Greece’s weary taxpayers are exhausted

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Jetzt sind wir aber alle überrascht. Griechenland braucht noch mehr Hilfe? Wir haben doch alle den Beteuerungen unserer Politiker geglaubt, dass wir auf keinen Fall weitere Mittel nach Griechenland überweisen.

Das wirklich überraschende ist wohl der Zeitpunkt. Bis nach der Europawahl hätte das Bekenntnis doch noch Zeit gehabt. Dabei trägt die Strategie des Spielens auf Zeit erhebliche Mitschuld an dem Desaster.

Griechenland befindet sich seit sechs Jahren in der Rezession. Um immerhin 30 Prozent ist die Wirtschaftsleistung eingebrochen. All dies im Bemühen, sich aus der Situation der Überschuldung heraus zu sparen. Allen Bemühungen – und Schuldenschnitten – zum Trotz wächst die Staatsschuldenquote dennoch weiter. Damit ist das Land der Beweis für Irving Fishers Debt-Deflation-Theorie.

Aus Sicht der Gläubiger ist es nur normal, auf eine Rückzahlung der Schulden zu drängen und sich darüber zu ärgern, dass bis zum Ausbruch der Krise nicht ordentlich gewirtschaftet wurde – wobei man es als Kreditgeber durchaus auch sehen konnte.

Für die Bürger des Landes stellen die letzten Jahre eine enorme Belastung dar. Die FT berichtet von einem aktuellen Report, der im Auftrag von Regierung und internationalen Geldgebern erstellt wurde. Demnach:

  • hat sich die Steuerlast von Angestellten und Pensionären seit 2010 versiebenfacht.
  • stieg die Steuerlast von Selbständigen um das Neunfache.
  • wurden 2013 sechs verschiedene Immobiliensteuern erhoben. Das Aufkommen stieg von 500 Millionen Euro auf 3,5 Milliarden.
  • wird es damit nicht getan sein. Weitere 1,5 Milliarden sind nötig um die Verschuldungsvorgaben der Troika zu erreichen.

Hoffnung setzt man nun auf die Belebung der Wirtschaft. Diese soll in 2014 erstmals wieder wachsen, wenn auch nur um bescheidene 0,6 Prozent. Optimisten erwarten gar ein bis 1,2 Prozent, was mit Blick auf den vorangegangenen Einbruch nicht gerade viel ist. Angesichts dieser Zahlen kann man verstehen, dass den extremistischen Parteien bei der Europawahl gute Chancen zugesprochen werden.

Eine Leserin dieser Seiten, die in Griechenland wohnt, schickte uns folgende Beschreibung des Lebens in Griechenland: „Sie schreiben, es sei keinesfalls gesetzt, dass bis zur Europawahl alles noch irgendwie gut ginge. Das kann ich von hier absolut unterschreiben. Es tun sich hier Dinge (oder eher: tun sich nicht), die jeder Beschreibung spotten. Längst ist es für griechische Familien eine Standardentscheidung:  Zahle ich meine Steuern/Abgaben, oder kaufe ich was zu essen? Die meisten zahlen noch immer an (Sonder-)Steuern ab, die aus 2011 stammen – jetzt hat das Finanzamt begonnen, direkt auf alles zu zugreifen, was sich auch nur irgendwie auf dem Bankkonto befindet. Ohne ‚Pfändungsgrenze‘ versteht sich. Familien finden sich so monatelang ohne einen Cent wieder. Löhne und Gehälter (so sie denn noch fließen) tauchen gar nicht mehr auf dem Konto auf.“

Wir wollen damit keineswegs die Griechen in Schutz nehmen, die jahrelang über die Verhältnisse gelebt haben. Wer kennt nicht die Geschichten von den Villen mit Swimmingpools, die von Leuten ohne Einkommen bewohnt werden?

Gläubiger und Schuldner haben gleichermaßen guten Grund zur Klage. Der Gläubiger, weil er auf (einen Teil) seiner Forderung verzichten muss, der Schuldner, weil er einen erheblichen Einbruch im Lebensstandard hinnehmen muss. Das Problem entsteht dadurch, dass beide nicht bekommen, was sie wollen. Je länger die Situation andauert, desto mehr wächst die Wahrscheinlichkeit von erheblichen sozialen und politischen Spannungen. Darin liegt die Gefahr der derzeitigen Politik in Europa für den Fall, dass die Skeptiker Recht behalten, die für 2014 eine Fortsetzung der Rezession mit deflationären Tendenzen erwarten.

FT (Anmeldung erforderlich): Greece’s weary taxpayers are exhausted, 29. Januar 2014

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