Best of 2016: „Schweizer Franken in den Tresor“

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal am 18. April bei bto und zuvor bei der WirtschaftsWoche Online:

Am 5. April 1933 unterzeichnete US-Präsident Franklin D. Roosevelt die Executive Order 6102, die den privaten Goldbesitz in den USA per 1. Mai 1933 verbot. Jeder, der mehr als fünf Unzen Gold besaß, musste dieses unter Androhung erheblicher Strafen innerhalb von 14 Tagen bei staatlichen Stellen abliefern. Die Entschädigung war gering, vor allem verglichen mit der kurz darauf erfolgenden Abwertung des US-Dollars gegenüber Gold. Ziel der Aktion war, den Abfluss von Gold in das Ausland zu stoppen, vor allem aber die Bekämpfung der wirtschaftlichen Depression. Die Abwertung des Dollars gegenüber Gold war faktisch eine Entwertung des Geldes und ein wichtiger Baustein in Roosevelts „New Deal“, dem Programm zur Konjunkturbelebung. So sollten die USA aus der Großen Depression, in die sie als Folge des Schuldenbooms der 1920er-Jahre geraten waren, geführt werden.

Wiederholt sich die Geschichte? Im Frühjahr 2016 zeichnet sich jedenfalls ab, dass der Rat der EZB einsteigt in den Ausstieg aus dem Bargeld. Zunächst ist nur der 500-Euro-Schein gefährdet, doch mir scheint es eine ausgemachte Sache, dass das nur der Anfang ist. Mit dem vorgeschobenen Ziel der Bekämpfung von Kriminalität und Steuerhinterziehung geht es dem Bargeld an den Kragen. Professor Kenneth Rogoff, Krisenexperte aus den USA, ist einer der prominentesten Befürworter. Seit wann geht es Volkswirten um Kriminalitätsbekämpfung? Der Verdacht liegt nahe, dass es in Wahrheit um die praktische Durchsetzung der Sparerenteignung geht, die bereits seit Jahren mit immer aggressiveren Eingriffen der Notenbanken betrieben wird; dies im verzweifelten Versuch, die untragbaren Schuldenberge doch noch irgendwie tragbar zu halten. Ohne eine Bereinigung dieser faulen Schulden, die zwangsläufig auch eine Reduktion von Forderungen und damit Vermögen bedingt, wird die Krise nicht gelöst werden. Solange die Politik sich scheut, das Problem offen zu lösen – durch Pleiten, Schuldenrestrukturierung und Besteuerung – bleibt den Notenbanken nichts anderes, als eine Entwertung der Schulden durch Inflation anzustreben und bis dahin die Schuldenlast durch Negativzinsen so gering wie möglich zu halten.

Um dieser stillen Enteignung zu entgehen, bleiben den Sparern nicht viele Auswege: die Flucht in bereits hoch bewertete Immobilien, Aktien und Anleihen. Der Kauf von physischem Gold. Und die Einlagerung von Bargeld.

Physisches Bargeld erfreut sich bereits einer immer größeren Beliebtheit. Angesichts des maroden Zustands des europäischen Bankensystems kein Wunder. Geld auf dem Bankkonto ist eine Forderung gegen die Bank. Geld im Portemonnaie eine Forderung gegen die Notenbank. Bis jetzt noch ein erheblicher Qualitätsunterschied! Das haben die Bürger schon in der ersten Welle der Finanzkrise erkannt, als der Umlauf der 500-Euro-Note sprunghaft anstieg. Heute droht bei der nächsten Krise die direkte Beteiligung der Bankengläubiger. Ein weiterer Grund, sein Geld statt auf dem Konto im Tresor zu lagern. Dass eine Institution wie die Münchner Rück sich dazu entschieden hat, Bargeld und Gold in ihren Tresoren zu lagern, ist ein mahnendes Zeichen für alle.

Ob es den 500-Euro-Schein weiterhin geben wird oder nicht, spielt deshalb eine Rolle, weil die Kosten für die Lagerung steigen je kleiner die Stückelung der Scheine ist. Das englische Wirtschaftsforschungsinstitut Capital Economics – welches übrigens 2012 den Wolfson Preis gewonnen hat für das beste Konzept zur Auflösung der Eurozone – hat in einer Studie ausgerechnet, was es kostet, Bargeld im Tresor zu lagern. Im Schnitt gehen die Analysten von jährlichen Kosten von 1 bis 2 Prozent aus. Bildhaft gesprochen: Eineinhalb Kisten mit einem Fassungsvermögen von jeweils einem Kubikmeter genügen, gefüllt mit 1000 Schweizer Franken-Scheinen, zur Lagerung von umgerechnet einer Milliarde US-Dollar. Mit 500-Euro-Scheinen braucht es bereits zweieinhalb Kisten und mit 100-US-Dollar-Noten zehneinhalb Kisten für die Aufbewahrung einer Milliarde US-Dollar.

Schnell also noch zur Bank, 500er abheben, solange es sie noch gibt? Vorsicht! Auch eine Forderung gegen die Notenbank kann sich als wertlos erweisen! Es geht den Akteuren in Politik und Notenbanken um die Belastung der Sparer. Deshalb werden sie auch nicht davor zurückschrecken, Banknoten für ungültig zu erklären oder aber unüberwindbare Hürden für deren Verwendung zu errichten. So könnten sie etwa den Nachweis einfordern, genau diesen Schein vor einigen Jahren bei der Bank abgehoben zu haben. Kann man diesen Nachweis nicht erbringen, zum Beispiel, weil die Seriennummern einzeln auf dem Auszahlungsbeleg vermerkt sind, wird die Annahme verweigert. Dann doch lieber 200er- oder 100er-Noten? Denen kann es ähnlich ergehen, wie dem 500er-Schein, mit vergleichbaren Problemen bei der künftigen Verwendung.

Bargeld von einer Notenbank zu horten, deren erklärtes Ziel die Entwertung eben dieses Geldes ist, ist offensichtlich keine gute Idee. Da bietet es sich an, auf solide Währungen auszuweichen. Die Schweizer Notenbank, obwohl ebenfalls schon weit vorangeschritten auf dem Weg in den Negativzins, plant offiziell noch nicht, den – wie oben beschrieben – unter Lagerungsgesichtspunkten höchst effizienten 1000 Franken-Schein abzuschaffen. Da die Schweiz die Negativzinsen nicht hat, um Schuldenberge zu stabilisieren, sondern um eine weitere Aufwertung des Franken aufgrund der Flucht aus den anderen Währungen zu verhindern, dürfte es auch nicht zu Versuchen kommen, das Geld zu entwerten. Weder durch gezielte Inflationierung noch durch Seriennummernspielchen.

Wer auch der Schweiz nicht traut, dem sei in Erinnerung gerufen, dass die Lagerung von Gold genauso effizient ist wie die Lagerung von 1000-Franken-Scheinen. Gold kann man nicht für wertlos erklären, auch ohne Herkunftsnachweis bleibt es wertvoll. Es ist auch robuster als Papierscheine, man denke nur an die Feuergefahr.

Doch hier kommt wieder die Geschichte ins Spiel. Wie lief der Einzug des Goldes 1933 in den USA ab? Die Mitarbeiter des Finanzamts waren bei der Öffnung von Schließfächern in den Banken anwesend, um das Gold gleich entgegen zu nehmen. Ähnlich dürfte es auch bei der Wiederholung in den kommenden Jahren ablaufen. Bargeld und Gold würden dann unter dem Vorwand der Bekämpfung der Steuerhinterziehung und der Geldwäsche beschlagnahmt oder in Guthaben bei der lokalen Bank umgewandelt.

Die Frage der Lagerung bleibt also ein Problem. Da mag es verlockend erscheinen, Bargeld und Gold im privaten Tresor zu lagern. Doch zu groß sind auch hier die Risiken, man denke nur an die bereits sprunghaft angestiegene Zahl der Wohnungseinbrüche.

Die Lösung: Kleinere Geldbeträge zu Hause lagern, ebenfalls ein paar Gold- oder Silbermünzen als eiserne Reserve – und den Rest in einem Land verwahren, in dem Eigentumsrechte sicher und ein Zugriff ausgeschlossen ist. Zusätzlich Aktien von Goldminen halten. So kann man indirekt von der in diesem Szenario zu erwartenden deutlichen Aufwertung von Gold profitieren. Wie die US-Amerikaner nach 1933.

→ WiWo.de: „Schweizer Franken in den Tresor“, 14. April 2016

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