Hardcover-Version besorgt, es gibt aber auch ein E-Book. Und verlegt wurde es von Wiley-VCH in Weinheim, auf deren Internet-Seite sich einige weitere Informationen zum Buch finden.

→ ENPUNKT Tagebuch: „Kritisch-wissenschaftlicher Blick auf die Schuldenkrise“, 27. Juli 2015

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