Debitismus: Von der zwangsläufigen Krise (I)

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Wer verstehen möchte, was heute in der Wirtschaft und an den Finanzmärkten passiert, der muss in die Theorie des Wirtschaftens einsteigen. Was treibt das Wirtschaftswachstum? Wie kommt es zu Geld? Wie entstehen Schulden und wie werden sie getilgt?

Bekanntlich bin ich Anhänger der Theorie der Eigentumsökonomik, auch Debitismus genannt. Deren Entstehungsgeschichte habe ich gleich nach Gründung von bto auf diesen Seiten diskutiert. Sie ist zeitlos und deshalb immer wieder lesenswert:

Schulden sind gut – Eigentumsökonomik I

Vom Kredit zum Zins – Eigentumsökonomik II

Vom Zins zu Geld und Banken – Eigentumsökonomik III

 Im Rahmen einer Diskussion im Forum von bto mit Michael Stöcker kam es zu der Frage, ob dieses System zwangsläufig zu einer Krise führen muss oder nicht. Herr Stöcker vertrat die Ansicht, dass dem nicht so sei und hat – auf meine Anregung hin – einen ausführlichen Kommentar auf seinem eigenen Blog dazu veröffentlicht. Bevor ich diesen wiederum in bto-üblicher Weise kommentiere, möchte ich zunächst die Grundlagen legen.

Dazu heute die Kurzfassung und nächste Woche  an dieser Stelle eine ausführliche Erklärung der Eigentumsökonomik/des Debitismus aus meiner Dissertation aus dem Jahre 1990.

Zunächst also der Blick auf die Theorie der Krisen im System, die ich im vierten Teil der kleinen Serie zur Eigentumsökonomik behandelt habe. Es lohnt sich, den Beitrag zu wiederholen:

Fassen wir die bisherigen Aussagen zusammen: Die Revolutionäre, die nach Beseitigung der Unterdrückung durch die Feudalherren eine Gesellschaft von Gleichen schaffen wollten, legten in Wahrheit die Grundlage für eine Gesellschaft, die zunehmend ungleicher werden musste. Erfolglose Bauern verloren über die Zeit ihr Eigentum und endeten als Sklaven bei ihren früheren Kreditgebern. Erfolgreiche Bauern erlangten Kontrolle über immer größere Ländereien. Es kam zu einer erheblichen Vermögenskonzentration. In der Folge nahmen wirtschaftliche Dynamik und Innovationsfreude wieder ab, da diese neuen Großgrundbesitzer durch ihre Ländereien über sichere Erträge verfügten und so weniger Druck vorhanden war, nach neuen Lösungen zu suchen. Und wer wieder Sklave war, hatte ohnehin keinen Anreiz, innovativ zu sein. Das Wachstum ging zurück, und es war nur eine Frage der Zeit, bis es aufgrund der ungleichen Verteilung von Vermögen und dem nachlassenden Wachstum zu sozialen Unruhen kam, die wiederum zu einer Neuverteilung des Eigentums und damit quasi zu einem Neustart des Systems führten.

Schon im antiken Griechenland war man sich dieses Problems bewusst und versuchte durch Beleihungsgrenzen sicherzustellen, dass die Schuldner sich nicht übernahmen – doch dies führt nur zu einer Verlangsamung, nicht zu einer Verhinderung einer weitergehenden Vermögenskonzentration. Aus dem gleichen Blickwinkel muss man auch Versuche sehen, Zinsen zu verbieten, um diese Dynamik zu brechen. Doch auch wenn der Zins in einigen Religionen abgeschafft wurde, wurde er durch die Hintertür immer wieder eingeführt. Da Eigentümer immer eine Entschädigung für die zeitweilige Überlassung von Eigentum haben wollen, wird der Zins zum Beispiel als Kursgewinn bei Rückzahlung des Kredites verkleidet.

In der heutigen Zeit ist dieser Prozess insofern verlangsamt, da sowohl das Steuer- als auch das Sozialsystem zu einer kontinuierlichen Umverteilung führt und deshalb die Vermögenskonzentration nicht mehr so schnell erfolgt wie in der Vergangenheit.

Ein weiterer Grund für Krisen in diesem System ist die temporäre Überbewertung von Vermögenswerten. In der Vergangenheit gab es viele derartige Überbewertungen, die auch „Blasen“ genannt werden. „Blasen“ deshalb, weil der Preiseinbruch überraschend erfolgt und sehr stark ausfällt. Berühmt sind die Tulpenblase im Holland des 17. Jahrhunderts, wo das ganze Land auf einen ewigen Preisanstieg der Tulpenzwiebel spekulierte und der Börsenboom der 20er-Jahre, der bekanntlich mit dem Crash von 1929 den Auftakt zur Großen Depression lieferte.

Werden diese überbewerteten Vermögenswerte als Sicherheiten für Kredite genommen – und das werden sie, denn nur dann ist eine weitere Nachfrage mit weiter steigenden Preisen überhaupt möglich, kommt es unweigerlich zu einer Krise, wenn die Blase platzt. Die Sicherheiten für die Kredite sind weg und ein schwerer Wirtschaftseinbruch ist unvermeidlich.

Der Staat kann in diesem Fall einspringen und sich selbst verschulden, um Nachfrage zu schaffen und es damit den Schuldnern zu erleichtern, ihr Geld zurück zu verdienen. Aber auch dies geht nur in Maßen, steht doch hinter der Schuldenfähigkeit des Staates nichts anderes als die Fähigkeit von eben diesen Schuldnern, seinen Bürgern, Geld in Form von Steuern zu fordern. Doch das ist riskant, wie Heinsohn und Steiger prägnant ausführen: Entweder sind die privaten Eigentümer zu diesem Zeitpunkt zu hoch verschuldet oder haben keine Aussicht, „eine weitere Verschuldung nebst den Zinsen darauf verdienen zu können, weshalb sie eben auch kein weiteres Eigentum für eine solche Verschuldung verpfänden.

Werden in der gleichen Situation Staatspapiere ausgegeben, setzt die öffentliche Macht dieses wohlbegründete Kalkül außer Kraft. Sie haftet mit dem Eigentum der Bürger, mit dem diese selbst aus ökonomischen Gründen nicht mehr zu haften bereit sind. Im Ergebnis wird also für die Staatspapiere mit einem Eigentum gehaftet, ohne dass deren tatsächliche Schuldner dabei wären, die Zinsen auf diese Papiere auch wirklich durch Produktion und Verkauf zu verdienen. Die Folge: Die Schulden steigen schneller als das Bruttosozialprodukt und können nicht ordentlich bedient werden.

Das trifft auch heute zu. Nach einem Boom kam es zu einer Entwertung überbewerteter Vermögenswerte und anschließend zu Problemen bei den Banken als Kreditgebern, weil deren Forderungen, also die Kredite und die darunter liegenden Sicherheiten, deutlich an Wert verloren. Sie hatten Schwierigkeiten sich zu finanzieren, waren also nicht mehr liquide, was daran lag, dass die Kreditgeber der Banken bezweifelt haben, dass die Banken überhaupt noch beleihbares Eigenkapital hatten. In den Augen der Kreditgeber waren die Banken also ‚insolvent‘, auf Deutsch: pleite.

Die Staaten sprangen ein und versuchten, den Einbruch abzuwenden, allerdings mit dem Ergebnis weiter steigender Schulden, deren ordnungsgemäße Rückzahlung angesichts der bestehenden hohen Schulden fraglich ist.

Es ist kein Wunder, dass verzweifelt nach Auswegen gesucht wird, sei es in Form von Zentralbankinterventionen, um die Vermögenswerte zu erhöhen und die Zinsen zu senken oder durch die Beschaffung von Geld bei anderen Ländern, die noch nicht so hoch verschuldet sind, wie in der Eurozone gut zu beobachten. Im Kern erfolgt dabei jedoch nur die weitere Belastung von Schuldnern, die am Ende ihrer Schuldentragfähigkeit – ihrer Beleihungsgrenze – angekommen sind. Dass dies nicht gut gehen kann, dürfte mit Blick auf die Geschichte nur zu deutlich werden.

So weit also zunächst meine Sicht, wonach es systemimmanent zu Aufschuldung, Vermögensblasen, Ungleichverteilung, Crash und deflationärer Schulden- = Forderungsvernichtung kommen muss.

Die Rettungspolitik seit 2009 hat die Ungleichgewichte eher noch vergrößert. Die Schulden sind höher, die Vermögen konzentrierter (zumindest in den USA, in Deutschland nicht), die Vermögenswerte höher bewertet. Zugleich ist das realwirtschaftliche Wachstum schwach, zu groß ist der Druck zum Schuldenabbau. Die geringen Produktivitätszuwächse sind ebenfalls die Folge dieses Verdrängungsprozesses: Zum einen werden schwache Schuldner und Überkapazitäten am Leben erhalten, zum anderen ist der Innovationsdruck zu gering. Wenn Schulden fast nichts kosten, muss man sich nicht so eine große Mühe geben. Die demografische Entwicklung ist dabei eine neue Komponente, die so in der Vergangenheit nicht gewirkt hat. Aus Sicht der Anhänger der Eigentumsökonomik/Debitismus verstärkt es allerdings die Krise, weil Wachstum und Inflation noch tiefer ausfallen.

Deshalb bleibe ich skeptisch. In der kommenden Woche mache ich noch eine ausführliche Betrachtung des Debitismus, beovor wir dann in der Woche drauf die Kritik von Michael Stöcker behandeln.

 

 

 

9 Kommentare
  1. Johann Schwarting says:

    Hallo Herr Dr. Stelter,

    „Bekanntlich bin ich Anhänger der Theorie der Eigentumsökonomik, auch Debitismus genannt.“

    die Gleichung Eigentumsökonomik = Debitismus ist so nicht richtig, wie wir den Darlegungen von Paul C. Martin in

    http://www.miprox.de/Wirtschaft_allgemein/Martin-Symp.pdf

    entnehmen dürfen. „Es bleibt der Grundirrtum aller ökonomischen Theorien, dass sie ihre Modelle in einen staats- und machtfreien Raum stellen und dann sich selbst überlassen.“ Der Grund der Ablehnung des Debitismus liegt darin, dass das System aus Gewalt entstanden ist, auf Gewalt ruht und in Gewalt endet – oder in den Worten von @Ashitaka aus

    http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=364561

    „… Martin bietet mit seiner Machttheorie (als Voraussetzung für die wichtigste Ader des Debitismus (Abgaben-/Kontraktschuld) einen donnernden Ansatz, der den Klassikern und Eigentumstheoretikern aus einem bestimmten Grund nicht schmecken kann: Es ist die Bewusstwerdung, dass wir vergewaltigt wurden, vergewaltig werden und das ganze System schließlich nach einem Wartemodus wieder in Gewalt enden wird! Die Antriebskraft aller Kontraktschulden ist nach Martin die Abgabe (Zinnß) an die Zwingherrschaft, eine nichtkontrakliche Schuld (ex nihilo!).…“

    MfG JS

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    • Dietmar Tischer says:

      Von irgendeiner REALITÄT muss man ausgehen.

      Eigentum ist eine. Punkt.

      Man kann natürlich fragen, welches böse Geschehen bzw. welche Mächte zu dieser Realität geführt haben und sie aufrechterhalten.

      Hier eine prominente Antwort:

      „Der erste, der ein Stück Feld einzäunte und sich dabei einfallen ließ, zu sagen „dies ist mein“, und auch Leute fand, die einfältig genug waren, es ihm zu glauben, – dieser ist der eigentliche Stifter der bürgerlichen Gesellschaft gewesen“. (J.-J. Rousseau)

      Der Mann hatte Einfluss, konnte die Leute aber nicht von der vermeintlichen Einfalt abbringen.

      Selbst Marx, der eine wirkmächtige Theorie ersann, die letztlich in der Abschaffung des Privateigentums der Produktionsmittel münden sollte, scheiterte.

      Durchgesetzt hat sich hingegen die Auffassung eines J. Locke, der sagte:

      „Political power, then, I take to be a right of making laws … for the regulating and preserving of property, and of employing the force of the community in the execution of such laws …“

      Bleibt noch zu fragen, woher die “political power” kommt, die mit einem solchen RECHT ausgestattet ist.

      In Demokratien basiert sie auf dem Grundverständnis , dass es eine Instanz geben müsse, die für ALLE verbindlich bestimmte Dinge zu regeln habe, u. a. bezüglich dessen, was unter Eigentum zu verstehen ist und wie man mit dem (seinem) Eigentum verfahren könne UND der Tatsache, dass dieses Grundverständnis durch regelmäßiges Handeln – insbesondere freie Wahlen – BESTÄTIGT wird.

      Diese Instanz ist die Exekutive.

      Solange keine gesellschaftliche Mehrheit „andere Verhältnisse“ will, ist Eigentum legitim – EGAL, wie es als Realität entstanden ist, d. h. das Konzept „Eigentum“ zu einer Realität wurde (mit welchen Ausprägungen auch immer).

      Erklärungen dafür, dass es keine legitime Basis für Eigentum gäbe, mögen intellektuell interessant sein, sind aber nach Lage der Dinge irrelevant – siehe J.-J. Rousseau wie oben zitiert.

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      • Johann Schwarting says:

        In meinem Kommentar zu dem Beitrag von Dr. Stelter geht es nur um den Inhalt des zitierten Satzes.

        In dem mehr als fünf Monate zurückliegenden Faden

        http://think-beyondtheobvious.com/stelters-lektuere/it-may-take-a-massive-program-large-enough-to-shock-taxpayers/ ,

        habe ich in einigen Sätzen versucht, etwas über das Verhältnis zwischen der Machttheorie von Paul C. Martin und dem Kapitalismus zu schreiben. Die Volkswirtschaft auf der Grundlage der Eigentumsökonomik von Heinsohn/Steiger ist demnach eine Folgeerscheinung des Debitismus. Der Kapitalismus ist ein Phänomen der Gewinnung – der Überbrückung – von Zeit. Geld ist eine Forderung auf zentralbankfähige leistungserzwingende Verschuldung der Privaten an der Basis der Ökonomie. Die Eigenschaft ‚Geld‘ eines Schuldtitels wird dabei mit der Macht im Rahmen einer Zentralmachtordnung von oben durchgesetzt und von unten getragen.

        Die große Schwierigkeit beim Entschlüsseln des Ganzen liegt nun darin, dass man seinen Blickwinkel auf das finanzielle und ökonomische Geschehen vollständig ändern muss – und dieses Ergründen, das zunächst wegen der doch irritierenden Wahrnehmung einige Zeit dauert, kann auch nicht in wenigen Sätzen formuliert werden. Aber das ist vielleicht auch egal in der Endphase eines zyklisch-zivilisatorischen Durchganges – im 3.Jh. n. Chr. weideten die Kühe im Forum Romanum und in einigen Jahrzehnten werden die Tauben womöglich in den Ruinen des Bundeskanzleramtes nisten.

        Zur allgemeinen Erheiterung noch das – wenn es nicht so traurig wär (Dr. Stelter: „Ich fasse es nicht!“) – il terzo mondo:

        http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/berlin-kreuzberg-toiletten-kaputt-unterricht-faellt-aus-a-1134006.html

  2. Dietmar Tischer says:

    Zu den Grundlagen (historischer Aspekt):

    >Erfolgreiche Bauern erlangten Kontrolle über immer größere Ländereien. Es kam zu einer erheblichen Vermögenskonzentration. In der Folge nahmen wirtschaftliche Dynamik und Innovationsfreude wieder ab, da diese neuen Großgrundbesitzer durch ihre Ländereien über sichere Erträge verfügten und so weniger Druck vorhanden war, nach neuen Lösungen zu suchen. Und wer wieder Sklave war, hatte ohnehin keinen Anreiz, innovativ zu sein. Das Wachstum ging zurück, …>

    Warum soll ALLEIN aufgrund der Vermögenskonzentration die wirtschaftliche Dynamik abnehmen?

    Sind sichere Erträge ein HINREICHENDER Grund, nicht innovativ zu sein zu müssen?

    Ich vermag das nicht einzusehen, mir fehlt der MECHANISMUS, der ZWINGEND von der Vermögenskonzentration zu schwachem Wachstum führen MUSS.

    Ich bestreite damit nicht, dass die Vermögenskonzentration EFFEKTE hat, die sich auf das Wachstum auswirken können. Ich bestreite aber, dass obige Ableitung eine schlüssige ERKLÄRUNG ist.

    Beispielhaft dazu:

    In den Städten des Spätmittelalters und danach hat es mit dem Zunftwesen ein REGULATIV gegeben, das den Wettbewerb weitgehend ausgeschaltet und somit keine Anreize für Innovationen gesetzt hat.

    Das ist eine Erklärung bzw. Teil einer Erklärung, die – ob richtig oder falsch – aufgrund des Mechanismus zumindest nachvollziehbar ist.

    Dergleichen fehlt mir hier.

    Zu den Grundlagen (heutige Zeit):

    >Was treibt das Wirtschaftswachstum? Wie kommt es zu Geld? Wie entstehen Schulden und wie werden sie getilgt?>

    Das sind in der Tat relevante Fragen.

    Dass es Eigentum gibt und die Überlassung von Eigentum einen Preis hat, der sich in Zinsen bzw. Zinszahlungen ausdrückt, ist richtig, aber keine Antwort auf die Frage, warum Wirtschaftssubjekte wollen, dass ihnen Eigentum überlassen wird.

    Ist die Antwort – siehe oben –, dass Vermögenskonzentration ein ZIEL an sich ist?

    Ich glaube es nicht.

    Hier meine Sicht, die – richtig oder falsch – versucht, ansatzweise darzulegen, WARUM es

    >… systemimmanent zu Aufschuldung, Vermögensblasen, Ungleichverteilung, Crash und deflationärer Schulden- = Forderungsvernichtung kommen muss.>

    Den Verschuldungsmechanismus aufgrund von Beleihungsmöglichkeit (Eigentum) gegeben, lautet er:

    Der Renditewettbewerb, d. h. der ZWANG möglichst hohe Renditen zu erzielen, veranlasst die Unternehmen zu Investitionen. Das Kalkül: bei Wachstum durch steigenden Absatz zur höheren Rendite, bei fehlendem Wachstum durch Skaleneffekte zu geringeren Stückkosten und damit ebenfalls höherer Rendite. Die Investitionen könnten auch aus den Gewinnen finanziert werden – theoretisch. Nicht jedoch bei den HERRSCHENDEN Wettbewerbsbedingungen mit Anreizen, sich über Verschuldung zu finanzieren (Zinsen sind Kosten im Steuersystem).

    Auf der Konsumentenseite besteht der ZWANG, durch Verschuldung für die Absorption des WACHSENDEN Güterangebots zu sorgen.

    Das ist die Grundthese, um die man als Parameter herumbauen kann, etwa relative Gütersättigung, Demografieeffekte, Globalisierung etc.

    Unabdingbar für die Erklärung von NACHHALTIGEN Krisensituationen ist das gesamtgesellschaftliche Dogma, die Arbeitslosigkeit in erträglichen Grenzen zu halten. Deshalb werden Großinsolvenzen und Insolvenzketten, wie sie Bankeninsolvenzen generieren würden, um nahezu jeden Preis verhindert.

    Diese Gedanken sind sehr weit weg von einer umfassenden, stimmigen Erklärung, wie es SYSTEMIMMANENT zu Krisen, wie wir sie erleben, kommen muss.

    Ich will nur für meine Überzeugung argumentieren, dass taugliche Erklärungsansätze auf WIRKMECHANISMEN beruhen müssen, die systembedingt „motivisch“ vom Handeln von Wirtschaftssubjekten, Staatshandeln inklusive, abgeleitet sein müssen.

    Wird diese Bedingung nicht grundsätzlich erfüllt, wird für mich letztlich nichts erklärt (in DIESEM System).

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  3. Rob says:

    „Da Eigentümer immer eine Entschädigung für die zeitweilige Überlassung von Eigentum haben wollen“.

    Stimmt das? Geld ist ja nie Eigentum, sondern nur der verbriefte Anspruch auf Erwerb von Gütern und Leistungen (kurz: Forderung). Sicher, es ist im Zitat von Eigentümern die Rede. Geld kommt ja durch Kreditschöpfung in die Welt (einige Ökonomen sprechen denn auch vom „World Wide Web of Contracts“). Und wenn mit diesem Geld irgend etwas gezahlt wird, hat derjenige, der nun meint, aufgrund eines Verkaufes Eigentümer des Geldes zu sein, die Möglichkeit, dieses Geld weiterzuverleihen, obwohl er nur seine Ansprüche vorübergehend anderen überlässt. Das alleine ist schon Grund, keine Zinsansprüche gelten zu lassen.

    Am Rande zitiere ich aus “Institutional Economics”, John R. Commons, 1934 :
    „Other sciences deal with things – economics deal with legal rights over things.”

    Also es geht eigentlich übers Geld hinaus.
    Generell sind die rechtlichen Grundlagen für die Geldwirtschaft enorm wichtig: Ohne einklag- und durchsetzbare Rechte und Pflichten keine florierende Kreditwirtschaft. Wo die dafür nötigen staatl. Institutionen nicht vorhanden oder schwach, unzuverlässig und korrupt sind, kann man auch nicht auf durchsetzbare Rechte und Pflichten vertrauen, sondern kann sich nur auf direkt persönliche Beziehungsnetze verlassen.

    Das betrifft große Teile der Welt (z.B. auch Griechenland), und das stellt ein wichtiger Grund dar, warum nicht soo viele Staaten wohlhabend sind.

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  4. Dietmar Tischer says:

    @ Dr. Stelter

    Nachtrag zu meinem Post:

    In Ihren Ausführungen „Eigentumsökonomik I“

    http://think-beyondtheobvious.com/schulden-sind-gut/

    sagen Sie:

    >Erst die Existenz von Schulden ermöglicht anhaltendes Wachstum einer Volkswirtschaft, zunehmende Produktivität – also effizientere Nutzung von Ressourcen − und technischen Fortschritt. Der Grund dafür ist einfach: Schulden führen zu Druck.>

    Ich bestreite nicht, dass Schulden einen Druck auf den Schuldner ausüben derart, dass er über die Produktion nachfragerelevanter Güter die Schulden bedienen kann – es ist so.

    So richtig die Aussage ist, so wenig kann sie leisten, was sie leisten soll:

    Sie kann NICHT hinreichend begründen, warum ERST, d. h. NUR durch Schulden anhaltendes Wachstum in einer Volkswirtschaft möglich ist.

    Für diese Behauptung müssten Sie alle anderen Möglichkeiten durch die eine Volkswirtschaft zum Wachstum gebracht werden kann, ausschließen.

    Das tun Sie nicht.

    Daher kann Ihre obige Behauptung zumindest bezweifelt werden.

    Ich gehe weiter und behaupte, dass sie falsch ist.

    Meine Begründung dafür:

    Im System können Unternehmen Gewinne erzielen. Wenn diese Gewinne eingesetzt werden, um Innovationen zu realisieren oder die Produktivität zu erhöhen, wächst die Wirtschaft. Voraussetzung ist allerdings, dass die so erzeugten Produkte nachgefragt werden – und bei hier angenommener NICHT-Verschuldung in der Volkswirtschaft – anderen Unternehmen Nachfrage entzogen wird, so dass in letzter Konsequenz das eine oder andere Unternehmen pleitegeht. Die dadurch arbeitslos gewordenen Menschen kann der erfolgreiche Unternehmer beschäftigen. Dadurch wird die Produktion mit dem höheren Nutzen oder dem günstigeren Preis ausgeweitet und der Kurs REALEN Wachstums stabilisiert. Der Druck bzw. Anreiz hierbei: Bestreben des Unternehmers, seine Handlungsoptionen zu erweitern – Unternehmer sind Handelnde – bzw. das Risiko, von anderen in die Pleite getrieben zu werden, zu verringern und zu vermeiden.
    Dieser Mechanismus schließt Probleme für die Volkswirtschaft nicht aus. Ich argumentiere hier nicht dafür, welcher Systemmechanismus der bessere ist.

    Ich erkläre mit der Gewinn-Finanzierung, WARUM von Unternehmen Veränderungen ausgehen.

    In Ihrem obigen Zitat fehlt eine solche Erklärung.

    Verschulden sich Unternehmer/Unternehmen, um SICH unter Druck zu setzen?

    Ich glaube es nicht, das aber ist die Implikation Ihrer oben zitierten Aussage.

    Wie auch immer, es mag ja sein, dass mein Erklärungsmodell für sozusagen „organisches Wachstums“ im Gegensatz zu verschuldungsinduziertem widerlegbar ist.

    Heißt:

    Es muss die MÖGLICHKEIT seiner Existenz widerlegt werden.

    Der Einwand, dass es kein so dynamisches Wachstum wie der Verschuldungsmechanismus bewirkt, ist m. A. n. richtig, aber keine Widerlegung.

    Auch die Tatsache, dass wir nun mal ein auf Debitismus bauendes Wirtschaftswachstum haben, ist keine.

    Darüber kann es keine ernsthafte Diskussion geben, allenfalls darüber, welche Wirkmechanismen es treiben (siehe mein vorheriges Post).

    Kurzum:

    Warum nicht begründete Aussagen, wenn es GENÜGT, von den gegebenen Sachverhalten auszugehen, um bestimmte Entwicklungen hin zu Ungleichverteilung, Vermögensblasen, Crash und Forderungsvernichtung darzulegen?

    Diese Entwicklungen müssen gut begründet schlüssig dargelegt werden mit, wie gesagt, belastbaren Wirkmechanismen, die aus systembedingt motivischen Handeln erwachsen müssen.

    „Existenzielle Überhöhungen“ mit „erst“ oder „nur“ tragen nichts dazu bei.

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  1. […] Fortsetzung des Themas → Debitismus greife ich in dieser Woche auf einen Auszug aus meiner Dissertation aus dem Jahr 1990 […]

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