GES: The Future of Global Money – Session Discussion

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Samstagabend fand in Kuala Lumpur die Diskussion zur „Future of Global Money“ statt. Die Positionen waren aus den vorher eingereichten Diskussionspapieren deutlich geworden:

  • Der Initiator und Moderator der Diskussion, Professor Stefan Kooths, fasste die Ausgangslage zusammen: Seit Aufhebung der letzten Bindung zu Gold in den 1970er-Jahren haben wir einen Verschuldungsboom mit zunehmender finanzieller Instabilität und Blasenbildung erlebt. Die Lösung könnte in einer völligen Privatisierung von Geld und einer Deckung des Geldumlaufs zum Beispiel mit Gold sein. Firmen wie Google oder Facebook könnten so das private, globale Geld der Zukunft schaffen. Diese Idee hat er auch in einem Paper dargelegt, welches ich schon vor einigen Monaten verlinkt habe.
  • Professor Bhide argumentierte hingegen, dass das Fiat-Geldsystem sehr gut funktioniert hätte, vor allem weil es ausreichend Kredit für die Bedürfnisse der Wirtschaft generiert hat. Es gäbe folglich keinen Änderungsbedarf und im Gegenteil würde die anstehende Regulierung den Sektor ungerechtfertigt belasten.
  • Axel Hörger, CEO der UBS in Deutschland, wies darauf hin, dass die Bank außerhalb der Schweiz kein Geld mehr schafft, sondern nur noch Vermögensverwaltung betreibt. Er sah aber die Notwendigkeit, das Vertrauen in Geld wieder zu stärken. Später in der Diskussion an seinem Tisch wurden Ideen wie die Bindung des Geldes an einen Korb von Waren – statt nur Gold – diskutiert, um das Vertrauen in Geld zu stärken.
  • George Selgin ist ein führender Vertreter der „Free Banking“-Schule, die für eine völlige Privatisierung des Geldes bei Abschaffung der Notenbanken eintritt. Er sieht einen der Hauptgründe für unsere Probleme im Versagen der Notenbanken (was ich übrigens auch so sehe). Die Finanzkrise sei in den USA überwiegend keine Bankenkrise gewesen. Die Nicht-Banken hätten die Immobilienblase befeuert und auch die Verluste erzeugt.
  • Sukhdave Singh von der Notenbank in Malaysia betonte, dass man aufgrund der Tatsache, dass einige das System missbraucht hätten, nicht fordern sollte, das System als Ganzes zu ändern. Besser wäre, es beizubehalten, weil die Bürger eines Landes mit schlechter Notenbankpolitik darauf mit Kapitalflucht reagieren könnten. Damit gäbe es ein gutes Korrektiv.
  • Zu guter Letzt mein Beitrag zum Thema. Ich habe einen starken Punkt für die Idee des Sovereign Money gemacht. Eigentlich bin ich eher ein Anhänger der österreichischen Schule, aber bei Geld handelt es sich meines Erachtens nicht um ein gewöhnliches Gut. Geld muss der Realwirtschaft dienen und die Gewinnmaximierung des Finanzsektors ist nicht gleichbedeutend mit einer Wohlstandsmaximierung für die Volkswirtschaft. Meine Gedanken habe ich so zusammengefasst:
  1. Do we have a problem? In my view, yes. The system of decentralized, private money creation needs some limitations in order to stop creating excessive debt levels and financial instability. Since the last – albeit remote – link to gold was abolished in the 1970s we have seen an intimidating increase in debt levels in the developed world. According to data from the Bank for International Settlements total debt levels have more than doubled since 1980 from 160% of GDP to 340% or more. In real terms non-financial corporations have three times as much debt, governments more than four times, and private households more than six times as much debt. In the same period, we witnessed a dramatic increase in financial instability with a series of bubbles. Excessive leverage and loose monetary policy are a key factor leading to the perceived inequality of income and wealth.
  2. Should we address the problem? In my view, yes. Debt is nothing else but foregone future consumption. In the beginning increasing debt levels are like a drug, leading to good feelings and happiness. The higher the debt levels become the more debt becomes a drag on economic growth, and the temptation – and in severe cases, the necessity – increases to solve the debt problem with inflation or default, both further exacerbating the underlying economic problems. The short term benefits of excessive easy money are nice, the long term implications dire.
  3. Is it possible to address the problem? Of course it is. There are two options in my view. A) Keep money creation private as it has been for centuries but go back to the fundamental requirement of a) lending only against good collateral and b) allowing bank failures when unavoidable. This – by the way – does not necessarily imply a return to the gold standard. Any collateral which is reasonably valued and only leveraged to a certain degree would be acceptable. A clear outcome would be much higher equity ratios and a re-regionalization of banking. Combined with macro-prudential surveillance, i.e. limiting the proportional debt levels of sectors relative to GDP, this could work. But I am skeptical. A globalized economy needs global finance which makes it too easy for banks to manipulate data and arbitrage regulatory regimes. This leads me to option B): Introduce sovereign money. This would lead to a world in which only central banks can create money and therefore stabilize monetary growth. It would stop the current patchwork/stop-gap approach of injecting money for saving financial institutions, without improving fundamental productivity drivers. Such funds could better be provided directly to citizens, thereby not only having the seigniorage gains captured by society, but even the Cantillon effect leveled out. In the transition from the status quo to the new monetary order, we could even deal with the debt overhang from the last 40 years.
  4. Will the problem be addressed? I hope so, but I doubt it. Politicians and bankers alike benefit from the existing rules. Money is a topic perceived as too complicated for a broader public discussion. The Swiss are the exception with the planed referendum on the introduction of sovereign money. In case the wake-up calls provided by the recent crises were not loud enough, those from the crises to come will certainly be!

Danach haben wir an den Tischen diskutiert und die Ergebnisse zusammengetragen. Es wäre übertrieben aus einer solchen kurzen Diskussion neue Erkenntnisse oder gar einen Wandel an Auffassungen zu erwarten. Entscheidend war der breite Konsens, dass das bestehende System einer Korrektur bedarf. Die von mir erwartete breite Ablehnung eines Sovereign Money gab es allerdings nicht. Ein Zeichen dafür, dass der Gedankenprozess in Gang kommt.

1 Antwort
  1. Dieter Krause says:

    Na wollen wir es hoffen, dass eine wirkliche Diskussion dazu in Gang kommt, Herr Stelter! Natürlich würde es Jahre – und hunderte wissenschaftlicher Studien – dauern, bis man sich wirklich zu einer Umstellung entschlösse. Aber manchmal – nach der nächsten großen Finanzkrise (?) – kann es wirklich sehr schnell gehen. Und die wird kommen – ganz sicher!

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