„China-Krise trifft Deutschland hart“

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Dieses Interview mit mir erschien am 6. Januar 2016 in der RP ONLINE.

Herr Stelter, China schwächelt, was bedeutet dies für Deutschland?

Stelter: China war die Lokomotive der Weltwirtschaft. Das scheint vorbei zu sein. Das Land hat die Schulden seit 2008 auf 28 Billionen Dollar vervierfacht und sitzt nun auf riesigen Überkapazitäten. Die Krise dieses wichtigen Abnehmerlandes trifft Deutschland nun hart. Immerhin profitieren wichtige Industrien wie die Autoindustrie stark von Exporten nach China. Falls die Volksrepublik nun die Währung weiter abwertet, um neues Wachstum zu generieren, wäre das gefährlich, weil es die weltweiten deflationären Tendenzen vergrößern würde.

Wie bewerten Sie, dass die Weltwirtschaft trotz Niedrigzinsen und sehr billigem Öl nur langsam wächst?

Stelter: Das ist ein Alarmzeichen erster Güte. Trotz jahrelanger Stagnation, Nullzinsen und weiter steigenden Schulden gelingt es nicht, das Wachstum wieder nach oben zu kriegen. Die hohen Schulden selbst belasten die Ökonomie, es gibt zu wenige Investitionen. Auch die Alterung der Bevölkerung drückt zunehmend auf die Bremse.

Was wird nun passieren?

Stelter: Staaten und Zentralbanken spielen auf Zeit mit immer mehr Schulden. Kommt es aber nun zu einem erneuten Einbruch der Konjunktur, drohen noch aggressivere Maßnahmen: direkte Finanzierung der Staaten durch die Notenbanken und unmittelbares Verteilen von Geld an die Bevölkerung, um die Nachfrage anzukurbeln. In den USA wird das schon diskutiert.

In ihrem Buch „Die Schulden im 21. Jahrhundert“ fordern Sie einen Schuldenschnitt. Bleibt das so?

Stelter: Weltweit sind die Schulden schneller gewachsen als die Wirtschaft – übrigens auch in China. Damit sind die Schulden außer Kontrolle geraten. Also gibt es keine Alternative dazu, als die Schulden über einen Schuldenschnitt, über Inflation oder höhere Steuern zu reduzieren – keine guten Nachrichten für Sparer und Steuerzahler.

RP ONLINE: „China-Krise trifft Deutschland hart“, 6. Januar 2016

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