„Die Sandwich-Generation“

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Dieser Kommentar erschien bei manager-magazin.de:

„Uns geht es gut“, jubelte unlängst SPIEGEL ONLINE. Neue Zahlen des Finanzkonzerns Allianz belegen, dass die Geldvermögen weltweit weiter anwachsen, beinahe doppelt so schnell wie die Wirtschaftsleistung. Zwar merken die Experten der Allianz kritisch an, dass dies auch auf die Politik des billigen Geldes der Notenbanken zurückzuführen ist, die alle Vermögenswerte von Anleihen über Aktien bis zu Immobilien nach oben treibt. Dennoch blieb das gute Gefühl: Wir werden immer reicher. Noch erfreulicher dabei ist die Tatsache, dass auch die Mittelschicht profitiert, es also nicht nur in die Taschen der oberen 10 Prozent fließt.

Schaut man genauer hin, muss man jedoch konstatieren, dass es keinen Grund zum Jubel gibt. Vordergründig mag es uns finanziell gut gehen, in Wahrheit stellt sich die Situation völlig anders dar. In den kommenden Jahren werden wir recht unangenehm aus unseren Träumen erwachen, doch da sind die Meldungen von heute lange vergessen. Dies liegt vor allem an diesen Ursachen:

  • Die Erträge der kommenden Jahre wurden durch die heute bejubelten Wertzuwächse bereits vorweggenommen. Doch kommt es mit Blick auf die Altersvorsorge auf den gesamten Ertrag an.
  • Während die Finanzmärkte von den steigenden Bewertungen profitieren, wachsen zugleich die Lücken in den privaten und staatlichen Altersvorsorgesystemen.
  • Parallel zum Anstieg der Vermögen sind auch die Schulden weltweit weiter gewachsen. Da Letztere zu einem immer größeren Teil nicht mehr bedient werden können, droht eine entsprechende Anpassung bei den Vermögen.
  • Die demografische Entwicklung wird zwangsläufig zu einer Anpassung der Vermögenswerte führen, weil mehr Verkäufer weniger Käufern gegenüberstehen.
  • Die Inflationsrate dürfte vor allem bei nicht-handelbaren Gütern wie Dienstleistungen in den kommenden Jahren deutlich anziehen und den realen Wert der Ersparnisse zusätzlich mindern.
  • Die politischen Mehrheiten werden noch stärker als heute auf die Umverteilung satt die Schaffung von Wohlstand setzen.
Gerade die Babyboomer-Generation der 1960er-Jahre wird diese Trends mit voller Wucht treffen. Sie ist die Sandwich-Generation, gefangen in fallenden Vermögenswerten, Leistungskürzungen, steigenden Abgaben und höheren Kosten. Noch kann man sich darauf einstellen. Viel Zeit bleibt jedoch nicht.

Vorweggenommene Erträge

Richtigerweise verweist die Allianz auf die Politik der Null- und Negativzinsen, wenn es darum geht zu erklären, weshalb die Vermögen fast doppelt so schnell wachsen als die Wirtschaft. Denn letztlich können die Vermögen nachhaltig nur zunehmen, wenn die Volkseinkommen entsprechend steigen. Tiefere Zinsen erlauben es, diese Einkommen mit einem geringeren Satz abzuzinsen.

Zukünftige Zahlungen sind bei einem Zins von einem Prozent heute deutlich mehr wert als bei einem Zins von fünf Prozent. Deshalb sind wir heute bereit mehr für einen Vermögenswert zu bezahlen. Legt man jedoch einen längerfristigen Horizont an, wie zum Beispiel in der Altersvorsorge, kommt es nicht so sehr darauf an, wie groß mein Vermögen heute ist, sondern wie groß es zum Zeitpunkt des Renteneintritts ist.

Da die Erträge der Vermögenswerte jedoch unverändert bleiben die Anleihe zahlt weiterhin fünf Euro pro Jahr, egal ob ich dafür 100 oder 500 Euro bezahle – sinkt die Rendite. Die Tatsache, dass die Vermögenswerte schon gestiegen sind, bedeutet nichts anderes, als dass die Renditen auf diesen Vermögenswerten auf Jahre hinaus mau sein werden.

Das mag jenen egal sein, die schon für das Alter vorgesorgt haben. Wer jedoch weiterhin für das Alter spart, muss zu den heutigen hohen Preisen kaufen und garantiert damit geringe, wenn überhaupt positive, Erträge. Wahrlich kein Grund zum Jubeln.

Vermögensminderung wird unterschlagen 

Schon lange ist bekannt, dass die staatliche Rente nur dann „sicher“ ist, wenn der Staat sich deutlich verschuldet, die Abgaben erhöht oder Leistungen kürzt. Auf bis zu 400 Prozent des BIP werden die Kosten der derzeitigen Zusagen geschätzt. Wenig tröstlich, dass Deutschland nicht alleine steht: In einer aktuellen Studie beziffern die Analysten der Citigroup die Lücke in den staatlichen Rentensystemen der westlichen Industrieländer auf atemberaubende 78 Billionen US-Dollar.

Da die staatliche Rente bekanntlich ohne Rücklagen arbeitet, trifft das tiefe Zinsniveau diese nicht. Anders ist das bei den privaten Altersvorsorgeeinrichten. Bei den Lebensversicherungen genügt ein Blick nach Japan um abzuschätzen, was auf die Branche zukommt. Mit Null-Renditen lassen sich die Leistungszusagen nicht erwirtschaften.
Zwar wird die Politik keine Pleiten von deutschen Lebensversicherungen zulassen. Aus Sicht der Versicherten ist das Resultat jedoch eindeutig. Die Renditen werden deutlich geringer ausfallen, als heute noch erhofft. Die Ablaufleistung deutlich kleiner sein als erwartet. Allfällig staatliche Rettungsaktionen werden uns als Steuerzahler belasten.
Ebenso schlimm trifft es die Pensionskassen der Unternehmen. Schon für das Jahr 2014 wurden die Pensionsdefizite der Dax- und MDax-Unternehmen von Flossbach von Storch auf 153 Milliarden Euro bzw. rund 27 Prozent des Eigenkapitals geschätzt. Wenig tröstlich, dass es um Unternehmen in den USA mit einer Lücke von mehr als 600 Milliarden noch schlimmer steht. Tiefe Zinsen wirken auch hier. Statt der erhofften fünf bis acht Prozent jährlicher Rendite werden nur noch ein bis drei Prozent erwirtschaftet. Wenn überhaupt. Bekanntlich ist nicht so kraftvoll wie der Zinseszinseffekt. Nur wirkt der eben in einem Nullzinsumfeld nicht mehr.

Die Wirkung der Schulden

Bereits bei früheren Kommentaren an dieser Stelle anlässlich von Vermögensstudien habe ich erklärt, dass ein ganz entscheidender Faktor hinter der Vermögensentwicklung die Zunahme der Schulden ist. Dieser Faktor wird auch von Wissenschaftlern wie Thomas Piketty völlig vernachlässigt. Dabei ist die Vermögenssteigerung eng mit der Zunahme der Verschuldung verbunden. Die Möglichkeit vorhandene Assets mit Schulden nachzufragen, führt zu einer Preissteigerung von diesen Assets, was wiederum ermöglicht, die Verschuldung zu erhöhen.

Nicht zufällig waren Immobilien in den letzten Jahrzehnten die Vermögensposition, die am meisten an Wert gewonnen hat, relativ zu den Erträgen. Man stelle sich nur das Preisniveau am deutschen Immobilienmarkt vor, wenn die Zinsen bei sechs Prozent lägen und die erforderliche Eigenfinanzierungsquote bei 50 Prozent.

Wir haben das System über mehr als dreißig Jahre immer höher geleveraged. Das Problem ist jedoch, dass die Schuldner zunehmend Schwierigkeiten haben, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Das ist ja auch der Grund, weshalb die Notenbanken die Zinsen immer tiefer treiben. Unweigerlich muss es jedoch zu einer Bereinigung der Schuldenlast kommen. Diese wird die Vermögen in zweifacher Hinsicht treffen: weniger Leverage dämpft zunächst die Vermögenswerte während Schuldenschnitte und Zahlungseinstellungen direkt immer auch die Gläubiger treffen. Diese sind in letzter Konsequenz wir. Unsere Forderungen stellen sich dann als nicht so werthaltig heraus, wie wir heute noch denken.

Mehr Verkäufer als Käufer Hauspreise werden wieder fallen 

Hinzu kommt, dass eine alternde Gesellschaft Angebot und Nachfrage nach Vermögenswerten nachhaltig verändert. Sind die Zinsen in den letzten Jahren unter anderem auch wegen einer Flut an Ersparnissen und zu wenigen Investitionen gesunken ein Trend, den die Notenbanken durch ihre asymmetrische Politik unheilvoll verstärkt haben so droht nun eine Umkehrung dieses Trends. Die Analysten von Barclays haben analysiert, dass mit jedem Prozentpunkt, um den die Anzahl der Rentner steigt, der Zins um 1,15 Prozentpunkte steigt.

Auf den ersten Blick wären dies gute Nachrichten für Sparer. Das Problem für unsere Vorsorge ist, dass wie wir oben gesehen haben die heutige Bewertung der Vermögensgegenstände, von Aktien, Immobilien bis hin zu Kunst, durch die tiefen Zinsen getrieben wurde. Steigen die Zinsen, kommen die Bewertungen entsprechend unter Druck.

Hinzu kommt, dass das „Entsparen“ der nicht mehr Erwerbstätigen die Vermögenswerte ebenfalls belastet. Wer von seinen Ersparnissen leben will, muss Aktienfonds, Immobilien und Anleihen verkaufen.

Vor allem selbstgenutzte Immobilien in Vorstadtlagen dürften unter erheblichen Preisdruck kommen. Rentner wollen sich verkleinern und lieber nah an medizinischer Versorgung und Infrastruktur leben. Zugleich gibt es weniger Familien, die ihre Kinder im Grünen aufziehen wollen.
Mit weiteren Wertsteigerungen ist aber auch sonst kaum zu rechnen. Insgesamt schrumpft die Bevölkerung nun mal. Daran ändert auch der Flüchtlingsstrom nichts. Und so wird die Nachfrage allgemein sinken, was auch in guten Lagen zu Preisdruck führt. Steigende Zinsen treffen gerade auch Immobilienbewertungen empfindlich.

Die Inflation kehrt zurück 

Unabhängig von den bisher erfolglosen Bemühungen der Notenbanken, die Inflation anzuheizen, um auf diesem Wege die Schulden zu entwerten, droht auch aufgrund der demografischen Entwicklung ein Anstieg der Inflationsraten. Vielfach wird erwartet, dass eine alternde Gesellschaft wie Japan eher in eine Deflation fällt, doch dies ist keineswegs sicher.

Unstrittig ist, dass die Konsumneigung mit dem Alter abnimmt. Der Höhepunkt der Ausgaben liegt meist im Alter zwischen 30 und 55 Jahren, wenn Familiengründung und steigende Einkommen den Konsum befeuern. Im Rentenalter hingegen sind die Leute sparsamer und fragen weniger nach. Diese Faustregel gilt immer noch, auch wenn Rentner heute aktiver leben als vor 30 Jahren. Insofern wird die Wirtschaft wohl weniger wachsen und die Preise werden tendenziell fallen so, wie wir es in Japan gesehen haben. Selbst wenn das BIP pro Kopf wächst, wie in Japan, genügt dies nicht, um den Rückgang der Erwerbsbevölkerung zu kompensieren.

Es gibt aber auch einen gegenläufigen Trend. Das Arbeitskräfteangebot wird sinken. Dies spricht für eine Umkehrung eines Megatrends der letzten Jahrzehnte. Statt fallender Löhne, könnten wir es mit steigenden zu tun bekommen, die sich dann auch in steigenden Preisen niederschlagen. Zunehmende Automatisierung wird diesen Trend abschwächen, die erforderlichen Investitionen werden die Unternehmen sich allerdings auch bezahlen lassen. In Summe also ein Szenario, in dem vor allem nicht automatisierbare und nicht handelbare Güter und Dienstleistungen teurer werden. Dies betrifft aber einen großen Teil der Ausgaben der künftigen Rentner: Gesundheitsversorgung, Betreuung und Lebensmittel.

Wir sollten uns darauf einstellen, dass die Lebenshaltung für die Babyboomer im Rentenalter deutlich teurer wird. Dafür vorzusorgen, erfordert angesichts des tiefen Zinsniveaus heute noch mehr Ersparnis.

Noch mehr Umverteilung

Geringe Kapitalerträge, ungedeckte Versprechen für Renten und Pensionen, drohende Forderungsverluste wegen Schuldenschnitten, fallende Vermögenswerte und steigende Preise für die relevanten Güter führen zu einem Sandwich-Szenario für die Generation der Babyboomer. Vonseiten der Politik wurde in den letzten Jahren nichts getan, um diese Zeitbombe zu entschärfen. Im Gegenteil wurden die Lasten noch erhöht. So wird es auch in Zukunft sein.

Wir müssen realistisch davon ausgehen, dass der Staat Renten kürzt und mit Steuern und Abgaben gerade bei jenen Rentnern zugreift, die über Ersparnisse und andere Einkünfte verfügen.

Eine politische Mehrheit für solche Eingriffe ist zu erwarten. Bei der Bundestagswahl 1980 lag der Anteil der Wahlberechtigten im Alter von 60 Jahren und darüber noch bei 26 Prozent, 2013 waren es schon 34 Prozent; 2030 dürften es mindestens 43 Prozent sein.

Uns geht es gut? Ja, aber nur vordergründig.

→ manager-magazin.de: „Die Sandwich-Generation“, 23. September 2016

55 Kommentare
      • Katalin says:

        Herr Stöcker,

        ich bewundere Ihr Durchhaltevermögen, aber bei vielen Menschen ist es aussichtslos. Es ist viel einfacher die Anderen für alle möglichen Probleme verantwortlich zu machen, um das eigene Verhalten oder Wissenslücken nicht hinterfragen zu müssen. Das fängt schon mit dem Thema Geld an. Die meisten Menschen denken noch immer, dass es sich dabei in erster Linie um ein werthaltiges Tauschmittel handelt und die Hauptaufgabe der Politik und der EZB darin besteht, es vor Inflation zu schützen und das in einer Welt, wo alles andere einem Verfallsprozess unterworfen ist und das dadurch keine Makroök. Probleme entstehen, von der Verteilungsproblematik und Thema Sparen und Investieren in gesättigten Märkten (LB Überschüsse) ganz zu schweigen.
        Siehe hier; http://www.fuw.ch/article/nmtm-deutschlands-wahnwitzige-rekordfahrt/

        Sie würden am liebsten das Ganze, durch „Soros und Co. gesteuertes Geldsystem, „revolutionieren“, um uns aus der „Ausbeutung“ zu befreien damit wir wieder Zinsen haben.

        Gruß

      • mg says:

        Sehr geehrter Herr Stöcker,

        am vergangenen Wochenende hatte ich die Gelegenheit Ihr Essay „DIE MONETÄRE KRISE DES KAPITALISMUS – Eine systemtheoretische Analyse von Schuld und Schulden“ zu lesen. Hat mir sehr gut gefallen, vor allem auch Ihr kleiner Ausflug in die Religionsgeschichte.

        Wenn ich das nächste Mal Zeit habe, gehe ich Ihren Lesetipps (vertiefende Links) und Ihren Lösungsvorschlägen nach. Herzliche Grüsse mg

      • NoFiatMoney says:

        @ Stöcker, Freitag, 30 Sep 2016 15:17:17

        Wissen Sie eigentlich, was Sie so verlinken? Unter dem Link fand ich nämlich einen Kommentar von Dr. Bandulet (der veröffentlichte gerade „Beuteland“, das Sie und Ihre Jünger einmal lesen sollten):

        Zitat: „Bruno Bandulet schreibt: 21. Mai 2014 um 21:23
        Sehr geehrter Herr Stöcker,
        Da sie viele meiner Aussagen teilen, wieso kommen sie dann zu völlig anderen Schlußfolgerungen?
        Sie demaskieren die Machenschaften der parasitären Finanzindustrie, sind aber Anhänger des Schuldgeldsystems und hinterfragen nicht die Geldschöpfung? Sie sind für den € und die EU und wissen aber, daß wie sie es nennen stupid german money Blechkarossen für lau in die Welt verkauft?
        Das verstehe ich überhaupt nicht. Das paßt alles nicht zusammen und ist verwirrend, denn sie kennen anscheinend alle Hintergründe, verklausulieren aber die Kernzusammenhänge! ….“

        Bandulet führte das weiter aus. Und er hatte schon damals recht: was Sie so von sich geben, ist nicht mehr als eine Anhäufung von -allerdings konsequent verfolgter- Inkonsistenz. Bandulet war wohl noch der Meinung, Ihnen sei noch zu helfen; Sie könnten sich von Ihrer Ideologie lösen.

        Wir sind jetzt 2 Jahre weiter. Und jeder kann inzwischen wissen, daß Sie das gar nicht wollen.

        Machen Sie nur weiterhin die Wiener Schule der Nationalökonomie verächtlich. Hoffen Sie auf die Aufnahme in den pseudo-elitären Kreis der keynesianisch-kollektivistischen Weltenlenker als spät entdecktes Genie.

        Die Zeit wird zeigen, daß Austrians richtiger lagen als Sie und Ihre Genossen. Auch einige Ihrer Jünger werden sich noch die Augen reiben. Und wenn sie sich nicht fügten – in ein System, das Ihre Vorstellungen zur notwendigen Konsequenz hat- schreiben sie Ihnen womöglich noch mit „LG“ aus dem Lager?

        Ich habe jedenfalls keinen Anhaltspunkt für die Annahme gefunden, Sie würde der Weg in die Knechtschaft stören.

      • Michael Stöcker says:

        @ Statler

        Nur weiterlesen bildet weiter (meine Erwiderungen auf Bandulet haben Sie wohl nicht gelesen?). Selektive Informationsauswahl im Sinne einer Weltbildbestätigung ist Kennzeichen religiöser Sekten, die sich bei der Verbreitung ihrer kruden Glaubensbekenntnisse gerne des Kopp-Verlags bedienen.

        Die ursprünglich guten Ansätze der Wiener Schule sind doch in den letzten Jahrzenten ähnlich pervertiert worden, wie die guten Ansätze des Christentums durch die heilige Inquisition. Die Wiener Schule fällt leider noch hinter die guten Ansätze des Christentums zurück und huldigt wieder dem goldenen Kalb. Der Hohepriester dieses Götzendienstes ist Thorsten Polleit, der in seiner Funktion bei Degussa selbstverständlich vöööllig uneigennützig nur das freiiiheitliche Gemeinwohl im Schilde führt.

        Sorry, aber das ist alles unreflektiertes religiöses Eiferertum der schlimmsten Sorte; intellektuelle Inkontinenz gepaart mit kognitiv-dissonanter Verstopfung. Oder um noch einmal Georg Quaas zu bemühen: „..ebenso ist der Professor Thorsten Polleit, der den krudesten Apriorismus à la Mises vertritt, auf den Listen 2014ff. zu finden.“ http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2016/09/heterodoxe-erforschen-heterodoxe–anmerkungen-zu-einer-empirischen-studie/.

        Zu guter Letzt als kognitives Spasmolytikum noch eine Dosis Goethe:

        „O glücklich, wer noch hoffen kann,
        Aus diesem Meer des Irrtums aufzutauchen.
        Was man nicht weiß, das eben brauchte man,
        Und was man weiß, kann man nicht brauchen.“

        Einen schönen 3. Oktober für alle.

    • mg says:

      https://de.wikipedia.org/wiki/Abzinsung_und_Aufzinsung

      fasst es ganz gut zusammen. Ohne irgendeine Anlageempfehlung zu geben, liesse sich das vereinfacht an folgendem Beispiel erklären:

      Stellen Sie sich vor, Sie hätten am 01.01.2001 einen Nullzins-Coupon der BRD mit einer Laufzeit von 10 Jahren gekauft. Der Zinssatz für risikolose Staatsanleihen habe zu diesem Zeitpunkt 6% betragen, für den Coupon würden Ihnen am Stichtag 31.12.2010 von der BRD 100 Euro ausgezahlt. Der Kaufkurs am 01.01.2001 läge dann bei:

      x = 100 Euro * (1 / (1 + 0.06)^10 ) = 55.84 Euro

      Wenn Sie die 10 zum Zeitpunkt t durch die Restlaufzeit in Jahren und die 0.06 zum Zeitpunkt t durch den aktuellen Zinssatz für die Restlaufzeit ersetzen erhalten Sie den Kurs des Coupons zum Zeitpunkt t.

      Das funktioniert im Prinzip mit allen Wertpapieren und Assets so, nur dass es für viele Anlagen (z.B. Aktien und Immobilien) kein Fälligkeitsdatum gibt und das der Preis für die Anlage zu einem zukünftigen Zeitpunkt y nur geschätzt werden kann. Ausserdem sind bei Immobilien die Nebenkosten nicht zu vernachlässigen und aufgrund der Illiquidität einer Immobilie sollte ein Illiquiditätsprämie zugunsten des Käufers mit eingerechnet werden. Bei Aktien sind die Nebenkosten gering, dafür wird aber eine Risikoprämien fällig.

      Wenn Sie in dem oben aufgeführten Rechenbeispiel den Zinssatz senken, wird Ihnen auffallen, dass der Kurs der Staatsanleihe steigt. D.h. sinken die Zinsen, steigen die Kurse und umgekehrt. Das gilt im Prinzip auch für Aktien, allerdings steigen Aktienkurse meist, wenn die Zentralbanken den Leitzins anheben, weil die Anleger bei steigenden Zinsen von guten wirtschaftlichen Aussichten ausgehen, und der zukünftige Wert und Preis der Aktie höher eingeschätzt wird. In dem Beispiel würde sich also die 100 verändern.

      x = zukünftiger_Preis * (1 / (1 + (risikoloser_Zins+Risikoaufschlag))^Laufzeit_in_Jahren)

      Wie weit „die Märkte“ dabei in die Zukunft schauen können, sei mal dahin gestellt. Ich würde sagen… maximal ein halbes Jahr. Wie auch immer, der Zinsanhebungszyklus der Zentralbanken ist zu Ende, wenn die Zinsstrukturkurve invertiert. Dann kommt auch der Aktienhöhenflug zum Ende.

      Die Preisabschätzung von Aktien und Immobilien wird durch zahlreiche Unwegbarkeiten erschwert, zum Beispiel gibt es für einen Überschuss nach Kosten keinerlei Garantien. Letztlich werden die Preise für Aktien und Immobilien also durch Nachfrage und Angebot bestimmt. Was die Bedeutung der Demographie und der Ausbildung zukünftiger Generationen für die Preise verdeutlicht.

      Nachdem das z in der oben genannten Formel über 30 Jahre immer weiter gesunken ist, sind die Preise für Vermögenswerte immer weiter gestiegen. Wie andere Forenten angemerkt haben, kann es trotzdem Sinn machen in Realwerte zu investieren. Zum Beispiel wenn die Inflationsrate systematisch unterschätzt wird. Oder wenn das z weiter ins negative Terrain gedrückt wird.

      Antworten
    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter says:

      Im Prinzip gilt: je später einem Geld zufliesst, desto weniger ist es aus heutger Sicht wert. 100 Euro in einem Jahr sind weniger Wert als 100 Euro heute. Alleine schon der Zins macht einen Unterschied. Wenn nun aber die Zinsen Null sind wird die Zahlung in einem Jahr genauso hoch bewertet wie die Zahlung heute. Deshalb steigen alle Vermögenswerte im Preis, die (relativ sichere) künftige Zahlungen haben.

      Antworten
  1. Anna says:

    „Nicht genug damit, dass die Vermögenszunahme durch die Vorwegnahme von künftigen Erträgen eine Illusion ist – die sich Kapitalsammelstellen und Vermögensverwalter dennoch fürstlich bezahlen lassen über Volumens bezogene Gebühren und Erfolgsbeteiligungen – entsteht auf der anderen Seite eine massive Lücke.“

    Entschuldigt bitte, wenn ich nerve. Aber dieser Artikel spricht mir so aus der Seele, dass ich nicht anders kann. Mein ausgewiesen „sparsamer“ Anbieter (meiner Riester- und Rüruprente) sammelt pro Monat von meinen Beiträgen pro Fond in jedem Vertrag ungefähr 3,-€ weg. Das ist bei zwei Verträgen à drei Fonds auf die vergangenen Jahre (seit 2007) betrachtet schon einiges. Auf die zukünftigen wird es dann noch mal etwas mehr sein. Aber was ist meine Alternative? Ich könnte die Verträge beitragsfrei stellen, um mit den frei werdenden Ressourcen dann was zu machen? Was?

    Antworten
  2. Anna says:

    „In Summe also ein Szenario, in dem vor allem nicht automatisierbare und nicht handelbare Güter und Dienstleistungen teurer werden. Dies betrifft aber einen großen Teil der Ausgaben der künftigen Rentner: Gesundheitsversorgung, Betreuung und Lebensmittel.

    Wir sollten uns darauf einstellen, dass die Lebenshaltung für die Babyboomer im Rentenalter deutlich teurer wird. Dafür vorzusorgen, erfordert angesichts des tiefen Zinsniveaus heute noch mehr Ersparnis.“

    Ach so. Klar. Dachte ich mir schon, dass das nicht gut bleibt. Dann stecke ich also den Kopf in den Sand und richte mich auf ein kärgliches Renterdasein ein, nachdem ich versucht habe, genau das durch die privaten Altersvorsorgeverträge zu verhindern. Das klingt nach Betrug. Denn immerhin habe ich mir in den vergangenen Jahren durchaus einiges an Konsum versagt, um diese Verträge besparen zu können.

    Antworten
  3. Michael Stöcker says:

    Carmen Reinhart antwortet Robert Skidelsky: „…but it is time to place greater emphasis on debt restructuring…” https://www.project-syndicate.org/commentary/skidelsky-wrong-on-debt-by-carmen-reinhart-2016-09

    Ja, die Sandwich-Generation sollte sich keinen monetären Illusionen hingeben. Ein zentralbankfinanziertes Bürgergeld ist in diesem Fall die demokratieverträglichste Art und Weise für eine sukzessive kollektive Entschuldung über die Zentralbankbilanz.

    LG Michael Stöcker

    Antworten
  4. Katalin says:

    Hallo,

    schauen wir uns das Ganze etwas genauer an:

    1. Spiegel ist keine ernsthafte Wirtschaftszeitung/Schrift (eine Art Bildzeitung für die Akademiker, die im Prinzip seit dem Fall der Mauer von einem Europa als Weltmacht (unter deutscher Führung) träumt und die USA schon über 20 mal (mindestens!!!) Pleite erklärt hat.
    Wo stehen wir heute…..

    2. Staatliche Rente ist immer sicherer als Private (wie Sie es richtig schreiben, Private dient nur der Bereicherung der Versicherer wie z.B. dem „Löwen“ Karsteb M. der den Gerd an die Macht gebracht hatte)

    3. „dass ein ganz entscheidender Faktor hinter der Vermögensentwicklung die Zunahme der Schulden ist. Dieser Faktor wird auch von Wissenschaftlern wie Thomas Piketty völlig vernachlässigt.“

    Bei allem Respekt, dass ist nur eine Behauptung ihrereseits, ich würde gerne die Antwort von Herrn Pickety hören wollen. (leider unrealistisch)

    Die „Vermögensstudien“ gibt es nicht. Es gibt durch verschiedene Interessengruppen gekaufte Vermögensanalysen, d.h. PR Maßnahmen um gewisse politische Vorhaben durchzusetzten oder zu verhindern. Denn, da ich das Thema Uneternehmensbewertungen an der Hochschule hatte ist mir die Komplexität bekannt. Die beste Bewertungsmethode ist meiner Meinung nach der Vergleich. Allein den Wert eines Autos zu bestimmen (wir reden hier nicht von verkaufen) ist sehr schwierig, denn für mich ist der Wert eines Porsches z.B. gleich dem Wert eines Fiats, da mich beide im Prinzip nur von A nach B bringen.

    Meiner Meinung liegt das Problem daran, das die Wirstschaft nicht als sich ständig selbst wandelnder Prozess oder steuerendes Chaos verstanden wird, wo nur eine Sache sicher ist, nämlich, dass alles unsicher ist. Denn wie soll man ansonsten gewisse Aussagen verstehen (nicht unbedingt beim Ihnen Herr Dr. Stelter)
    -Zinsen zu niedrig
    -Enteigung
    -Umverteilung usw.

    Warum glauben gewisse Leute sie hätten in einer sich ständig veränderbaren Welt (wo alles in Bewegung ist und einem zum Teil sehr kurzem Verfallsprozess unterworfen ist ) Ansprüche oder sie könnten feste Ansprüche auf gewisse Sache erwerben nur weil sie es in diesem Moment besitzen oder über sie verfügen und diese sichern, indem sie anderen Menschen vorschreiben wie sich die verhalten sollen, damit diese Ansprüche erhalten bleiben oder nicht verloren gehen. Wirtschaften bedeuten ständig Entscheidungen zu treffen, im Prinzip zu „Wetten“ oder Wahrscheinlichkiten zu Gewichten. Dabei kann man richtig aber auch falsch liegen, was unter anderem den Wert bzw. die Höhe der Währungen, Zinsen oder Werten betrift.

    Gruß

    Antworten
      • Katalin says:

        Hallo Ana,

        das ist keine spezielle Sicht der Dinge, es kommt der „Realität“ sehr nahe. Ich mache gar nichts. Die alten Griechen hatten auch nichts gemacht. Nur rumgesessen und philosophiert . Auf sich selber konzentrieren und das Leben genießen. Weniger Denken, mehr Beobachten und versuchen Verhaltensmuster der Menschen, Märkte oder ganzer Volkswirtschaften zu begreifen.
        Sich selbst klarmachen wie vergänglich alles ist und das Bewertungen (die maßgeblich über unser Wohlbefinden bestimmen) meistens vergleiche sind (sich weniger mit anderem vergleichen). Anna, Sie haben bestimmt mehr als Sie brauchen und mehr als 90% der Menschen auf dieser Welt. Sie ich und wir alle haben aber damit ein Problem das andere noch mehr haben. (obwohl wir sollten uns nicht vergleichen, nicht so einfach).
        Das alles entscheidende ist sich selbst nicht zu sehr Ernst nehmen.

        Was die Finanzen anbetrifft:
        Die Antwort steht schon oben geschrieben; billig einkaufen, teuer verkaufen, ist aber nicht so einfach wenn man nicht aus der Oberschicht stammt. Im Moment Geld horten, denn die Marktkräfte lassen sich immer nur für gewisse Zeit auser Kraft setzten.

        Gruß

      • Anna says:

        Ich fand schon mal einen Beitrag von Ihnen hier sehr sympathisch. Auch heute scheint es mir so zu sein, dass wir neben meinem kleinlichen Suchen nach persönlichem (Finanz)glück durchaus ähnlich denken. Und natürlich haben Sie ganz Recht mit der 90%-Annahme. Und natürlich haben Sie auch Recht, wenn Sie auf die Unglücksursache des „sich mit anderen Vergleichens“ hinweisen. Trotzdem hat das Leben aus mir ein Wesen gemacht, das, wie war Herr Stelters Bild vor ein paar Tagen, versucht, wie ein Eichhörnchen vor dem Winter seine Nüsse zusammen zu bekommen. In meinem Alter fällt es mir zusehends schwerer, mich mit alternativen Lebensentwürfen ernsthaft anzufreunden. Ich habe das in jungen Jahren durchaus versucht. Aber dann kam eine Phase der Suche nach etwas Solidität. Und die hat mich wohl allmählich korrumpiert. Ich sah das damals zwar kommen. Und habe versucht, mich durch persönliche Beziehungen mit dem alten suchenden Leben in Verbindung zu halten. Aber es gelingt mir immer weniger, das selbst zu leben. Und das macht mich traurig.

    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter says:

      Naja, ich denke es ist mehr als eine „Behauptung“. Ich begründe es in zahlreichen Kommentaren und vor allem in meinem Buch sehr ausführlich. Ausserdem stützen die Daten meine These. Es gibt genau die parallele Entwicklung zwischen Bruttovermögen und Schulden, was für den Leverage-Effekt spricht. Piketty hat es in der Tat vermieden, mich direkt zu konfrontieren. Er kennt meine Thesen, da er direkt danach gefragt wurde (keine Antwort) und es sogra in seinem Wikipedia Eintrag steht. Ich würde gerne mit ihm diskutieren.

      Antworten
  5. Anna says:

    Nachdem hier wiederholt, häufig und mit Begeisterung auf Thomas Piketty gehauen wird, habe ich mir nun doch mal kurz die Mühe gemacht, und habe zwei drei Seiten zu diesem Namen gegooglet und angelesen. Und ich muss sagen, so uneben kommt mir der Herr mit seinen Thesen gar nicht vor. Allein dieses Zitat aus dem Wikipedia-Artikel zu „Das Kapital im 21. Jahrhundert“: „Ungleichheit ist kein zufälliges, sondern ein notwendiges Merkmal des Kapitalismus; übermäßige Ungleichheit in einer kapitalistischen Wirtschaft kann daher nur durch Einschränkungen des Kapitalismus gelöst werden.[2] Wird ein derartig exzessiver Kapitalismus wie der derzeitige nicht reformiert, so würde laut Piketty die demokratische Grundordnung gefährdet.[2]“ klingt doch ganz vernünftig. Oder auch „Es gibt letztlich keinen Grund, weshalb wir glauben müssten, dass Wachstum automatisch ausgeglichen ist […]. Viel zu lange haben Ökonomen die Vermögensverteilung vernachlässigt, teilweise wegen Kuznets’ optimistischen Schlussfolgerungen und teilweise wegen des übermäßigen Enthusiasmus der Disziplin für vereinfachende mathematische Modelle.“[6] Das entspricht eigentlich durchaus dem gefühlten IST.
    Was also ist so falsch an ihm und seinen Thesen?

    Antworten
  6. Karl says:

    Interessant … was ist denn erst mit den 1980+ ? Noch weniger Jobsicherheit, Niedrigstzinsen von Anfang an, Verschuldungskapazität der Staaten an/über dem Limit, oft schwache Gehälter die kaum mehr steigen, höhere Pensionslasten …
    Schrumpfende Bevölkerung? Damit haben eher Staaten wie Bulgarien, Kroatien, Rumänien ein Problem. Denn deren Junge gehen gerne nach Deutschland.

    Antworten
  7. Anna says:

    Zitat aus dem Tagesspiegel-Artikle, der sich fast wie hier abgeschrieben liest: „Damit baut Deutschland laufend höhere Forderungen gegenüber dem Rest der Welt auf. Und das sind leider nicht nur einträgliche Forderungen, denn die Überschuss-Ersparnisse flossen in den vergangenen Jahren über das deutsche Bankensystem zu einem grossen Teil in allerlei zweifelhafte Anlagen: Amerikanische Subprime-Kredite, spanische Immobilienhypotheken, Forderungen gegenüber dem Bankensystem Griechenlands, Portugals und Italiens, Forderungen bei Gläubigern in Grossbritannien, Brasilien, der Türkei, Südafrika, und so weiter.“

    Da frage ich mich schon, wer trifft eigentlich diese offensichtlich bescheuerten Investitionsentscheidungen? Sind das etwa die gleichen Fondmanager, denen ich mein sauer abgespartes „Altervorsorgevermögen“ anvertraut habe? Oder wer macht das?

    Antworten
    • Karl says:

      Es ist die Suche nach Rendite. Sie wollen doch selbst, dass sich Ihr „Altersvorsorgevermögen“ verzinst, oder?
      Rendite erfordert heute mehr Risiko. Das ist nicht grundsätzlich bescheuert, sondern eine Frage der individuellen Risikoaversion.
      Es ist die Nullzinspolitik der Zentralbanken, die offenbar hauptsächlich zu einer Vermögenspreisinflation führt.

      Antworten
      • Anna says:

        Aber, Karl, noch einmal: „Amerikanische Subprime-Kredite, spanische Immobilienhypotheken, Forderungen gegenüber dem Bankensystem Griechenlands, Portugals und Italiens, …“ Das würde ich mich mit meinem Geld nicht trauen, oder? Und Niedrigzinsen und z.B. amerikanische Subprime-Kredite, sind das nicht zwei verschiedene Zeitpunkte?

    • Dietmar Tischer says:

      Bescheuerte Investitionsentscheidungen?

      Ja, im Nachhinein.

      Aber SIE und nicht die Fondsmanager haben GEWOLLT, dass das Geld, was Sie ihnen anvertraut haben, als KREDIT an ausgeliehen wurde – genau das, was Sie auflisten.

      SIE waren schlau, haben ihren Taschenrechner genommen bzw. die Anlageberater beauftragt einen zu nehmen, und sagen zu lassen, wieviel Sie in x Jahren mit Zins und Zinseszins erwarten können (bei Kapitallebensversicherungen in aller Regel als Verkaufsargument: was aufgrund der Entwicklung in der Vergangenheit zu erwarten ist).

      Und jetzt erfahren Sie, dass dieses Modell nicht risikolos ist.

      Damit lernen Sie auch, dass es keine Sicherheit im Kapitalismus gibt.

      Hätten Sie auch schon vorher wissen können und ihr Geld GEWOLLT risikobehaftet anlegen können, z. B. in Aktien von Unternehmen, die nachhaltig solide Ergebnisse erwirtschaften.

      Die Deutschen sind SICHERHEITSTROTTEL und bekommen dafür bald die Rechnung präsentiert.

      Antworten
      • Anna says:

        Tja, das mag sein. Die Riesterrente mit einem Fondanteil zu wählen, war wohl trottelig. Aber zur Zeit des Abschlusses hatte ich noch kaum einen Einblick in diese Märkte. Und das, was ich heute weiß, ist teuer erkauftes Halbwissen, das mich fast noch ratloser dasitzen lässt. Ohne die Unkenrufe der Stelters und Konsorten habe ich bis vor kurzem noch gedacht, dass die Fondsparerei in Riester, Rürup, VWL etc als einziges Vermögen aufgebaut hat. Meine Gehversuche im freien Markt hingegen haben fast nur gekostet. Es ist nun mal nicht mein Beruf.
        Und dass mir nun u.U. auch noch diese Ersparnisse verloren gehen könnten, finde ich dann auch bald bedrohlich. Kann man das verstehen?

  8. Dietmar Tischer says:

    http://www.nachdenkseiten.de/wp-print.php?p=13741

    Daraus:

    … eine Passage aus Merkels Regierungserklärung zur Abstimmung zum Fiskalpakt und zum ESM geben:
    „Wir stellen inzwischen noch 8 bis 9 Prozent – genau: 8,7 Prozent – der Welteinwohnerschaft. Wir erarbeiten 25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Welt. Wir haben ungefähr 50 Prozent der Sozialleistungen auf der Welt. Wenn wir für dieses Sozialmodell, für das wir alle bzw. mehr oder weniger alle in verschiedenen Variationen einstehen, wenn wir für die soziale Marktwirtschaft der Zukunft kämpfen wollen, dann müssen wir sehen: Wir werden ohne Wettbewerbsfähigkeit den Wohlstand unseres Landes und Europas nicht erreichen. Wettbewerbsfähigkeit ist kein Selbstzweck. Wettbewerbsfähigkeit sagt doch nicht anderes aus, als dass unsere Unternehmen in der Lage sind, auch außerhalb Deutschlands ihre Waren zu verkaufen: Autos von VW und anderen Automobilunternehmen, chemische Produkte und vieles andere mehr. Das bedeutet Wettbewerbsfähigkeit.“

    Diese Frau blickt durch, redet aber um den heißen Brei herum („ … für dieses Sozialmodell … alle in verschiedenen Variationen einstehen“), um nicht Auskunft geben zu müssen, wie die verschiedenen Versionen miteinander in Einklang zu bringen sind.

    Anstatt erzählt sie etwas von Wettbewerbsfähigkeit, der notwendigen aber beileibe nicht hinreichenden Bedingung, um das Sozialmodell für alle realisieren zu können.

    Ob Dr. Stelter mit jedem einzelnen Punkt recht hat, mag dahingestellt sein.

    Richtig ist auf jedem Fall:

    Es wird Verteilungskämpfe geben, wie wir sie im Nachkriegsdeutschland noch nicht erlebt haben und sie wohl kaum vorstellbar sind:

    Eine immer älter werdende Wählerschaft mit Rentnerperspektive bzw. von Bereits-Rentnern wird bedient werden (müssen), um den politischen Machterhalt zu sichern bzw. um Machtoptionen zu eröffnen.

    Die jüngere Wählerschaft, die ökonomisch die Aufgabe hat, Kinder in die Welt zu setzen, sie zu einer volkswirtschaftlich lohnenden Investition aufzuziehen, sich selbst zu ernähren und den Kindern eine einigermaßen lohnende Infrastruktur zu hinterlassen (im weitesten Sinne zu begreifen), damit diese wettbewerbsfähig aufsetzen können, werden damit kontinuierlich steigend ZUSÄTZLICH belastet.

    Wie das ohne soziale bzw. politische Destabilisierung zu realisieren sein soll, entzieht sich meinem Verständnis.

    Dabei habe ich noch nicht einmal die WACHSENDEN Ausgaben des Staates für Friedenssicherung, Eindämmung der Migrationsströme und natürlich Stabilisierung der EU/Eurozone etc. außerhalb des Landes in Rechnung gestellt.

    M. A. n. besteht dringender Erklärungsbedarf – und zwar nicht nur für bzw. unter den Eliten, sondern ÖFFENTLICHER, weil wir alle durch das Problem bzw. durch die Art und Weise, wie man es lösen will, betroffen sind.

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  9. jschmidt says:

    Lieber Herr Tischer,

    Sie haben Recht was die zu erwartenden Verteilungskämpfe angeht. Was ist ein mögliches, sogar sehr wahrscheinliches Szenario?

    1. Die ursprünglich prognostizierten Renditen in der Alterssicherung (staatlich und privat) sind nicht mehr zu erreichen. Die zur Verfügung stehenden Renten sinken.

    2. Die immer größer werdende Zahl der Rentner (s. demographische Entwicklung), die über Jahre an die Versprechen von Blüm („Die Renten sind sicher.“) Riester, Rürup & Co. geglaubt haben, sehen ihren im Alter erwarteten Lebensstandard gefährdet und machen politisch Druck. Dabei stellen sie eine nicht zu unterschätzende Wählergruppe und damit für die Politiker wichtige Stimmanteile.

    3. Diei Politik knickt ein und beschliesst zunehmende Umverteilungen zugunsten der Rentner und zulasten der Mittel- und Gutverdienenden. Ähnliche Tendenzen sind bereits heute bei der SPD zu erkennen, die sich in dem Versuch, nicht in der politischen Bedeutungslosigkeit zu verschwinden, mit Sozialgeschenken a la Mütterrente und Rentenerhöhungen beliebt macht.

    4. Die Zukunft von Deutschland, nämlich Leistungsträger und Familien, die Kinder als produktive Teilnehmer für zukünftige Wertschöpfung erziehen, werden zunehmend belastet. Irgendwann erkennen diese Menschen, dass ihre produktive Arbeitskraft in anderen Ländern ebenfalls geschätzt wird, man ihnen dort jedoch mehr Netto vom Brutto übrig lässt und sie somit auch noch eine Chance haben, persönlichen Wohlstand aufzubauen. Diese Menschen verlassen Deutschland zunehmend.

    5. Deutschland 2035: ein Land voller Rentner und Sozialleistungsbezieher. Nur leider ist niemand mehr da, der das alles bezahlt.

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    • Dietmar Tischer says:

      Ich teile der Tendenz nach die Auffassungen, die Sie unter 1. bis 4. vertreten.

      Die tatsächlichen Ausprägungen können wir nicht erkennen und daher auch nicht prognostizieren, weil diese durch eine Vielzahl von Variablen beeinflusst werden – vor allem auch durch Geschehnisse in anderen Ländern, auf die wir keinen oder nur minimalen Einfluss haben. Wer weiß schon, welche anderen Länder welche Einwanderungspolitik in Zukunft verfolgen werden.

      Zu Punkt 5:

      >Nur leider ist niemand mehr da, der das alles bezahlt.>

      Das ist nicht das Problem.

      Wenn Sie hier dem Geldtheoretiker M. Stöcker folgen, dann wissen Sie, dass der Ihnen einfach sagen würde:

      Bürgergeld um das x-fache erhöhen, dann kann alles bezahlt werden.

      Nur was?

      Extrem zugespitzt:

      Praktisch nichts mehr, weil nichts mehr produziert wird, wenn die produktiven Menschen nicht mehr da sind.

      Geld ist in dem hier erörterten Zusammenhang (nur) ein ANSPRUCH auf die Wertschöpfung.

      Auf die kommt es an.

      Dies besagt die Mackenroth-These:

      „Nun gilt der einfache und klare Satz, daß aller Sozialaufwand immer aus dem Volkseinkommen der laufenden Periode gedeckt werden muß. Es gibt gar keine andere Quelle und hat nie eine andere Quelle gegeben, aus der Sozialaufwand fließen könnte, es gibt keine Ansammlung von Periode zu Periode, kein ‚Sparen‘ im privatwirtschaftlichen Sinne, es gibt einfach gar nichts anderes als das laufende Volkseinkommen als Quelle für den Sozialaufwand … Kapitalansammlungsverfahren und Umlageverfahren sind also der Sache nach gar nicht wesentlich verschieden. Volkswirtschaftlich gibt es immer nur ein Umlageverfahren.“

      Mehr dazu:

      https://de.wikipedia.org/wiki/Mackenroth-These

      Kurzum, wir sind bottom line der ganzen Diskussion wieder bei den realwirtschaftlichen Problemen. Beispielhaft, allerdings mit Blick auf die andere volkswirtschaftliche „Topografie“ der Südländer:

      Entvölkerte, zerfallene Bergdörfer mit sehr alten Menschen, die ohne Hoffnung auf irgendetwas sozusagen auf das Ende hin leben. Das gibt es in Portugal und Italien z. B. und in Griechenland wohl auch.

      Schwer vorstellbar, dass sich die Dinge bei uns so entwickeln?

      Ja, Gott sei Dank.

      Sie werden sich nicht so entwickeln, es geht aber um die TENDENZ.

      Da eröffnen sich keine erfreulichen Perspektiven.

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      • Michael Stöcker says:

        „Praktisch nichts mehr, weil nichts mehr produziert wird, wenn die produktiven Menschen nicht mehr da sind.“

        Stichwort Industrie 4.0. Da haben andere ganz andere Befürchtungen: http://larrysummers.com/2016/09/26/men-without-work/

        „Da eröffnen sich keine erfreulichen Perspektiven.“

        Das muss es auch nicht. Wichtiger scheint mir zu sein, unerfreuliche Perspektiven zu vermeiden. Das hängt wiederum ganz davon ab, wie lange wir die nötigen Reformen vor uns herschieben. Die Politik der letzten 30 Jahre spricht eher für das Negativszenario. Aber wie gesagt: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

        LG Michael Stöcker

  10. Michael Stöcker says:

    Jens Weidmann kommt langsam aber sicher in der Realität an:

    „Im Augenblick, um das Bild aufzugreifen, kämpft das Eurosystem geldpolitisch gegen den Kolbenfresser, und zwar mit umfangreichen Wertpapierkäufen und extrem niedrigen Zinsen.

    Im Grundsatz hält die Bundesbank eine expansive Ausrichtung der Geldpolitik derzeit für sinnvoll und angemessen.“ http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Reden/2016/2016_09_29_weidmann.html

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  11. Dietmar Tischer says:

    @ Michael Stöcker

    Der von Ihnen verlinkte Summers:

    „Job destruction caused by technology is not a futuristic concern.”

    Sehe ich genauso.

    Die Schlussfolgerung von Summers:

    “I expect that more than one-third of all men between 25 and 54 will be out work at mid-century.”

    Das sehe ich ganz anders:

    Eine große Anzahl dieser Männer wird in Dienstleistungsberufen arbeiten. Angesichts der alternden Gesellschaft vor allem im Gesundheits- und Pflegebereich.

    Allerdings:

    Sie werden damit nicht mehr die Arbeitseinkommen erzielen können, die sie in den Berufen erzielt haben bzw. erzielt haben würden, die wegrationalisiert werden. Kurzum: Anpassung nach unten.

    Eine andere große Anzahl dieser Männer wird aus den verschiedensten Gründen nicht mehr arbeiten WOLLEN.

    Tendenzen für beides sind in USA bereits zu erkennen.

    Ganz schwache Leistung von Summers.

    Aber das kommt dabei heraus, wenn man in einer sich FUNDAMENTAL ändernden Welt LINEARE Fortschreibungen macht.

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